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Folge #34Folge #34Folge #34Digitaler Service im Sondermaschinenbau

In Podcastfolge 34 spricht Madeleine Mickeleit mit Vanessa Kluge, Produktmanagerin im Bereich Digitalisierung des Softwareunternehmens Kontron AIS, und Stefan Huber, Director of Project Management der Firma RAMPF. Der Use Case dreht sich rund um das Thema digitaler Service und die erfolgreiche Arbeit mit einer Software as a Service Lösung.

Zusammenfassung der Podcastfolge

Das Trendthema digitaler Service scheint vor keiner Branche Halt zu machen. Gut für Softwareunternehmen wie Kontron AIS, die Firmen verschiedenster Branchen auf dem Weg zum optimalen Service mit agilen Software as a Service und Cloud-Lösungen begleiten.

 

Ziel des Herstellers von Reaktionsharzen und Sondermaschinen RAMPF war es, durch Innovationen im Bereich des Kundenservices, der Datendokumentation und Kommunikation digitale Mehrwerte für seine Kunden zu kreieren sowie intern Prozesse zu optimieren. Ganz oben auf der Agenda standen außerdem die Themen Transparenz, Datensicherheit und Kundenvertrauen. 

 

Die neue Lösung sollte eine nahtlose Integration bestehender Systeme, beispielsweise SAP, mit den neuen Schnittstellen gewährleisten. Um diese Vision zu verwirklichen, waren sie bereit, alten Strukturen den Rücken zu kehren und sich in unbekannte Gewässer aufzumachen. Dazu holten sie sich die Dresdener Firma Kontron AIS ins Boot. RAMPF hatte die Chance und Notwendigkeit erkannt, die Erweiterung ihres Angebots um einen umfassenden Servicebereich inklusive Digitalisierung vorzunehmen, um sich noch erfolgreicher am Markt zu platzieren.

 

Durch offene Mitarbeiterkommunikation, einem allmählichen, sukzessiven Ausrollen der Cloud-Lösung und Erfolgen, die nicht lange auf sich warten ließen, war die anfängliche Skepsis innerhalb der Belegschaft schnell verflogen. Mittlerweile läuft fast die gesamte Projektkommunikation über die sogenannte EquipmentCloud®, die vor anderthalb Jahren bei RAMPF implementiert worden ist. Im Rahmen des Podcast wird diese Lösung detailliert erklärt und ihre Vorteile anhand von Beispielen aus dem Daily Business dargestellt.

 

Außerdem wird die Frage geklärt, ob Maschinendaten bereits Gegenwart oder noch Zukunftsmusik sind, in welcher Art ein Node-RED Interface zur Integration Anwendung findet und wie die Akzeptanz beim Endkunden für derartige gekoppelte Lösungen aussieht. 

 

Podcast Interview

Hallo Vanessa, hallo Stefan – schön, dass ihr beim Industrial IoT Podcast dabei seid! Vanessa, kannst du einleitend kurz etwas zu deiner Rolle bei Kontron AIS und eurem Kerngeschäft sagen?

Vanessa

Ich freue mich sehr, heute dabei zu sein. Mein Name ist Vanessa Kluge. Ich bin Produktmanagerin im Bereich Digitalisierung bei der Kontron AIS aus Dresden und verantwortet dort unter anderem strategisch die digitale Service-Lösung EquipmentCloud und beschäftige mich hierbei vordergründig mit den Themen Schmerzpunkte der Zielgruppe, Produkt-Vision, Use Case Entwicklung und Markttrends rund um Digitalisierung und IIoT. Die Kontron AIS ist hier im wunderschönen Dresden seit 30 Jahren am Markt tätig. Wir sind Lösungslieferant für industrielle Software, die von SPS, über Maschinen und Light-Rechner, Produktionssteuerung bis hin zur Cloud-Lösung reicht, die ich mit verantworte. Im Grunde kümmern wir uns um alles, was bei der Fabrik oder auch bei Maschinen und Anlagen automatisiert, integriert und digitalisiert werden soll. Wir sind seit Ende 2019 auch Teil der S&T AG aus Linz und mit dem Schwesterunternehmen Kontron, das da auch mit dazugehört, haben wir auch einen sehr starken Hardware-Partner, mit dem wir auch beide Know-hows – Software und Hardware – verbinden und so auch das Thema Konnektivität zwischen Anlagen und Maschinen sowie Fabrikbetreibern und Anlagen- und Maschinenbauern stärker forcieren können.

