IO-Link zu MQTT: Sensordaten anbinden ohne Eingriff in die Steuerung
Wie kommen Sensordaten aus der Maschine, ohne dass jemand die Steuerung anfasst? Darüber spricht Gastgeberin Ing. Madeleine Mickeleit im IoT Use Case Podcast mit Christoph Rose, Produktmanager Cloud & Software bei Turck, und Christoph Schmermund, Produktmanager für die Turck Automation Suite. Im Mittelpunkt steht TAS Edge – der Weg von der IO-Link-Sensorik über MQTT in MES-, ERP-, SCADA- oder Cloud-Systeme.
Zusammenfassung
Klassisch läuft die Anbindung über die Steuerung: Wer einen zusätzlichen Datenpunkt braucht, muss das Steuerungsprogramm anfassen, testen und freigeben lassen – teilweise mit Anlagenstillstand. Schmermund beschreibt das als den Aufwand, den Kunden am häufigsten unterschätzen.
TAS Edge greift die Daten stattdessen direkt an den IO-Link-Mastern ab. Es läuft parallel zum Steuerungsprogramm und sammelt Daten auch dann, wenn gar keine Steuerung vorhanden ist. Konfiguriert wird per UI im Webbrowser, die Datenpunkte werden über Checkboxen ausgewählt und per MQTT weitergeleitet. Rose schildert den Unterschied aus eigener Erfahrung: über eine Woche für die Anbindung über CODESYS, zwei Stunden mit TAS Edge auf der Messe.
Ergänzend geht es um TAS Desktop als kostenloses Gerätemanagement – Konfiguration, Firmware-Updates und Reports, die sich bei Factory Acceptance Tests mitgeben lassen. Als wichtigstes Learning nennen beide Gäste die Einfachheit: Die größte Hürde war nicht die Technik, sondern den eigenen Vertrieb zu überzeugen.
Das nimmst du mit
- Der unterschätzte Aufwand liegt nicht in der Ersteinrichtung, sondern in jedem zusätzlichen Datenpunkt, der Test, Freigabe und oft Stillstand nach sich zieht.
- TAS Edge läuft parallel zum Steuerungsprogramm und braucht keine Steuerung, um Daten zu sammeln und per MQTT weiterzuleiten.
- Für die Konfiguration ist kein MQTT-Wissen nötig – ausgewählt wird per Checkbox, für die gesicherte Übertragung wird ein Zertifikat geladen.
- TAS Desktop dokumentiert die Sensorkonfiguration geräteübergreifend und macht vertauschte Anschlüsse vor der Inbetriebnahme sichtbar.
- Auf der unteren Ebene ist die Lösung herstelleroffen: Angebunden werden IO-Link-Geräte unabhängig vom Hersteller, sofern sie über einen Turck-Master laufen.
Transkript
Madeleine:
Hallo liebe Freunde des IoT. Wenn du im Mittelstand arbeitest oder in einem produzierenden Betrieb oder als Maschinen- und Anlagenbauer bzw. OEM deine Maschine im Feld beim Kunden anbinden musst, dann bist du hier heute genau richtig. Wir beantworten nämlich ein paar Fragen, die uns aus unserer IoT Use Case Community erreichen. Nämlich: Wir haben jetzt die Daten, aber wie kommen die eigentlich raus aus der Maschine? Wo fangen wir an? Oder auch: Sensor to Cloud ist ja so das Basiswort, auch via MQTT neuerdings – wie geht das eigentlich genau?
Oder der Klassiker: IO-Link haben wir, MQTT klingt irgendwie gut, aber wer konfiguriert das eigentlich bei uns? Und was kostet eigentlich so eine Konnektierung der Anlage? Ja, sowas und einige weitere Punkte, die besprechen wir heute. Also es geht darum: Wie binde ich meine Anlage an? Und heute machen wir das ganz konkret an einem Produkt in der Anwendung von unserem IoT-Partner, der Firma Turck. Ist, glaube ich, bekannt als großer Automatisierer.
Und zwar geht es heute um die Turck Automation Suite, TAS. Was es damit auf sich hat, erfahren wir gleich. Und ich habe heute zwei Experten mit dabei: einer eher mit dem Fokus auf die Cloud und der andere eher aus der Technik – also tolle Kombi. Ich wünsche euch viel Spaß beim Zuhören, und alle Infos zur Umsetzung solcher und ähnlicher Projekte findet ihr wie immer unter iotusecase.com und in den Show Notes. Und damit würde ich sagen: ab ins Podcast Studio. Let's go!
Und damit hallo Christoph Rose und Christoph Schmermund. Jetzt muss ich aufpassen mit den Christophs hier. Ich fange mal an: Christoph Rose, wie geht es dir heute?
Christoph Rose:
Ja, ganz gut. Also bei uns geht es jetzt aufs Wochenende zu und das Wetter ist schön, und muss ich sagen: Die Woche ist geschafft und jetzt so als Allerletztes, bevor es dahin geht, noch den Podcast aufnehmen.
Madeleine:
Ach herrlich, das ist doch schön. Ich überlege jetzt ein bisschen, wie ich euch jetzt nenne. Vielleicht nenne ich dich einfach den Cloud Christoph – kann man das machen? Oder Christoph, der Cloud-Experte.
Christoph Rose:
Können wir mal so machen. In der Schule wurde ich einfach immer per Nachname genannt, weil wir da auch irgendwie mit vier Christophs und einem Christian in der Schule drin waren. Und jetzt sind wir immer wieder in dieser Situation, dass Christoph und Christoph drin ist. Ich bin mal der Cloud Christoph.
Madeleine:
Okay, das finde ich doch ganz gut. Und hallo Christoph Schmermund, auch in deine Richtung. Wie geht's denn dir heute?
Christoph Schmermund:
Mir geht's auch gut, bei mir steht's sogar kurz vor dem Urlaub und daher …
Madeleine:
Fantastisch, so muss das sein. Ja, cool. Ich würde sagen, wir starten direkt ins Thema, Cloud Christoph. Du bist ja Produktmanager Cloud und Software bei Turck. Du bist hier seit einem Dreivierteljahr, glaube ich, mit dabei und hauptverantwortlich auch für die TAS Cloud. Kommst aber ursprünglich aus dem Maschinenbau – da würde ich gleich nochmal drauf eingehen –, wo du ja selbst auf der Anwenderseite hier die Cloud-Lösung mit aufgebaut hast. Jetzt sitzt du auf der anderen Seite, nämlich der Anbieterseite bei Turck.
