Ohne Kabel, ohne SPS-Eingriff, ohne IT-Projekt: dezentrale Assets einfach anbinden

In der 214. Episode des IoT Use Case Podcasts spricht Gastgeber Dr. Peter Schopf mit Dennis Jansen, Product Manager IIoT bei autosen. Im Fokus steht die Frage, wie Betreiber dezentrale Assets ins IIoT bringen – ohne Steuerungseingriff, ohne IT-Projekt, ohne Kabel.

Zusammenfassung

autosens Antwort ist das minion: ein modulares Sensorsystem mit integriertem Mobilfunk-Gateway und Batterie, das ohne bestehende Infrastruktur auskommt. Der Ansatz dahinter ist bewusst radikal einfach – Steuerungen werden nicht angefasst, stattdessen werden neuralgische Punkte im Feld überwacht. Vom Auspacken bis zu den ersten Daten in der Cloud: maximal 30 Minuten.

Dennis Jansen erklärt, warum autosen dabei auf LTE-M und NB-IoT setzt, statt auf 5G – Energieeffizienz schlägt Bandbreite, wenn eine Batterie zwei Jahre halten soll. Und er macht deutlich, für wen das System gedacht ist: nicht für den Endanwender selbst, sondern für Systemhersteller, die ihren Kunden eigenständige IoT-Services anbieten wollen – etwa bei Industrieventilatoren, Füllstandsüberwachung oder Zugangskontrolle.

Das nimmst du mit

  • Plug & Play im IIoT ist möglich, wenn man Steuerungen weglässt und eigenständige Devices für neuralgische Punkte einsetzt
  • LTE-M und NB-IoT schlagen 5G für batteriebetriebene Sensoren, weil Energieeffizienz vor Bandbreite kommt
  • Das minion-System richtet sich an Systemhersteller als Enabler – nicht direkt an Endkunden
Transkript

Heute im IoT Use Case Podcast. Der schnelle Einstieg in das industrielle Internet der Dinge. Der Kern heute ist die Einfachheit des Einstiegs anhand eines konkreten All-in-One-IoT-Systems. Wir schauen dabei insbesondere auf Anwendungen, bei denen man Sensordaten braucht, aber nicht sofort in die SPS eingreifen will – etwa Industrieventilatoren, dezentrale Infrastruktur, Füllstandsüberwachung oder auch Nachfüllprozesse. Dafür ist die Firma autosen bei uns zu Gast und mit Dennis Jansen diskutiere ich erste belastbare IoT-Schritte: Sensor dran, Daten raus, Aktionen ableiten. Viel Spaß!

Hallo, liebe Freunde des IoT! Willkommen beim IoT Use Case Podcast. Heute sprechen wir über einen sehr pragmatischen Einstieg ins industrielle Internet of Things. Wir beantworten die Frage: Wie bekomme ich Daten aus dezentralen, auch schwer erreichbaren und alleinstehenden Objekten in eine nutzbare Cloud-Lösung, ohne erst die gesamte IT/OT-Landschaft umbauen zu müssen? Zu Gast habe ich dafür Dennis Jansen von autosen. Dennis kommt aus dem Produktmanagement und ist nahe an Produkten wie io-key und minion. Dennis, lass uns direkt konkret werden: Wenn ihr bei autosen von einem einfachen IoT-Einstieg sprecht, welches ganz konkrete Kundenproblem meint ihr damit?

Dennis

Danke, dass ich hier sein darf. Wenn es einfach sein soll, dann will ich als Kunde einen Sensor anschrauben, vielleicht eine Seriennummer eingeben – und dann will ich meine Daten an meinem Endpunkt haben. Ich will kein anderes Projekt daraus machen. Ich will nicht noch mit den Kollegen von der IT sprechen, will nicht stundenlang Kabel ziehen, ich will wirklich einen Plug-and-Play- oder Plug-and-Work-Ansatz fahren. Das haben wir bei autosen gemacht und ich glaube, mit dem minion haben wir es auf die Spitze getrieben.

Hört sich gut an, aber vielleicht auch gar nicht so leicht umzusetzen. Die ganze Thematik Systemintegration – auf eine Steuerung zuzugreifen in einem Operational Environment, in einem Umfeld, wo eine hohe Zuverlässigkeit gefragt ist, wo man nicht einfach mal so etwas anstöpseln kann. Was ist da der Ansatz, den ihr verfolgt?

Dennis

Unser Ansatz ist: Dort wo eine Steuerung die Prozesse erledigt, fassen wir diese nicht an. Wir sind der Meinung, dass wir bei autosen mit möglichst einfachen Produkten, die möglichst wenig Beratungsaufwand erfordern, neuralgische Punkte heraussuchen und diese mit einzelnen IoT-Devices – die für sich alleine funktionieren, die nicht die Kunden-IT brauchen, die nicht in die Steuerung müssen – online bringen.

Neuralgische Punkte – kannst du mir da Beispiele nennen?