 
Du hast gerade schon das Thema Cloud und eure EquipmentCloud angesprochen. Darauf würde ich im nächsten Schritt noch mal genauer eingehen, bevor wir dann zu dem Use Case und eurem Projekt mit der Firma RAMPF kommen. Vorab noch eine Frage: Was sind aus deiner Sicht die Top 3 Herausforderungen, denen sich die Kunden in Richtung Digitalisierung bei euch heute stellen müssen?
Vanessa
Was wir sehen ist, dass der Maschinenanlagenbau durch den gesättigten Markt oder auch den Wettbewerb, der aktuell natürlich sehr groß ist, Schwierigkeiten hat, weiterhin ein nachhaltiges Wachstum zu generieren. Gerade sehen wir auch, dass immer mehr branchenfremde Unternehmen oder auch Start-ups Kundenprobleme auf ganz andere Weise lösen und dadurch auch überzeugend am Markt auftreten. Hier gilt es Lösungen zu finden. Darüber hinaus sehen wir auch, dass die Maschinenbauer vor der Herausforderung stehen, Mut aufzubringen, vielleicht auch neue Ideen auszuprobieren, gerade auch im Rahmen von dieser guten wirtschaftlichen Lage. Also klar, es gibt durch die Pandemie natürlich auch Firmen, die anders betroffen sind. Aber wir sehen schon auch, dass die meisten gerade ziemlich ausgelastet sind. Dadurch bleibt wenig Zeit, in Hinblick auf Digitalisierung voranzuschreiten. Es ist wichtig, dass man vielleicht auch interdisziplinäre Teams aufsetzt, um neue Ideen zu entwickeln. Und der dritte Punkt, den ich sehe, ist wahrscheinlich diese Ungewissheit hinsichtlich der Kundenakzeptanz und -bereitschaft. Es sind viele rechtliche Fragestellungen, die noch nicht geklärt sind, auch auf politischer Ebene. Und das ist eine weitere Herausforderung, die die Kunden haben.
 
Dass die Akzeptanz beim Endkunden noch nicht so verbreitet ist, höre ich auch immer wieder. Um die Vorstellungsrunde komplett zu machen: Ich freue mich, auch die Firma RAMPF und stellvertretend dich, Stefan, in der Runde zu begrüßen. Vielleicht magst du dich auch kurz vorstellen und auch gleich etwas zu eurem Kerngeschäft sagen.
Stefan
Ich freue mich auch, heute mit dabei zu sein. Mein Name Stefan Huber. Ich bin Director Project Management im Hause RAMPF. Die Firma RAMPF sagt vielleicht nicht gleich jedem etwas, allerdings findet man uns in sehr vielen Bereichen. Wir sind Sondermaschinenbauer. Wir bauen im Schnitt 100 Anlagen pro Jahr mit ungefähr 225 Mitarbeitern. Wir sind Teil einer relativ großen Gruppe mit weit über 900 Mitarbeitern weltweit und bauen Anlagen zum Verarbeiten von reaktiven Flüssigklebstoffen und Vergussmaterialien. Man findet uns relativ weitläufig – also nicht nur in den Tiefen von irgendwelchen direkten Produkten, wo man sonst nicht viel damit zu tun hat. Jeder hat uns bestimmt daheim irgendwo, z. B. in seinem Auto oder in einer elektronischen Zahnbürste, in der wahrscheinlich auch RAMPF-Material mit drin ist. Also von dem her sind wir in einem sehr, sehr großen Bereich tätig – von Automotive, über weiße Ware bis hin zum Heimproduktbereich.
 
Kannst du uns das Einsatzgebiet noch einmal genauer vorstellen?
Stefan
Ja, überall wo man im Endeffekt irgendetwas abdichten muss oder eine Elektronik vor Feuchtigkeit schützen muss, kommt unser Material zum Einsatz. Typische Anwendungsfälle ist z. B. das Ladegerät einer Elektrozahnbürste, das geschützt sein muss, wenn man das unterm Wasserhahn abwäscht. Das muss geschützt sein und es darf natürlich keine Feuchtigkeit reinkommen. Da kommt z. B. ein reaktives Gießharz zum Einsatz und beschützt die Elektronik vor Feuchtigkeit.
 