Was genau TAS oder eure Cloud da genau ist, sagst du gleich. Vorhin eine Frage an dich: Was war denn deine persönliche Motivation? Warum bist du denn eigentlich vom Maschinenbauer zu Turck gegangen, und warum auch in diesem Digitalisierungsumfeld, warum bist du dem treu geblieben? Das würde mich jetzt mal persönlich interessieren.
Christoph Rose:
Ja, also ich fange mal mit dem zweiten Teil an: Digitalisierungsumfeld. Ich finde das einfach spannend. Also ich bin quasi darüber überhaupt in den ganzen Bereich Automatisierung reingekommen, vor zehn Jahren noch mit Fernwartung und so weiter, und dann die letzten fünf Jahre eben im Bereich Cloud – oder inzwischen schon fast acht Jahre.
Das war einfach spannend. Und warum wechseln, wenn sich da so viel tut? Weil man genau diesen Automatisierungsbereich hat, also Maschine, echte Maschine, und Software zusammen. Das finde ich einfach spannend. Und warum Turck? Ja, es hat sich angeboten, muss man mal ganz ehrlich so sagen. Einfach von eben diesem „ich erstelle eine eigene Cloud für einen Mittelständler, für eine Firma" hin zu sagen: das eben mit einer größeren Firma, größerem Team, auch international und so.
War einfach spannend. Daher dann der Wechsel zu Turck, und ich sag mal so: Noch bin ich ja da.
Madeleine:
Ja, es ist ein schönes Umfeld. Es ist auch echt ein spannendes Umfeld, gerade was sich bei euch da alles tut, ist echt Wahnsinn. Und der Markt ändert sich ja auch schnell. Also schön, dass ihr da auch so innovativ am Markt seid. Christoph Schmermund, mal zu dir: Du bist ja Produktmanager für die Turck Automation Suite, also TAS, was ich gerade schon als Abkürzung gesagt hatte – seit 2009, glaube ich, bei Turck, ursprünglich mit dem Schwerpunkt RFID, seit 2022 dann mehr im Software-Bereich.
Und du verantwortest eben verschiedenste Produktbereiche sozusagen der Softwarelösung bei euch. Da kommen wir gleich zu. Jetzt kennst du ja vor allem die technische Seite sehr gut, du kennst die Geräteanbindung, Konnektierung. Wenn du jetzt mal so an eure Kundengespräche denkst: Kannst du uns mal so ein bisschen mitnehmen, wie viel Aufwand oder Arbeitszeit, vielleicht Zeitverlust steckt eigentlich in einer klassischen Geräteanbindung? Und was ist dabei der Aufwand, wo du sagen würdest: Boah, das ist eigentlich das, was die Leute immer unterschätzen, das ist eigentlich das, was am meisten Zeit frisst? Würde mich jetzt gleich mal zum Einstieg interessieren, mal so den Schmerz auf den Tisch zu legen, worüber wir eigentlich sprechen heute.
Christoph Schmermund:
Genau, ja, das ist ein ganz wichtiges Thema. Und zwar gibt es ja die eine Seite, auf die sich Turck natürlich auch spezialisiert hatte: Das waren unsere Sensoren, Aktoren, Lampen, die an Steuerungssysteme angebunden werden und natürlich die Steuerungsprotokolle unterstützen und darüber die Informationen an die Steuerungen liefern und natürlich Aktionen ausgeführt werden. Also jetzt in Produktionsanlagen, bei Maschinen, in der Logistik und verschiedensten Applikationen.
Jetzt kam das Thema mehr und mehr auf – und das war auch so die Geburtsstunde von TAS –, dass man die Daten am liebsten an IT- und Cloud-Systeme geben möchte. Und hier fing das Ganze an. Das Thema gibt es schon länger. In der Vergangenheit hat man immer geguckt, dass die Steuerung die Daten einsammelt, und hat dann versucht, die Daten über Schnittstellen weiter an IT- und Cloud-Systeme zu geben.
Das ganze Thema erzeugt natürlich viele Abhängigkeiten zur Steuerung, hat den Aufwand enorm hochgeschraubt. Das heißt, die Leute, die von der IT Daten bekommen wollten, mussten sich immer an die Steuerungsprogrammierer wenden. Die mussten dann ihr Steuerungsprogramm anfassen. Das hat dann natürlich auch umfangreiche Tests bedeutet – bei Steuerungsprogrammen sind die gerade kritisch. Genau, da mussten die wieder getestet, freigegeben werden, aufgespielt werden, und dann hat die IT gesagt: Wir brauchen aber für Condition Monitoring, Predictive Maintenance noch einen Datenwert. Und dann fing das Ganze von vorne an, und die Aufwände und Abhängigkeiten waren halt enorm hoch und haben das ganze Thema sehr schwierig und aufwendig gemacht.
Jetzt muss man natürlich immer gucken: Welches Beispiel hat man? Hat man jetzt so eine kleine Roboterzelle? Hat man eine ganze Produktionsanlage? Wie groß ist das Ganze aufgebaut? Umso umfangreicher werden die Anpassung und Tests. Genau, aber wir reden da locker von mehreren Tagen, in denen das Ganze erfolgen musste – die ganzen Anpassungen, die ganzen Tests, das Ganze ausrollen gegenüber der neuen Welt.
Madeleine:
Kurze Zwischenfrage, nur dass ich es richtig verstehe: Das heißt, hier geht es jetzt sozusagen darum, dass man bislang ja die Daten aus der SPS direkt abgegriffen hat, um sie in ein System der Wahl zu schreiben, um damit eben die Use Cases umzusetzen. Und genau, das war so ein bisschen die alte Welt. Auf die neue Welt kommen wir jetzt gleich, um das mal so ein bisschen praktischer zu erklären.
Das bedeutet zum Beispiel: Wenn ein Kunde sagt, okay, wir brauchen jetzt einen bestimmten Datenpunkt, keine Ahnung, jetzt den Temperaturwert – und dann kommt der Kollege oder die Kollegin nach einem halben Jahr und sagt, wir brauchen jetzt aber für den Anwendungsfall eigentlich Luftfeuchtigkeit oder so. Das wäre sozusagen etwas, wo man dann wieder die SPS konfigurieren müsste, anpassen müsste. Das ist der Aufwand, den du hier meinst, oder? Habe ich es richtig verstanden?
