Digitaler Produktpass und digitaler Zwilling: Software

Ein digitaler Zwilling ist das digitale Abbild einer Maschine, Anlage oder eines Produkts mit Stammdaten, Live-Daten und Historie. Der digitale Produktpass ist ein standardisierter Ausschnitt davon, der Herkunft, Materialien, Reparierbarkeit und Recycling entlang der Lieferkette zugänglich macht. Software dieser Kategorie erstellt, verwaltet und teilt beides, oft auf Basis der Verwaltungsschale.

  • Director Ecosystem ctrlX World, Bosch Rexroth AG
  • Schmitz Cargobull
  • Head of IT, Techem Gruppe

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Worauf du achtest

Digitaler Zwilling und Produktpass

Ein digitaler Zwilling bündelt alles, was über ein reales Objekt bekannt ist: technische Daten, Dokumentation, Konfiguration, aktuelle Betriebsdaten und die Historie von Wartung und Änderungen. Je nach Zweck reicht das Spektrum von der strukturierten Produktakte bis zum simulationsfähigen Modell einer ganzen Fertigung, mit dem sich Abläufe vorab testen lassen. Im Industrie-4.0-Umfeld ist die Verwaltungsschale (Asset Administration Shell, IEC 63278) der Standard, um solche Zwillinge herstellerübergreifend maschinenlesbar zu beschreiben.

Der digitale Produktpass (DPP) ist ein gesetzlich geforderter Teil davon. Die EU-Ökodesign-Verordnung ESPR legt fest, dass Produkte Informationen zu Materialien, Herkunft, Reparatur und Recycling digital mitführen, abrufbar etwa über einen QR-Code. Welche Daten genau nötig sind und ab wann, regeln delegierte Rechtsakte je Produktgruppe. Als erster Pass greift der Batteriepass nach der EU-Batterieverordnung. In der Praxis wächst ein Zwilling oft schrittweise: zuerst Typenschild und Dokumentation, dann Betriebsdaten und schließlich Nachhaltigkeitsdaten für den Produktpass.

Abgrenzung zu Plattformen und Integrationsprodukten

IoT-Plattformen und IT/OT-Integrationsprodukte transportieren und speichern Daten. Software für digitale Zwillinge und Produktpässe gibt diesen Daten eine standardisierte Struktur und macht sie für Kunden, Lieferanten und Behörden nutzbar. Der Primärkaufgrund ist damit der Datenaustausch über Unternehmensgrenzen, zum Beispiel für Manufacturing-X oder die Erfüllung von EU-Vorgaben.

Worauf man bei der Auswahl achtet

Wichtig sind die Unterstützung der Verwaltungsschale mit ihren Teilmodellen, Schnittstellen zu ERP, PLM und IoT-Plattform sowie Rechte- und Rollenkonzepte, damit jeder Beteiligte nur die für ihn bestimmten Daten sieht. Für den Produktpass zählen eindeutige Kennungen, Datenträger wie QR-Code oder RFID und die Anbindung an Lieferanten, die Materialdaten liefern. Beispiele aus dem Netzwerk sind XITASO mit Mnestix für die Verwaltungsschale, KURZ Digital Solutions für den digitalen Produktpass und SYNAOS für digitale Zwillinge in Produktion und Intralogistik. Sinnvoll ist, früh zu klären, welche Daten Kunden und Gesetzgeber tatsächlich verlangen, und den Zwilling von dort aus aufzubauen. Die Lösungsbeispiele zeigen, wie Unternehmen damit gestartet sind.

Häufige Fragen zu digitalem Zwilling und Produktpass

Was ist ein digitaler Zwilling?

Ein digitaler Zwilling ist das digitale Abbild eines realen Objekts, etwa einer Maschine, Anlage oder eines Produkts. Er enthält Stammdaten und Dokumentation, aktuelle Betriebsdaten aus Sensoren und die Historie von Wartung und Änderungen. Damit lassen sich Zustand und Verhalten auswerten, Abläufe simulieren und Daten mit Partnern teilen. In der Industrie wird er häufig über die Verwaltungsschale standardisiert beschrieben.

Ab wann gilt der digitale Produktpass?

Der digitale Produktpass gilt schrittweise je Produktgruppe, nicht für alle Produkte auf einmal. Grundlage ist die EU-Ökodesign-Verordnung ESPR, die seit Juli 2024 in Kraft ist. Die konkreten Pflichten und Fristen legen delegierte Rechtsakte für einzelne Produktgruppen fest. Als erstes greift der Batteriepass: Ab 18. Februar 2027 brauchen ihn Batterien für Elektrofahrzeuge, leichte Verkehrsmittel und Industriebatterien über 2 kWh.

Welche Software braucht man für den digitalen Produktpass?

Für den digitalen Produktpass braucht man Software, die Produktdaten aus ERP, PLM und von Lieferanten zusammenführt, je Produkt eine eindeutige Kennung vergibt und die Daten über einen Datenträger wie einen QR-Code abrufbar macht. Wichtig sind Rollenrechte, damit Kunden, Reparaturbetriebe und Behörden jeweils nur ihre Daten sehen. Viele Lösungen bauen auf der Verwaltungsschale auf, um Daten standardisiert auszutauschen.

Was hat die Verwaltungsschale mit dem digitalen Zwilling zu tun?

Die Verwaltungsschale ist der Standard, mit dem sich ein digitaler Zwilling in der Industrie herstellerübergreifend beschreiben lässt. Sie gliedert die Daten eines Assets in Teilmodelle, etwa für Typenschild, technische Daten, Dokumentation oder CO2-Fußabdruck. Weil jedes Teilmodell einheitlich aufgebaut ist, können Systeme verschiedener Hersteller die Daten ohne individuelle Schnittstelle lesen. Auch digitale Produktpässe werden oft auf dieser Basis umgesetzt.

Wie wird ein digitaler Zwilling in der Produktion eingesetzt?

In der Produktion bildet ein digitaler Zwilling Maschinen, Linien oder ganze Werke mit ihren aktuellen Daten ab. Damit lassen sich Anlagen vor dem Aufbau virtuell in Betrieb nehmen, Umbauten und Materialflüsse simulieren und Zustände in Echtzeit verfolgen. Instandhalter finden Dokumentation und Historie an einer Stelle. Grundlage ist eine saubere Datenanbindung über IoT-Plattform oder Integrationsschicht.

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