Eine Nachfrage zum Bereich Service: Ihr macht ja servicetechnisch recht viel für eure Kunden. Wie muss man sich euren Service generell vorstellen?
Stefan
Unser Service beginnt relativ früh. Wir begleiten den Kunden von der ersten Idee bis hin über die Materialauswahl – wie gesagt, wir stellen nicht nur die Maschinen her, sondern tatsächlich auch die Vergussmaterialien. Hier begleiten wir ihn bei der Auswahl der Materialien, um die bestmögliche Konstellation hinzubekommen. Wir begleiten den Kunden dann über unsere Anwendungstechnik mit den ersten Mustern, indem wir die fertigen Bauteile für ihn herstellen. Teilweise fertigen wir auch bei uns im Haus die Kundenteile an, die wir ihm dann zum Verkauf zur Verfügung stellen. Wenn er die Maschine erhalten hat, begleiten wir ihn natürlich übers Kundenportal durch das gesamte Projekt bis hin dazu, dass wir im Nachgang auch unseren Service anbieten und die Maschine für ihn warten und in Schuss halten, sodass er sich eigentlich nur noch aufs Produzieren seiner Bauteile konzentrieren kann.
 
Jetzt reden wir ja heute über das Thema Digitaler Service. Die Digitalisierung ist ja nun nicht klassisch euer Kerngeschäft. Mich würde mal interessieren, warum ihr diesen Weg gegangen seid und welchen Stellenwert das Thema Digitalisierung für euch einnimmt.
Stefan
Früher hatten wir schon unser Kundenportal, auf dem wir unsere Dokumentationen hochgeladen haben, sodass der Kunde einfach und jederzeit auf seine Dokumentation zugreifen kann. 2017/18 haben uns dann entschieden, wir müssen da was tun, wir wollen weiter vorankommen. Jeder spricht über Digitalisierung, irgendwo sollte man dann auch mal anfangen. Wir haben dann festgestellt, dass wir ein neues Kundenportal brauchen, das ein bisschen mehr kann als nur die Dokumentation und das Verwalten. So sind wir eigentlich auf Kontron AIS gekommen und haben mit ihnen gemeinsam das Dokumentationsportal online gebracht. Dort stellen wir heute unseren Kunden die Dokumentation zur Verfügung und bei Neuanlagen die Möglichkeit, das komplette Projektmanagement in diesem Portal abzuwickeln. Das heißt, er sieht jederzeit, wo sich seine Anlage im Prozess der Fertigstellung befindet. Er kann mit uns über das Portal kommunizieren, er kann uns Aufgaben zuweisen. Wir können dann aber auch Anforderungen über das Portal an ihn stellen, sodass wir im Endeffekt im Projekt eine riesengroße Transparenz reinbekommen. Das Thema „Transparenz schaffen“ ist bei uns das Credo, das dieses Kundenportal für uns darstellt.
 
Was ist denn so eine Beispiel-Anlage eines Kunden, die ihr verwaltet? Wie muss man sich das vorstellen?
Stefan
Ja, das sind tatsächlich unsere Sondermaschinen. Also letzten Endes geht es von kleinen Tischzellen, auf denen man kleinere Bauteile wie einen 3D-Druck stehen hat und darauf produzieren kann, bis hin zu großen Fertigungslinien, die bei einem OEM drinstehen, wo er z. B. Heckklappen produziert.
 
Und diese Anlagen werden dann in dem Portal mit einer Übersicht zu jeglichen Dokumentationen angelegt, aber auch zum Projektmanagement, beispielsweise von dieser Fertigungslinie, die beim OEM in dem Fall steht, richtig?
Stefan
Genau, der OEM kommuniziert mit uns übers Portal und sagt z. B. er braucht noch mal eine Programmänderung oder er hat irgendwo einen Defekt, weil er einen Crash gefahren ist. Wir sehen das dann direkt übers Portal und können ihm entsprechend helfen.
 
Könntest du den Hörern ein bisschen näherbringen, wie euer Alltagsgeschäft aussieht? Du hast es ja gerade auch schon gesagt, aber vielleicht noch mal zusammengefasst: Welchen Herausforderungen begegnet ihr? Sind es primär die intransparenten Abläufe oder in welche Richtung geht das genau?
Stefan
Ja, es geht auf jeden Fall um die intransparenten Abläufe. Letzten Endes war eine große Herausforderung, die wir hatten, die vielen Excel-Listen bis ein Projekt startet. Wir hatten ca. 15 Excel-Listen: Man hat die Anfragen vom Kunden aufgenommen, man hat irgendwelche Kalkulationen gemacht, danach hat man irgendwelche Angebote geschrieben, anschließend hat man die ersten Lastenhefte mit dem Kunden durchgemacht, Abweichlisten gemacht und so weiter. Und all das war so intransparent, weil es in zig Dokumenten verstreut war, sodass wir gesagt haben, wir müssen das zusammenführen. Und so wurde dieses ganze Thema Cloud und Informationssammeln in der Cloud für uns zum Transparenzschaffen immer wichtiger.
 