Christoph Schmermund:
Genau, das ist der wahre Kern: sobald man weitere Datenpunkte hat – also einmal der initiale Aufwand, das überhaupt aufzusetzen, und dann für jede Erweiterung. Das wäre jetzt genau ein gutes Beispiel mit Temperatur und Feuchtigkeit, da wiederholt sich ja dieser Aufwand.
Christoph Rose:
Also da kann ich eigentlich aus eigener Erfahrung auch einfach sprechen. Ich bin ja, wie gesagt, noch nicht so ganz lange bei Turck, und da bin ich eingestiegen, um entsprechend die TAS Cloud, sag ich mal, an den Markt zu bringen und weiterzuentwickeln. Und da ging es natürlich auch darum: Wir haben verschiedene Exponate, die wir auf Messen haben, und die sollten dann natürlich auch in die neue Cloud mit angebunden werden. Für mich war jetzt CODESYS und so alles neu, ich hatte sonst mit den typischen Siemens- und sonstigen Systemen gearbeitet.
Jetzt arbeiten die SPSen bei uns mit CODESYS. Und das war also einfach nur die vorhandenen Sachen rüberladen. Und das hat, ganz ehrlich gesagt, mehr als eine Woche gedauert – einfach, weil man klar installieren muss, man muss die passenden Versionen haben, es ist alles im Projekt drin, man muss die Sensoren entsprechend nochmal konfigurieren und und und. Und das hat halt wirklich, ich sag mal leider, mehr als eine Woche gedauert.
Ich behaupte jetzt von mir selbst, dass ich nicht so ganz unfähig bin. Und dann kam halt so ein bisschen das Thema mit TAS Edge, worum es ja auch heute geht, wo es eben darum geht, die Daten eben nicht von der Steuerung abzuholen. Also keine Programmanpassung zu machen, sondern direkt über unsere IO-Module. Und das habe ich dann auf der Messe, sag ich mal, innerhalb von zwei Stunden.
Madeleine:
Okay, das ist cool. Das ist ein schönes Beispiel, dass man das jetzt einfach einfacher machen kann. Ich glaube, wir beschreiben gleich nochmal, und wir kommen auch gleich darauf, was TAS Edge genau bedeutet. Ganz kurz für die, die CODESYS nicht kennen: Also es ist eine Programmierumgebung, wenn man so will, für die SPS, oder so Software im Endeffekt, wo man das Ganze programmieren kann. Und das ist so ein bisschen auch, wo sich viele, die ja SPS-Programmierer selber sind, sehr gut auskennen, aber vielleicht die, die jetzt neu an diesen Projekten arbeiten, auch nicht immer unbedingt. Das heißt, das ist jetzt auch etwas einfacher.
Christoph Rose:
Genau, einfach zum Verständnis: Also im Vergleich zu so etwas wie Siemens mit dem TIA Portal, wo man halt wirklich an einen Hersteller angebunden ist, ist CODESYS jetzt nicht angebunden an einen Hersteller, sondern es gibt viele verschiedene Automatisierer, die das auch unterstützen.
Madeleine:
Übrigens Shoutout an alle, die mit CODESYS arbeiten, oder die CODESYS-Jungs und -Mädels: Wir können auch mal eine Folge machen. Hab ich sowieso schon mal überlegt, weil ich hab die schon öfter mal auf Messen wieder getroffen und die haben auch ein paar Neuerungen und so. Aber soll jetzt nicht Thema von heute sein. Christoph, ich hab dich jetzt gerade unterbrochen von der Technik her. Du hast jetzt gerade beschrieben: der alte Weg, genau, raus aus der SPS und so weiter. Wie geht denn der neue Weg? Ich glaube, da warst du jetzt gerade stehen geblieben.
Christoph Schmermund:
Vielleicht noch kurz eine Ergänzung zu dem, was wir gerade hatten: Der neue Weg ist komplett ohne Programmierung, zumindest für die IT-Weltanbindung. Nehmen wir zum Beispiel als eine unserer Kundenapplikationen eine Schweißroboterzelle. In der Schweißroboterzelle gibt es dann entsprechend diesen Schweißspitzenwechsler und die Nachschleifvorrichtung. Die sind zusammen über IO-Link mit angeschlossen.
Und dann haben wir das Steuerungssystem an dem Roboter, wo dann das Roboterprogramm läuft. Für sich funktioniert das so erstmal autark. Dort wird halt immer die Spitze dann zu dieser Nachschleifvorrichtung gebracht und nachgeschliffen, um halt die Qualität weiter zu gewährleisten und auch den Verschleiß zu minimieren. Genau, also das läuft.
Was natürlich für den Kunden fehlt, ist, dass er Daten außerhalb der OT-Welt überhaupt abgreifen kann. Also er hat überhaupt keine Informationen darüber, wie ist denn der Zustand seiner Spitze und seiner Schleifwerkzeuge, wie viele Zyklen ist die schon gelaufen, wie sind die Abrichtzeiten jeweils und so. Also diese ganzen Informationen, die eigentlich unten an dem OT-System vorliegen, sind halt nicht in dieser IT-Welt verfügbar. Um das jetzt zu verändern, müsste jemand in dieses Roboter- und Steuerungsprogramm eingreifen, das dann über Schnittstellen manuell programmieren – und dann sind wir halt bei Programmierung und Schnittstellenschaffung.
Das geht jetzt anders mit TAS Edge. Wir bringen TAS Edge mit in das Netzwerk rein, beispielsweise über ein Gerät – das gibt es mit oder ohne Display. Also da kann man zusätzlich auch mit Display direkten Zugriff nochmal gewährleisten für den Anwender vor Ort, kann man aber auch ohne Display nutzen. Und genau dieses Gerät mit TAS Edge hängt dann sowohl im OT- als auch im IT-Netz, kann die beiden dann auch – also bringt die praktisch als Vermittler zusammen. Ist auch gerade im Bereich der Security ganz, ganz wichtig, dass wir die trennen können und nicht jeder jetzt von den Systemen aus der IT plötzlich Änderungen im OT-Netzwerk vornehmen kann. Das Edge läuft drauf und ist dann automatisch Vermittler.
Und jetzt gibt es praktisch im Webbrowser eine UI-Konfiguration dazu. Und wir sprechen hier nur von UI – mit Klicks mal einen Wert eingeben und gar nichts mehr programmieren. Dort bildet man dann die Datenpunkte ab, die man hochgeschickt haben möchte. Man kann in dem Fall auch noch die Häufigkeit beeinflussen und kriegt die Daten dann entsprechend an die IT-Systeme hochgeliefert, mit den wertvollen Informationen.
Madeleine:
Mit dem IT-System meinst du damit jetzt – oder viele sagen ja auch immer, ja, wir haben die Daten ja schon im MES-System vorliegen. Oder meinst du damit jetzt aber auch die Cloud-Systeme vor allem, wo dann die Use Cases laufen? Oder ist es eigentlich egal, welches IT-System, um das kurz einzuordnen?
Christoph Schmermund:
Ja, also dazu gehört ERP, MES, Cloud-System, SCADA-System, also alles. Die liegen alle im IT-Bereich, und die heutigen MES-Systeme müssen natürlich auch über Schnittstellen die Daten aus der OT-Welt holen. Und das wird halt mit TAS Edge jetzt noch einfacher. Genau, die haben sich vorher die Schnittstellen geschaffen. Jetzt mit TAS Edge kriegen sie die Schnittstellen und die einfachen Konfigurationen praktisch geliefert. Sie bringen sie nur ins Netzwerk, wählen die Datenpunkte aus und kriegen die Daten dann an ihre Systeme geliefert.
Madeleine:
Okay, das heißt, das Edge ist sozusagen, wenn ich es richtig verstehe, so eine Art Software-Komponente bei euch in der Turck Automation Suite. Also die Sensordaten werden dann direkt ausgelesen, zum Beispiel IO-Link-Sensordaten, aber egal welche Sensordaten. Und ohne die SPS-Programmierung, also ohne die Aufwände, werden sie dann weitergeleitet. Wie werden sie dann weitergeleitet? Welche Technologie?
Christoph Schmermund:
MQTT nutzen wir dann. Über MQTT werden die Nachrichten dann entsprechend geschickt. Ganz wichtig auch: TAS Edge läuft parallel zu dem Steuerungsprogramm, ist aber komplett unabhängig davon, kann aber auch laufen, ohne dass eine Steuerung da ist, und Daten sammeln und hoch weiterleiten. Also wir haben null Abhängigkeiten, und da muss noch nicht mal eine Steuerung sein, damit TAS Edge funktioniert. Das sind halt die Hauptpunkte: Wir verlieren diese Abhängigkeit und auch diesen ganzen Programmierungsteil gegenüber dem, was es als alte Lösung gab.
Madeleine:
Ja, mir drängt sich jetzt so ein bisschen die Frage auf, weil viele produzierende Betriebe oder vielleicht auch OEMs – wobei die ja auch auf den Automatisierer häufig eingeschossen sind – ja so ein bisschen offen sein wollen. Also sorry, ich frag das jetzt mal so provokant: Warum sollte man jetzt das TAS Edge von euch nehmen? Ihr wisst, was ich meine, man denkt dann immer gleich, ja, da muss ich ja die Turck-Hardware auch haben, muss alles von einer Stange kaufen und so weiter. Warum jetzt euer TAS Edge?
Christoph Rose:
Da kommen wir eigentlich zu dem, was ich am Anfang gesagt habe: diese eine Woche gegenüber zwei Stunden. Also der Fokus wirklich auf dieses Thema Einfachheit. Das heißt, man hat schon oder man will einfach Sensorik haben, und diese Daten will ich jetzt in ein Drittsystem reinkriegen. Und da ist einfach die Frage des Aufwands. Also ist das eine Sache, wo ich, sag ich mal, den Spezialisten brauche, der bei 10.000 anderen Projekten mit eingebunden ist und eigentlich dafür gar keine Zeit hat? Vielleicht muss ich einen Anlagenstillstand machen, damit ich überhaupt dann das SPS-Programm anpassen kann, und so weiter.
Bei uns geht es letztendlich darum: Bei Turck ist ja ein sehr starker Fokus auf dem Bereich dezentrale Automatisierung. Und so ist auch überhaupt dieses ganze Thema TAS entstanden, wo es halt darum ging, verteilte Anlagen oder auch IO-Module und so weiter zu verwalten, zu konfigurieren, mit allem Drum und Dran.
Und da dann entsprechend die Daten alle abzugreifen und zu sagen: Okay, die will ich jetzt in ein Endsystem reinschicken. Das kann halt ein On-Prem-MES-System sein, CMMS, ein sonstiges System sein oder eine Cloud. Und diese Brücke zu schaffen zwischen „ich habe Sensoren" und „ich will die Daten per MQTT an ein Drittsystem schicken" – da gehen wir halt rein mit TAS Edge. Und ich habe mir schon ein paar Systeme angeguckt und kenne auch von früher noch verschiedene Systeme: Also das ist wirklich super einfach und super komfortabel.
Madeleine:
Ja, schön. Also interessant, dass ihr MQTT verwendet, weil es ja auch ein leichtgewichtiges Protokoll ist und sehr vieles einfacher macht. Wobei ich glaube – ich weiß gar nicht, wie viele das schon anwenden. Ich glaube, viele setzen ja klassisch auf OPC UA in der Anbindung und schicken es dann entsprechend weiter. Ich weiß nicht, wie viele Betriebe das schon …
Christoph Schmermund:
Natürlich auch verfügbar sein. Wir sind auch mit unserer Lösung entsprechend offen. Also wir unterstützen jedes IO-Link-Device, was es auf dem Markt gibt. 20.000 Geräte circa.
Madeleine:
Das sind eine Menge.
Christoph Schmermund:
Genau, also wirklich eine Menge. Das können IO-Link-Ventile sein, kann alles Mögliche von IO-Link sein. Also IO-Link-Ventile, die zum Beispiel als Diagnosedaten Informationen liefern, ob eine Leckage, also eine Undichtigkeit vorliegt. All diese IO-Link-Geräte unterstützen wir mit TAS Edge, deswegen haben wir da eine Riesenoffenheit.