Und ist das ein Thema, das primär den Kunden betrifft, also in Richtung extern, oder sind es auch Abteilungen, die bei euch da Zugriffe haben oder welche Umfänge nimmt das Ganze ein?
Stefan
Also bei uns ist es vollumfänglich. Sprich wir hatten intern allein bis zu einem Projektstart 15 Excel-Listen. Wir haben fast mehr interne Dokumente ersetzen können als externe. Was aber durch das notwendige Auftreten nach Außen auch dem Kunden mehr Transparenz gibt, wie es bei uns intern läuft.
 
Das Thema Digitalisierung ist ja häufig ein Thema, das von der Geschäftsleitung getrieben wird. Gab es bei euch zu Beginn so etwas wie eine Return on Invest Rechnung? Darüber wird ja häufig diskutiert: Return on Invest, Mehrwerte, Problemstellungen, die gelöst werden könnten etc. War das bei euch klar oder war das mehr ein Investment für die Zukunft?
Stefan
Das war kein Thema von Return on Invest. Letzten Endes war es für uns die Problemstellung, dass wir die Transparenz schaffen und im Endeffekt verbessern wollten. Und man weiß, das kostet mit Sicherheit Geld. Und ob das dann irgendwann zurückkommt, das werden wir sehen. Im Moment ist es wie gesagt auch noch kein richtiger Return on Invest, weil bis jetzt noch kein neues Geschäftsmodell dahinter steht. Deswegen hat unsere Geschäftsleitung damals gesagt: „Nee, das machen wir. Egal, ob das jetzt Geld kostet oder nicht, es bringt uns nach vorn hin einfach deutlich weiter.“

 

Jetzt hattest du gerade schon das Stichwort Geschäftsmodell genannt. Im Endeffekt bin ich ja hier im Podcast sehr stark mit dem Thema IoT unterwegs. Man hat den Eindruck, dass sich der deutsche Mittelstand auf jeden Fall schon auf diesen Weg gemacht hat, aber dass das Arbeiten mit Livedaten – vor allem auch mit dem Endkunden zusammen – noch in den Startlöchern steht. Von welchen Daten sprechen wir bei euch? Sind das schon Livedaten von der Maschine, die von der Fertigungslinie kommen oder ist das eher Zukunftsmusik?

Stefan

Im Moment ist das nur Zukunftsmusik. Wir haben momentan alles, was so statische Daten sind – Stammdaten, offene Punkte, Meilensteine, die ganzen Wartungsthemen, Checklisten. Das sind Themen, die wie gesagt sehr statisch sind. Aber momentan arbeiten wir auch mit Kontron AIS daran, dass wir Livedaten von unseren Anlagen im Portal visualisieren und entsprechend dem Kunden zeigen können, wie gut seine Anlage tatsächlich funktioniert. Er sieht seine Auslastung, bekommt gegebenenfalls Fehlermeldungen etc.

 
Aber das heißt, der Blick geht schon in Richtung Livedaten?
Stefan
Ja, auf jeden Fall. Ich denke momentan sind es auf jeden Fall wichtige Daten, die wir auch haben möchten. Es gestaltet sich etwas schwierig, weil viele Kunden diesen Fernzugriff einfach nicht zulassen. Bisher haben wir natürlich Fernsupport angeboten – über ein Modem beispielsweise. Aber auch da wollen die Kunden ihre Daten noch nicht so herausgeben. Man läuft da nicht bei jedem Kunden rein und der Kunde schreit „Hurra“ und wir kriegen alles, was wir wollen.
 
Eine These meinerseits wäre, dass viele auch step by step ihre eigene Cloud Infrastruktur aufbauen, sich auch security-technisch aufstellen und dann im nächsten Schritt wirklich dedizierte Daten an Externe freigeben. Da sind wir zwar heute noch nicht, zumindest im kleineren Mittelstand, aber ich denke, da tut sich einiges in der Richtung.
 