Genau, wir erweitern das Ganze auch noch mit analogen und digitalen Geräten. Also die angeschlossenen Geräte müssen gar nicht von uns sein, da sind wir komplett kompatibel. Das sind die IO-Link-Master, mit denen wir natürlich die Daten dann abgreifen, wo wir auch die Mehrwerte liefern, weil wir da wissen, wie wir an unsere Daten einfach kommen und die bereitstellen können.
Und genau deswegen zielt TAS Edge darauf ab. Aber auf der unteren Ebene sind wir ja komplett offen. Wir werden aber auch perspektivisch noch weitere Konnektoren in TAS Edge anbieten, um auch andere MQTT-Geräte und so anzubinden und die Daten von denen auch entsprechend einzusammeln. Also die Offenheit haben wir auch auf dem Schirm. Wir müssen natürlich trotzdem gucken, dass wir bei unseren – also die Vorteile, die wir mit unserem System haben, an die Daten zu kommen, natürlich ausspielen. Deswegen ist das natürlich entsprechend mit aufgebaut.
Wir verstehen natürlich genau die Forderungen des Kunden auch mit Offenheit, und wie gesagt, eigentlich die Geräteliste mit über 20.000, da sind wir schon, und weitere Konnektoren werden kommen.
Madeleine:
Für die, denen jetzt IO-Link Master nichts sagt: Es ist im Endeffekt, wie sagt man, so eine Art Bindeglied oder so ein Zusammenhalt zwischen dem Sensor und dem restlichen Netzwerk sozusagen. Ich kann euch ja mal so ein paar IO-Link Master von Turck und anderen Herstellern mal in die Show Notes packen. Ich glaube, vielleicht habt ihr auch eure eigenen schon.
Ich habe noch eine ganz kurze Anschlussfrage, dann können wir gleich zum Cloud Christoph reingehen. Muss es IO-Link sein, ganz kurz? Oder ist es auch – wenn ich jetzt, weiß nicht, zum Beispiel in diesem Roboter-Beispiel, dort war jetzt das Beispiel: Ich brauche den Zustand der Spitze, Zyklenzeiten, was auch immer. Da habe ich ja die Roboter-SPS oder Steuerung laufen, ich habe ja vielleicht noch einen Extrasensor, ich habe in der Anlage noch weitere Sensorik, und es ist nicht alles IO-Link. Was mache ich dann?
Christoph Schmermund:
Also unser IO-Link Master kann sowieso schon digital und analog, aber wir machen jetzt mit dem kommenden Release im September mit TAS, dass wir auch alle Turck-analogen und -digitalen Stationen unterstützen, worunter dann auch jeder digitale oder analoge Sensor drunter hängen kann. Genau das Gleiche für RFID noch. Wir haben auch Rollenmotorsteuerung und so was mit drin. Also diese ganze Breite, die man aus der Automatisierungstechnik kennt, ist schon teilweise drin, aber kommt mehr und mehr, um wirklich jede Art von Daten abgreifen zu können.
IO-Link hat halt den charmanten Vorteil: Da liegen im IO-Link Master schon unheimlich viele Daten, Diagnosedaten vor. Deswegen macht das das natürlich besonders attraktiv und charmant. Aber die anderen Daten haben wir natürlich auch auf dem Schirm, und Ziel ist es natürlich, alle relevanten Daten hochliefern zu können. Und deswegen bauen wir das entsprechend aus.
Christoph Rose:
Ja, hier geht es ja einfach darum: Natürlich haben wir verschiedene Produkte für verschiedene Anwendungsbereiche, und TAS Edge ist halt jetzt wirklich dieser Fokus: Wir wollen sehr einfach Sensordaten in ein Drittsystem liefern. Und das funktioniert bei uns über unsere IOs, also unsere Master – ob das digitale, analoge, ob das IO-Link ist und so weiter.
Das heißt, ich habe immer bei IO-Link einen Sensor, der muss an einen Master angebunden werden, und dieser Master ist dann mit einer Steuerung zum Beispiel verbunden. Da sind wir sowieso schon bei Turck immer multiprotokollfähig, das heißt PROFINET, EtherNet/IP und so weiter ist alles unterstützt, Modbus TCP. Wenn es jetzt OPC UA ist, da kann man das dann auch über CODESYS machen. Also da ist schon eine große Offenheit, und wie gesagt, über CODESYS kann man prinzipiell alles machen. Aber es ist dann natürlich ein komplizierteres System, und deswegen ein bisschen dieser Fokus bei TAS Edge.
Wir wollen einfache Lösungen für einfache Anwendungen haben – was nicht bedeutet, dass es nicht große Anwendungen sind. Also einfach bedeutet von der Konfiguration her, aber es könnte auch sein, dass man sagt, ich habe hier 100 verschiedene Master mit 800 Sensoren dran. Und das kann ich dann auch darüber ausrollen und benutzen und an ein Drittsystem liefern. Und das ist so ein bisschen, wo bei uns der Fokus drauf ist, mit TAS Edge zu sagen: diese Schnittstelle zu machen. Weil das ist wirklich ein Aufwand, der wird immer wieder unterschätzt, wie viel das ist.
Also ich kenne auch von früher, da hatte ich einen Hersteller, da ging es um SPS-Steuerung für Windkraftanlagen, und die haben wirklich für jede Windkraftanlage eine virtuelle Maschine gespeichert, also einen virtuellen PC, wo das entsprechende Programm drauf war mit der Programmierumgebung, mit den Bibliotheken und so weiter, weil das sich einfach verändert hat. Und da sind halt SPS sehr, sag ich mal, speziell, dass die sagen: Ich muss genau das Richtige haben, ansonsten muss ich alles Mögliche updaten. Das ist einfach riesen Aufwand. Und gerade im Bereich Fachkräftemangel ist das dann natürlich noch komplizierter, weil man sagt, die wenigen Experten, die man hat, die will man dann nicht verwenden, nur um zu sagen, ich habe jetzt einen Sensorwert mehr.
Madeleine:
Ja, ist ein Riesenaufwand. Habt ihr da so Zeiten oder irgendwas, anhand dessen man mal so versteht, was das eigentlich bedeutet in Zahlen, in Fakten?
Christoph Rose:
Ich kann jetzt aus eigener Erfahrung wieder sagen: Was koste ich für eine Woche im Vergleich zu zwei Stunden? Was kostet ein Tag oder eine Stunde von einem Freelancer, wenn man selbst keine Experten hat, im Vergleich zu „das kann jeder machen"? Was die Anbindung betrifft, geht es mir auch darum – oder das war für uns so ein bisschen das Beispiel –, dass wir auch unsere eigenen Vertriebler dazu ermächtigen, so etwas zu zeigen und einzustellen und zu machen. Also die brauchen nicht einen SPS-Programmierer von uns aus dem technischen Team, um so eine Demo aufzubauen, sondern das können die komplett selbst.
Madeleine:
Ja, ich hatte ja im Intro auch gesagt: Genau, IO-Link-Geräte haben wir ja, MQTT klingt gut, aber wer konfiguriert das dann bei uns? Das heißt, in dem Fall wäre sogar euer Vertrieb dazu befähigt, das sogar vor Ort zu machen.
Christoph Rose:
Das ist wirklich der Anspruch, dass es wirklich so einfach ist – dieses Zusammenklicken, wirklich einfach zu sagen: Wir haben die Daten, wir haben den Sensor, und da soll es hin. Natürlich gibt es Details, die man besprechen muss. Also wenn wir jetzt über MQTT reden: Wie heißen die Topics? Topic ist die Endschnittstelle, wo ich das hinschicke. Also MQTT ist so aufgebaut, ich habe immer einen Namen im Prinzip, der dann so eine Hierarchie abbildet.
Madeleine:
Topic wäre so Zyklus oder so was.
Christoph Rose:
Da gibt es teilweise vorgegebene Systematiken, teilweise muss man sich das selbst überlegen. Teilweise gibt es von Herstellern Vorgaben, wie das dann aussieht. Und das unterstützen wir in verschiedensten Varianten.
Christoph Schmermund:
Kurz gesagt ist die IODD eigentlich die Beschreibung der API, damit man weiß, was der Datenpunkt beschreibt. Die befüllen wir auch ganz einfach mit TAS Edge. Anhand der IODDs wissen wir, wie die Punkte heißen und was die Werte angeben, welche Feuchtigkeit, welche Vibration und so was. Damit werden die Werte schon so rausgegeben und auch so gefüllt. Also der Kunde kann eigentlich nur, wenn er da noch eigene Namen oder Bezeichnungen reinbringen will, das anpassen. Sonst kann er es auch einfach übernehmen, wie wir das defaultmäßig eintragen.
Ein Vertriebler meinte letztes Mal bei der Präsentation, ich soll das Wort MQTT wieder aus der Präsentation rausnehmen, weil das schreckt sofort ab. Und dann habe ich aber auch eben gesagt: Also die IODD ist ja auch ein Thema, so kennen unsere Vertriebler das auch schon – wenn sie ein IO-Link-Gerät konfigurieren oder Daten visualisieren möchten, müssen sie die IODD einladen.
Madeleine:
Okay, verstehe.
Christoph Schmermund:
Und das ist halt ein Klick. Sie klicken einmal drauf und haben die automatisch über das Internet reingeladen. Sie müssen nichts manuell machen, sie müssen ja auch gar nicht verstehen, was die eigentlich macht.
Madeleine:
Ja, nur um ganz kurz die Leute abzuholen, die nicht wissen, was eine IODD ist.
Christoph Schmermund:
Genau, die IODD ist die Beschreibung der IO-Link-Geräte. Aber sie brauchen da gar kein tiefergehendes Verständnis. Sie brauchen eine IODD, machen einen Klick, und das funktioniert. Und so sieht es auch mit TAS Edge aus. Also in TAS Edge öffnen sie das, sie wählen per Checkbox ihre Datenpunkte aus. Und dann sagen sie zum Beispiel, sie wollen es in die TAS Cloud bringen, dann müssen sie einmal ein Zertifikat reinladen. Das sind dann halt zwei, drei Klicks. Aber sie wählen das Zertifikat aus und laden es da rein.
Und der Rest über MQTT funktioniert alles automatisch. Also sie haben überhaupt nichts mit MQTT zu tun oder müssten da Verständnis haben. Es ist gut zu wissen, dass im Hintergrund MQTT läuft, aber es funktioniert dann von selbst. Sonst müssen sie überhaupt kein MQTT-Wissen groß haben oder wissen, wie das in der Tiefe funktioniert. Bei IO-Link halt brauchen sie die IODD, und bei TAS Edge läuft im Hintergrund MQTT. Man braucht halt ein Zertifikat für die sichere Datenübertragung, aber das war's. Das ist das Wichtige und der Kernpunkt an dem Ganzen.
Madeleine:
Ja, ich habe noch eine kurze Frage dazu – aber du wolltest noch was ergänzen? Ich stelle meine Frage gleich.
Christoph Schmermund:
Ja, das Thema, dass wir die ganze Zeit mit TAS arbeiten, hat man natürlich die ganze Zeit sehr verfolgt. Du hast ja wegen Zeiten gefragt oder Return on Investment. Also am Ende, wie auch schon gesagt, ist es natürlich immer von der Applikation abhängig. Aber am Ende investiert man ein bis zwei Stunden Aufwand, wo jemand durch die Konfigurationen einmal durchklickt und einen Alarm in der Cloud erzeugt und so. Das sind ein bis zwei Stunden.
Das sorgt dann am Ende dafür, dass man mehrere Stunden bis teilweise Tage an Test- und Anpassungszeiten spart – auf 100 Maschinen oder Produktionsanlagen hochgerechnet geht das dann richtig ins Geld. Und die OT-Geräte liegen meist vor, weil die schon für den Prozess benötigt werden. Mit TAS Edge können Sie das auch einfach nachinstallieren, an der Hardware muss nichts geändert werden. Also man bringt nur TAS Edge ins Netzwerk. Genau. Dann sind es einmal die Lizenzkosten von einhundert Euro einmalig, und man hat das Ganze nachgerüstet.
Madeleine:
Wenn ihr jetzt übrigens auch zuhört und denkt, ich habe einen ähnlichen Case oder würde da gerne mehr zu erfahren: Ich würde eure beiden Kontakte einfach mal in die Show Notes packen, vernetzt euch da gerne, tauscht euch mal aus, wie ihr das heute macht, um dann mal so ein bisschen von den Erfahrungswerten zu lernen – wenn das bei euch in Ordnung ist.