Jetzt haben wir über verschiedene Daten gesprochen. Mich würde interessieren, wie die Lösung genau in der Cloud aussieht, Vanessa? Was muss man alles mitbringen, um so ein Projekt anzugehen?
Vanessa
Unsere Lösung, die EquipmentCloud, ist eine Software as a Service Lösung, die wir RAMPF als White Lable Lösung zur Verfügung stellen. Es ist eine Plattform, die mit verschiedenen modularen und fertigen Applikationen ausgestattet ist, die dann wiederum beliebig ausgewählt werden und auf einer Startplattform genutzt werden können. Das ist eigentlich das Grundprinzip der Plattform. Was wir in der Regel machen, ist, dass wir mit dem Nutzer- und Rechtemanagement starten, das das System mitbringt. Gerade wenn verschiedene Akteure auf der gleichen Plattform arbeiten, ist es wichtig, dass man gewisse Rollen vergibt und auch festlegt, welche Daten nur intern sichtbar sind und welche extern. Die Plattform ist so organisiert, dass beispielsweise alle Daten an Hand der Maschinen, die dort integriert sind, zugänglich gemacht werden. Das ist sozusagen die zentrale Navigationsstruktur des Systems und alles, was man dort wiederfinden möchte, ist verbunden und oft auch gekoppelt an diese Maschine oder eben auch ganze Maschinentypen. Wenn man eine Serienfertigung hat, gibt es ja z. B. sehr ähnliche Maschinen, sodass man keine Doppelpflege durchführen muss. RAMPF stellt das System auch dem Endkunden zur Verfügung und deshalb war es natürlich wichtig, dass da ein individuelles RAMPF-Branding nach Außen gegeben ist. Da gibt es beispielsweise eine entsprechende Domain-Umleitung, sodass der Name bereits in der Domain zu finden ist. Wir haben beispielsweise auch ein Selbstregistrierungsformat etabliert, sodass man auch neue Nutzer mitverwalten kann. Die Plattform ist sehr umfangreich aufgestockt mit Rest-APIs, sodass auch Dokumenten oder Stammdaten automatisiert ausgetauscht werden können und nicht manuell gepflegt werden müssen.
 
Du hast gerade von Rechtemanagement gesprochen: Das sind dann wahrscheinlich verschiedene Rechte und Rollen, die man dann innerhalb dieser Cloud haben kann?
Vanessa
Genau, also sowohl die Trennung zwischen Maschinenbauer und dem Endkunden, der die Anlage vor Ort bei sich in der Fabrik stehen hat, als auch noch tiefergehend. Auch in Hinblick auf verschiedene Abteilungen – da bekommt die Geschäftsleitung andere Informationen bereitgestellt oder hat anderen Zugang als ein Servicemitarbeiter. Da lassen sich verschiedene Abstufungen machen. Welche Applikationen stelle ich den Kunden zur Verfügung? Inwiefern können diese mit den Applikationen umgehen? Kann ich Checklisten anlegen oder diese nur einsehen? Also da gibt’s halt sehr granulare Abstufungen, um das besser zu organisieren.

 

Jetzt hast du verschiedene Applikationen genannt. Welche sind das zum Beispiel? Kann ich mir da per Drag and Drop etwas zusammenstellen oder wie funktioniert das genau?

Vanessa

Genau, wir haben insgesamt neun verschiedene Applikationen, die wir immer zusammen mit den verschiedenen Maschinenbauern bestücken, sukzessiv ausgebaut seit es das Produkt gibt – beispielsweise beim Dokumentenmanagement, das bei uns eDocs heißt, Offene-Punkte-Listen oder auch Smart Services Tickets, was dann Open Issue ist. Dann haben wir ein Equipment Hub, das eigentlich die zentrale Einheit ist. Hier kann ich meine Maschinen konfigurieren, Stammdaten einsehen, Workflows und Meilensteine planen oder digitale Checklisten erstellen. Oder der Bereich Maintenance, wo ich einen Wartungsplan habe und die Wartungen anhand bestimmter Kriterien und Parameter ausrichten kann – z. B. nach Betriebsstunden oder nach gewissen Prozessen, die ich überwache. Wenn da irgendein Schwellenwert ausläuft, dann löst das automatisch eine Wartung aus oder einen anderen Alarm. Oder wenn ich irgendwelche zyklische Wartungen in der Gewährleistungspflicht habe. Da gibt’s viele verschiedene Themen, je nachdem was der Kunde benötigt. Und wir starten meistens im kleinen Rahmen und lösen als erstes die Schmerzpunkte, die am größten sind.

 
Wenn die Maschinen angelegt sind, müsste ich ja eigentlich nur noch Livedaten koppeln – klingt relativ einfach, ist es in der Praxis natürlich nicht. Wie weit denkt ihr schon in diese Richtung? Gibt es da schon Ansätze?
Vaness
Ja, definitiv. Wir haben ein Modul, das heißt Monitoring. Diesbezüglich arbeiten wir auch sehr eng mit unserer Schwesterfirma Kontron zusammen. Wir setzen diese Boxen-IoT-Gateways ein, die wir dann dem Kunden zur Verfügung stellen, um die Vorverarbeitung der Daten zu machen. Wir nutzen auch ein Node-RED Interface, womit wir auch dieses Matching machen – das heißt, die Übersetzung von verschiedenen Schnittstellen. Denn nicht jeder Kunde hat Standard-Schnittstellen, deswegen ist da auch eine gewisse Vorverarbeitung notwendig. Und sollten die Anlagen beispielsweise schon mit Ress, also dem Web-Standard, mit dem die Cloud arbeitet, ausgestattet sein, kann man auch diese Livedaten direkt koppeln. Das heißt, ich kann mir Prozessdaten anzeigen lassen – Temperaturverlauf, Druck, Alarme, Nachrichten, den Status der Anlage selbst, ob sie aktuell produziert oder in einen plötzlichen Stillstand geraten ist, und womit das vielleicht zusammenhängt. Auch die Korrelation zu den Alarmen wird dort direkt angezeigt und der Maschinenbauer kann sehr schnell reagieren und Abhilfe schaffen.
 