Und Christoph, ich hätte mal eine Frage, jetzt Cloud Christoph in deine Richtung: Wir hatten doch heute Morgen unser Anwendertreffen, und da kam doch auch dieses Thema der Konfiguration auf und dass der Kunde sogar so was abnimmt und so weiter. Ist das das Thema? Also dass die Aufwände einfach immens sind, auch in der Konfiguration vor Ort, und dass der Kunde ja teilweise auch nochmal diese ganzen Werte abnimmt – macht es das auch einfacher? Beschreib das gerne nochmal in deinen eigenen Worten, ich wollte nur fragen, ob das da reingehört.
Christoph Rose:
Ja, ich meine, da geht es ein bisschen auch Richtung Factory Acceptance Tests, also FAT und so. Und das unterstützen wir mit TAS Desktop. Das haben wir so noch gar nicht groß erwähnt – also wir stecken da natürlich so in der Welt drin. Also TAS Desktop gibt es so schon länger, und das ist quasi so das Kernstück. Und TAS Desktop ist daraus entstanden, dass es einen Konfigurator brauchte für IO-Link, für unsere Geräte, Firmware-Updates, über das ganze Netzwerk hinweg.
Und da kann man eben auch so Sachen machen wie, ich sag mal, mit ein paar Klicks, dass ich mir einen Report ziehe über alle Geräte hinweg, über alle Master hinweg: Wie sind die Sensoren konfiguriert? Und das ist dann so eine Dokumentation, die man bei so was mitgeben kann, wo man sagt: Das hier ist explizit das, was auf den Geräten konfiguriert ist. Und das kann man dann so, sag ich mal, festhalten und sagen: passt so weit. Und das ist auch etwas – dieses TAS Desktop ist eine kostenlose Software von uns für die Verwaltung von unseren Mastern.
Madeleine:
Gerätemanagement, wenn man so will.
Christoph Rose:
Ja, genau. Gerätemanagement, Firmware-Updates, Netzwerkkonfiguration, aber eben auch dieses Thema Batch-Updates, Batch-Konfiguration von ganz vielen Geräten. Wir haben verschiedene Technologien, und das läuft alles über TAS Desktop so als Kernstück. Und wie gesagt, das ist eine kostenlose Software, die man bei uns auf der Website einfach runterladen kann, mit der man das alles machen kann.
Darauf aufbauend kommen wir dann Richtung: Wenn ich jetzt gucken will, was passiert auf den Geräten mit den Sensoren, sind die richtig konfiguriert? Das kann man alles darüber auch schon machen. Und da kann man sich auch die Daten angucken, die Echtzeitwerte angucken, die Konfiguration nochmal einsehen. Also da ist ganz viel möglich. Und das ist so dieses Thema Abnahmen und Überprüfung. Ich sag mal, da hat man den Vorteil: Ich kann wirklich am Netzwerk sein, und dann kann ich mich auf alle Geräte entsprechend einloggen und gucken, was passiert da tatsächlich.
Madeleine:
Ja, perfekt. Genau, zum Kontext, wenn ihr zuhört und euch kurz fragt, worum es geht: Also wir haben einmal im Monat ein Anwendertreffen, wo sich Anwender austauschen zu Best Practices, und da ging es eben heute um Fehlerhandling bei SPS-Daten. Also der Punkt von dem Mitglied unserer Community war, dass bei der Abnahme durch den Kunden häufig die Datenwerte einfach stimmen müssen. Wenn zum Beispiel eine falsche Seriennummer oder ein Sensorwert – keine Ahnung, falsche Werte oder irgendwas nicht plausibel ist –, dann lässt sich das beim Kundentermin nicht mehr sauber vergleichen, verifizieren, und deswegen kommen Kunden häufig zur Abnahme. Und um das zu vermeiden, ist es cool, jetzt zu lernen: Es gibt eben auch jetzt hier euer TAS Desktop, so heißt das, um so was auch zu machen. Ich hatte gerade nur daran gedacht, dass es ja auch so ein ähnlicher Case ist.
Christoph Rose:
Als Ergänzung dazu: Da kommen wir halt zum Thema IO-Link. Also wir haben es ja vorhin auch so ein bisschen erwähnt, das ist ja der riesen Vorteil an IO-Link: Ich habe eben nicht einfach nur ein Analog-Signal von 4 bis 20 mA oder 0 bis 20 mA oder 0 bis 10 Volt und sonst was alles, sondern es ist ein digitales Datenformat, wo dann wirklich in der IODD, in der Beschreibungsdatei, ganz genau definiert ist, welcher Datenpunkt bedeutet was, welche Einheit hat der und so weiter.
Und das ist ja der riesen Vorteil an IO-Link: Der Sensor an sich, das Gerät wird auch identifiziert. Das heißt, man kann auch überprüfen, ist der richtige Sensor angeschlossen. Und jetzt hört sich das so lapidar manchmal an. Aber wenn ich jetzt, sag mal, 100 Kabel verbinde oder 100 Sensoren verbinde und ich alles analog mache, dann habe ich natürlich die Gefahr, dass ich einfach mal zwei Kabel vertausche und der falsche Sensor an den falschen Anschluss angebunden ist – und wer weiß, wann ich das rausfinde. Also ich habe es schon erlebt bei der Inbetriebnahme.
Und das ist halt der riesen Vorteil mit IO-Link: Der Sensor wird identifiziert, die Daten werden identifiziert, und da muss ich nicht raten. Die Integration in Steuerungssysteme ist für zyklische Daten auch ziemlich gut, also die meisten bieten da etwas, aber trotzdem muss man da immer genau drauf gucken.
Madeleine:
Was kostet denn?
Christoph Rose:
Auch da ist es dann ganz hilfreich mit TAS Desktop. Wir haben bei uns da eine integrierte Interpretation für diese IODDs, sodass man das dann direkt vergleichen kann: Habe ich die Steuerung richtig konfiguriert, richtig programmiert, dass da auch wirklich der richtige Wert drin steht? Das sind so Sachen, wo ich sage, aus der Praxis heraus: Da können Tage für draufgehen, um rauszufinden, was passiert hier. Oder, schlimmer noch, man kriegt es nach der Inbetriebnahme raus, dass irgendwann mal bei irgendeiner Situation irgendwas Komisches ist und da jemand draufguckt und sagt: Was passiert da? Und dann stellt man erst fest, die Daten sind ja gar nicht richtig, weil irgendwie ist da ein Kabeldreher drin.