Jetzt ist Node-RED ja in der Industrie sehr verbreitet – kannst du vielleicht noch mal die Hörer abholen, die das vorher noch nie gehört haben?
Vanessa
Ja, das ist einfach eine grafische Oberfläche, auf der ich sozusagen gewisse Abläufe von Daten, die ich übermitteln will, einfach gestalten kann. Also ich brauche dafür keine umfangreichen Softwarekenntnisse, sondern es sind einfach gewisse Module oder schon vorgefertigte Bereiche, die ich einfach zusammenbasteln kann. Wir haben dafür schon einen fertigen Knoten entwickelt und beim Aufsetzen des Ganzen wird mit dem Kunden abgesprochen, was für Daten übermittelt werden sollen und dann wird der Knoten entsprechend auf den Kunden angepasst. Das IoT-Gate wird dann bereits vorkonfiguriert, ausgeliefert und dem Kunden zur Verfügung gestellt.

 

Das heißt, bei dem Beispiel mit der Tischzelle von vorhin: Ich hätte die Tischzelle, eine Fertigungslinie, und würde bestimmte Alarme mit Hilfe des Node-REDS einstellen. Und wenn ein bestimmter Schwellwert überschritten ist, wird dann sozusagen der Prozess angestoßen.

 

Die Daten müssen ja nun erstmal in das Portal aufgenommen werden und wahrscheinlich waren nicht alle digital vorzufinden – vor allem, wenn wir jetzt noch mal weg von den Livedaten hin zum Dokumenten-Thema kommen. Stefan, welcher Weg zur Lösung und welche Aufwände stecken dort dahinter?

Stefan

Die Aufwände waren schon relativ hoch, das muss man schon sagen. Wir hatten viele Daten zwar digital vorliegen gehabt, also gerade was das Thema Excel-Listen angeht. Das gab’s natürlich alles in digitaler Form. Viele Dokumente haben wir aber nachdigitalisiert via Einscannen. Aber die Informationen lagen natürlich an den unterschiedlichsten Stellen. Das heißt, wir mussten erstmal schon recht aufwendig am Anfang alles zusammentragen und gucken, dass man auch einigermaßen bereinigte Daten ins System bekommt. Wir haben uns dann auch irgendwann dazu entschieden, nicht mehr alles nachzupflegen, sondern haben uns auf die letzten vier Jahre beschränkt, weil der Aufwand sonst doch relativ groß gewesen wäre.

 
Welche Kompetenzen waren an dieser Stelle und für die Zusammenarbeit notwendig? Was musstet ihr mitbringen?
Stefan
Wir haben eigentlich nach vorne hin erstmal nicht viel mitbringen müssen. Die Unterstützung, die uns AIS an der Stelle gegeben hat, ist so gut, dass man wirklich ohne tiefgehende IT-Kenntnisse das Portal strukturieren und mit dem Portal arbeiten kann. Was man auch dazusagen muss: Kontron AIS ist wirklich ein super Partner, ein sehr agiles Unternehmen. Wenn wir beispielsweise Anforderungen haben, die wir in dem Portal realisieren möchten, dann stellen wir die bei AIS ein und erhalten meistens recht kurzfristig Feedback und meistens sogar recht kurzfristig eine Lösung, sodass wir genau unsere Anforderungen umsetzen können. Also IT-Kenntnisse sind dank der AIS-Unterstützung wirklich nicht notwendig.
 
Du hast gesagt „ihr stellt das bei AIS ein“ – Vanessa, wie sieht denn da die Schnittstelle genau aus?
Vanessa
Wir stehen hier in sehr engem Kontakt mit dem Kunden. Wir haben wirklich sehr viele Kundengespräche, die wir durchführen, auch Veranstaltungen, wo man natürlich miteinander interagiert. Um diese Informationen zu bündeln, nutzen wir unsere eigene Plattform auch zur Abwicklung der Kommunikation mit dem Kunden. Wir nennen es AIS-Kundenportal und dort werden diese neuen Anforderungen gespeichert. Und wir werten das in gewissen Gremien auch gemeinsam aus mit dem PO und Entwicklern, die natürlich auch die Aufwände und Risiken mit einschätzen können. Und da werden dann neue Feature-Wünsche berücksichtigt oder es kann natürlich auch mal sein, dass es nicht zur Strategie des Produktes passt und dann wird sowas auch mal zurückgestellt oder sogar abgelehnt. Aber generell versuchen wir hierbei Transparenz gegenüber dem Kunden zu schaffen und zu zeigen, wie und woran wir arbeiten und wie die Lösung aussehen könnte. Da brauchen wir vielleicht noch mehr Unterstützung und Feedback von anderen Kunden. Ob sie vielleicht auch diese Notwendigkeit sehen oder dieses Bedürfnis haben, das umzusetzen.
 
Stefan, was waren denn von Anfang an eigentlich eure Erfolgskriterien für dieses Projekt?
Stefan
Eine Frage war: Was wollen wir gegenüber dem Kunde erreichen? Was ist für uns dort eine Erfolgskriterium? Da war ein Thema ganz klar die Datensicherheit, um einfach das Vertrauen des Kunden zu gewinnen. Darauf basiert letzten Endes die Zusammenarbeit in der Cloud. Was wir weiterhin erreichen wollten, war Innovation im Kundenservicebereich, wo wir mit Sicherheit auch noch weiter dran arbeiten. Das heißt, noch mehr Funktionen reinzubringen, um dem Kunden einfach noch mehr Service bieten zu können und damit natürlich auch die Wiedererkennung beim Kunden zu schaffen. Also sprich, wenn er eine RAMPF-Anlage hat, dass er weiß, wo er alles findet. Das war für uns ein großer Meilenstein in Richtung unserer Kunden, den wir damit erreichen wollten. Intern war es für uns ganz wichtig, die Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten, Transparenz zu schaffen und über alle Abteilungen hinweg denselben Informationsstand bieten zu können. Wir wollten nach vorne hin eine nahtlose Integration der bestehenden Systeme (SAP) mit Schnittstellen. Und was für uns ganz wichtig war, war natürlich auch, dass man einen Partner hat, mit dem man schnelle Problemlösungen garantieren kann und letzten Endes auch auf unsere Anforderungen schnell reagiert wird.
 
Vanessa, du hattest vorhin angesprochen, dass es verschiedenste Features und Aufgaben gibt, die bei euch ankommen. Wie funktioniert die Fokussierung, auch auf verschiedene Use Cases?
Vanessa
Wie viele Unternehmen haben wir eine gewisse Roadmap. Wir scannen den Markt, wir schauen uns an, was der Wettbewerb macht und wo sich das Produkt vielleicht auch hin entwickeln sollte? Das ist so sozusagen das Thema Roadmap, das wir quartalsweise auch noch mal überarbeiten. Wir haben also eine grundsätzliche Vorstellung, wo es hingehen soll. Wir arbeiten agil und unser Produkt lebt von Kundenfeedback. Und nur so können wir auch wirklich die Pain Points vom Kunden verstehen. Wenn Feedback vom Kunden kommt, dann wird das analysiert: Passt es denn in unsere Strategie? Haben wir da vielleicht noch Lücken? Wie könnte das vielleicht auch allen anderen Nutzern von Vorteil sein? Und wie lässt sich das vielleicht auch umsetzen? Wir haben da manchmal auch Themen, die sehr umfangreich sind. Dann arbeiten wir nach dem Minimal Viable Product Prinzip. Das heißt, wir fangen einfach mal mit einem Grundkonzept, einem Minimalprodukt, an und schauen, wie kommt das an. Wenn dann wirklich gutes Feedback kommt und das auch angenommen wird, dann baut man das sukzessiv aus.
 