Madeleine:
Okay, ja, interessant. Ich fasse das vielleicht nochmal so ein bisschen zusammen, weil viele hören das vielleicht zum ersten Mal, viele kennen die Begriffe schon. Aber das heißt: TAS Desktop ist sozusagen euer Gerätemanagement – sorry, jetzt sehr einfach gesprochen. Dann haben wir das TAS Edge, das ist im Endeffekt die IIoT-Komponente, die IIoT-Integrationskomponente, die quasi dieses System zusammenbringt und leitet sie dann über MQTT weiter in mein Zielsystem meiner Wahl. Das kann eure – ihr hattet es gesagt – TAS Cloud sein, also Hersteller-Cloud, wenn man so will. Kann aber auch meine eigene sein, oder? Also ich kann ja auch sagen, ich habe da was anderes oder so, das läuft oben drüber.
Christoph Schmermund:
Aber das Erste ist noch zusätzlich unsere Service-Plattform. Also wir werden auch mehr und mehr Services etablieren. Ein Beispiel ist zum Beispiel automatische Backups und Restores erstellen. Das heißt, dass im Geräteaustausch die ganze Konfiguration wiederhergestellt wird, ohne dass da jemand manuell eingreifen muss. Es muss nur das Gerät neu angestöpselt werden.
Madeleine:
Also das kaputte Gerät wird ersetzt.
Christoph Schmermund:
Genau. Solche Services bieten wir grundsätzlich mit dem Edge mehr und mehr an. Also wir sind jetzt gestartet mit dieser Datensammlung und Weiterleitung, und die anderen Themen kommen jetzt auch mehr und mehr. Also es wird unsere zentrale Serviceplattform.
Madeleine:
Ja stark, das finde ich cool. Und vielleicht sehen wir uns ja auch auf der Messe, würde ich mir mal gern vor Ort anschauen. Ihr seid ja, glaube ich, auch auf der SPS, oder? Da machen wir einen Termin bei euch am Stand und gucken uns das einfach mal in der Praxis an, würde ich sagen, wie das Ganze funktioniert.
Und wenn ihr sagt, hey Community, ich hätte auch Interesse, mich einfach mal mit anderen auszutauschen, wie machen die das, einfach mal ganz offen: Kommt gern rein, wir haben einen Austausch einmal im Monat, es gibt eine Tech-Runde und es gibt eine eher business-lastige Runde. Wie diese Integration funktioniert und so weiter – kommt einfach rein, ist erstmal kostenlos. Wir haben so eine Warteliste bei mir, um zu schauen, dass da die richtigen Leute auch drin sind und der Austausch spannend bleibt. Ansonsten, wenn ihr jetzt ein konkretes Thema habt, meldet euch bei Christoph und Christoph Cloud, je nachdem – also nein, bei Christoph Rose und Christoph Schmermund, und genau, findet ihr in den Show Notes.
Und als allerletzte Frage für heute: Was war denn euer wichtigstes operatives Learning? Weil das werde ich auch immer gefragt. Etwas, wo ihr sagt, das würden wir nie wieder so machen, oder: Ja, das war total geil, das würden wir sofort wieder machen – was wär das?
Christoph Schmermund:
Bisher lief dieses TAS-Projekt wirklich sehr gut. Wir haben am Anfang gar nicht wirklich auf Visibility und so Wert gelegt. Woran es gehakt hat, ist wirklich die Geschichte, die wir heute ja auch schon hatten, mit dem Vertrieb. Auch wenn man sagt, es ist einfach, reicht das nicht. Man muss den Vertrieb da eigentlich schon wirklich immer noch an die Hand nehmen und erst noch ein- bis sogar zweimal zeigen: Es ist wirklich so einfach, und jetzt testest du es mal aus – weil diese Grundskepsis einfach da ist und einfach da Hürden aufgebaut sind.
Und die so weit zu kriegen, dass sie das wirklich auch beim Kunden zeigen und zeigen, dass es einfach funktioniert – das war eigentlich so das Schwerste, womit wir am meisten zu kämpfen hatten: das zu überwinden und den Vertrieb mit reinzuholen und das Verständnis zu schaffen. Es ist wirklich so einfach, und wir sagen das nicht nur, sondern sie können es auch glauben.
Madeleine:
Ich gucke es mir auf der Messe an.
Christoph Rose:
Ja, genau. Also wirklich das Thema Einfachheit steht über allem. Technisch ist heutzutage alles möglich, es ist alles nur eine Frage des Aufwandes und des Know-hows und wer das machen kann. Und wir haben mit TAS Edge, glaube ich schon wirklich, da was hingebaut, was diesen Anspruch erfüllt. Ich habe mich sehr auf das Technische konzentriert am Anfang, mit TAS Cloud und so. Und der Durchbruch war wirklich diese einfache Anbindung, weil die es dann wirklich möglich macht, die Möglichkeiten, die wir heute haben, zu nutzen.
Madeleine:
Ich überzeuge mich dann davon selber, wir machen mal einen Termin auf der Messe. Also vielen Dank für die Session heute, war sehr spannend. Auch schön praxisnah an dem einen Beispiel mal erklärt. Habt ihr ja gerade schon mal schön gesprochen, was so die Learnings sind. Falls ihr noch was ergänzen wollt, sehr gerne, ich würde nämlich hiermit das letzte Wort an euch übergeben. Von meiner Seite auch schon mal vielen Dank, dass ihr heute mit dabei wart, und noch eine schöne Restwoche.
Christoph Rose:
Danke, dass wir dabei sein durften.
Christoph Schmermund:
Wir haben TAS kostenlos verfügbar zum Ausprobieren, auch als kostenlose TAS Edge Demoversion, wo man alles schon machen kann – nur die Zeit ist limitiert, aber Sie können damit schon alles austesten. Deswegen laden wir Sie gerne ein, das einfach mal auszuprobieren.
Christoph Rose:
Probieren geht über Studieren. TAS Desktop runterladen und selbst überzeugen.
Madeleine:
Dann eine schöne Restwoche für euch, macht's gut, und schönen Urlaub und schönes Wochenende. Und für alle anderen: jetzt reinhören, viel Spaß beim Weiterfahren oder was auch immer ihr gerade macht. Macht's gut, ciao!
Christoph Rose:
Danke, tschüss.
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