Wie ist eigentlich das Kundenfeedback in Richtung IoT? Und kannst du vielleicht eine Einschätzung geben, wie viel Prozent der Projekte schon in Richtung IoT laufen?
Vanessa
Ich würde schon sagen, dass das schon ein geschärftes Thema am Markt ist und auch gerade im Maschinen- und Anlagenbau. Es gibt auch enorm viele Lösungen, die in die Richtung gehen. Ich glaube, trotzdem stehen noch einige Firmen am Anfang und fragen sich, wie sie das eigentlich umsetzen sollen. Auch gerade diese Fülle an Möglichkeiten erschwert es da auch Entscheidungen zu treffen. Ich denke, dass auch die Geschäftsführer verstärkt den Fokus darauf legen müssen. Das Thema Services an sich ist ja ein Thema, womit ich stärker Wachstum voranbringen kann. Es erfordert aber, dass ich auch ein bisschen Umdenken mitbringe, sodass ich eben nicht mehr nur produktfokussiert denke, sondern auch Vertrieb und Service stärker verknüpfe. Dass ich vielleicht auch meine Serviceabteilungen im Unternehmen selbst verstärke und da auch eine ganz andere Herangehensweise habe, was den Vertrieb angeht. Das sind vielleicht die Hürden, warum vielleicht noch nicht das Potenzial ausgeschöpft ist, das vorhanden ist.
 
Um so langsam in Richtung Ende zu kommen und dieses Projekt abzuschließen: Stefan, wie sieht denn das Endergebnis für euch bis heute aus, was habt ihr erreicht? Kannst du das für uns zusammenfassen?
Stefan
Nach eineinhalb Jahren haben wir a) die Kommunikation zum Kunden deutlich verbessern und b) auch intern sehr, sehr viel Zeiteinsparungen damit erreichen können. Allein schon aufgrund der Tatsache, dass man viel weniger Zeit zum Suchen von Dokumenten braucht. Tatsächlich läuft bei uns inzwischen fast 90 Prozent der Projektkommunikation über das Projekt-Cockpit. Unter den Mitarbeitern gab es anfangs eine nicht ganz so hohe Akzeptanz. Aber nachdem sie gesehen haben, dass es doch tatsächlich sehr, sehr gut funktioniert und wir auch nicht auf einem Schlag mit allen Veränderungen gekommen sind, sondern alles sukzessiv ausgerollt haben, haben sie es dann auch sehr gut angenommen. Insgesamt haben wir circa 50 Prozent unserer Excel-Listen komplett ersetzt. Wir haben weit über 1.000 Maschinen bei uns im Portal, die auch aktiv genutzt werden. Das bedeutet, etwa zwei Drittel unserer Endkunden werden mittlerweile über das Portal bedient – sei es für weitere Dokumentation oder die Projektkommunikation. In den nächsten zwölf Monate wird da mit Sicherheit noch ein großer Blumenstrauß an Funktionen dazukommen.
 
Vanessa, ihr seid ja auch in unterschiedlichen anderen Bereichen unterwegs. Wie lassen sich solche Use Cases übertragen und wo findet man euch noch?
Vanessa
Das Kundenportal ist glaube ich ein Thema, das viele Unternehmen anspricht. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es eigentlich keine Rolle spielt, in welcher Branche die Unternehmen unterwegs sind. Die Bündelung von Informationen an einen Ort und dass sie jederzeit ohne Hindernisse zugänglich gemacht werden, ist einfach ein wichtiges Thema, das viele auf dem Weg in die Digitalisierung brauchen. Und wir betten uns auch nahtlos in diese vorhandene IT-Infrastruktur ein, wir wollen interagieren. Dafür arbeiten wir auch mit verschiedenen Drittanbietern zusammen. Gerade wenn es auch an Lösungen geht, bei denen wir nicht die Kernkompetenz haben. Wir wollen an dieser Stelle auch kein SAP ersetzen, das funktioniert auch gar nicht. Vielmehr wollen wir da interagieren und einfach neue Synergien schaffen. Wir haben Anwender aus verschiedenen Branchen, die die dieses Kundenportal schon einsetzen – sei es aus der Robotik, der Automatisierung, der Photovoltaik, dem Sondermaschinenbau mit RAMPF bis hin zur Serienfertigung oder der Lasermaterial-Verarbeitung. Es sind viele, viele unterschiedliche Branchen bei uns, die auf jeden Fall einen Mehrwert daraus ziehen.
Wenn ich Kontakt zu euch herstellen will, wie erreiche ich euch am besten?
Vanessa
Auf jeden Fall über die Website www.kontron-ais.com. Darüber hinaus haben wir auch eine Landingpage zum Produkt selbst – www.equipmentcloud.de. Und über LinkedIn bin ich natürlich unter Vanessa Kluge auch zu finden und erreichbar, genau wie das gesamte Team der Kontron AIS.
 
Und Stefan, wie findet man den Weg zu euch?
Stefan
Direkt über die Webseiten www.rampf-group.com oder mich persönlich auch gern über LinkedIn unter Stefan Huber.
 
Danke euch für die Teilnahmen und den Einblick in dieses spannende Projekt!

Podcast Folge

Interviewpartner

Vanessa Kluge

Stefan Huber

Gastgeberin

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