Dennis

Wir durften vor Kurzem einen Kunden in den Niederlanden besuchen, der sehr viele Betonwerke betreibt. Die Produktion in diesen Werken ist hochautomatisiert – da sind Wagen, Zylinder, pneumatische und hydraulische Systeme, die Rezepte laufen vollautomatisiert. Das ist alles kein Problem. Aber wenn der Motor steht, bekommt es der Kunde nur dadurch mit, dass das Produkt nicht mehr fährt. Was wir also machen: Wir überwachen an einem solchen Motor die Leistungsaufnahme, eine Drehzahl – oder dafür wäre dann die Vibration das Mittel der Wahl.

Okay, minion – du hast das jetzt schon zweimal gesagt, erkläre mal. Ich – Einfach unverbesserlich, glaube ich.

Dennis

Ich weiß nicht, ob das marketingtechnisch so clever war, weil jeder diesen Gedanken hat. Aber so ganz falsch ist es nicht – wenn man minion übersetzt, landet man bei „kleiner Helfer". Und das haben wir genau so gebaut: einen ganz kleinen Helfer. Ein Gerät, das nur einen Querschnitt von 24 mm hat und aus drei Teilen besteht: einem Sensor, einem Gateway und einer Batterie. Die werden über einfache Schnappverschlüsse miteinander verbunden und dann an der zu untersuchenden Stelle befestigt – mit einem Adapter, geklebt oder, im Fall des Vibrationssensors, auch geschraubt.

24 mm Querschnitt – hast du da einen Vergleich? Eine 2-Euro-Münze oder so?

Dennis

Ich hab leider keine Banane da – das wäre im Internet ja so das typische Maß. Irgendwo so die typische Größe einer Briefmarke – das ist der Querschnitt des minion.

Briefmarkengröße also. Okay, ihr habt ein sehr, sehr kleines Gesamtsystem – wirklich Sensor, Gateway und Batterie in einem. Wie kam es dazu? Was war die Anforderung? Zwischen klein, günstig und leistungsfähig muss man Trade-offs machen. Wie kam die Spezifikation zustande, dass ihr so ein Gerät baut?

Dennis

Wir sind davon fest überzeugt: Wenn wir Daten sammeln und Action-Items daraus ableiten können, wird die Welt für uns alle besser. Und dann stellt sich die Frage: Wie komme ich wirklich überall hin? Die Antwort erklärt sich schnell. Wir müssen auf Mobilfunk setzen, weil Mobilfunk der einzige Weg ist, überall kabellos Daten wegzubekommen. Wir brauchen eine Batterie, weil ich sonst mit einer externen Stromversorgung schnell wieder Leitungen ziehen muss. Und es muss klein sein.

Wenn ich ganz ehrlich bin: Wir wollten den minion erst mit einem 18-mm-Querschnitt bauen. Da sind wir aber sehr schnell an die Grenzen der Antennentechnik gestoßen und sind dann ein bisschen größer geworden – 24 mm. Und auch das ist immer noch nicht ganz einfach.

Das glaube ich. Muss es denn wirklich so klein sein? Je nachdem, für was man es nutzt – ein Motor ist ja relativ groß, da stört ein größerer Sensor eigentlich nicht. Und bei der Batterie gilt tendenziell: Je größer, desto besser für die Lebensdauer. Also wo setzt ihr den minion ein, und warum genau diese Anforderungen?

Dennis

Es ist ja kein Wunder, dass die meisten Elektroautos irgendwelche riesigen SUVs sind – da hat man einfach Platz für eine Batterie. Mehr Volumen, mehr Bauraum heißt mehr Kapazität, heißt leistungsfähigere Antenne, heißt insgesamt ein leistungsfähigeres System.

An einem Industrieventilator habe ich im Regelfall Platz für einen größeren Sensor – das will ich gar nicht abstreiten. Aber in Systemen, die relativ integriert sind – ich denke zum Beispiel an Zentrifugen, den Pharmabereich, das hatten wir auch schon –, da habe ich einfach wenig Platz. Und da stört mich jeder Millimeter.

Deswegen war das Ziel: Irgendwo in diesem Interessenkonflikt – in diesem Dreieck aus Bauraum, Leistungsfähigkeit und Kosten – ein Optimum zu finden, das sehr stark bauraumorientiert ist. Sodass wir sagen können: Unsere Lösung kommt wirklich überall hin.

Es geht ja von der Fertigung bis hin zu dezentralen Einzelobjekten – insbesondere wenn sie über einen großen Bereich verteilt sind, mit verschiedensten hochwertigen Geräten. In welchen Bereichen seid ihr gerade im Einsatz?

Dennis

Wir sind zum Beispiel bei Zugangskontrollen. Da gibt es Klappen, Türen, Tore, die wir überwachen können. Wir merken einfach, wenn eine Tür aufgemacht wird, und können dem Kunden sagen: Zugriff oder kein Zugriff. Das ist keine Echtzeitanlage – eine Echtzeitanlage wäre an der Stelle auch viel zu teuer. Aber die wissen zumindest: Da setzt sich jetzt jemand ins Auto, fährt raus zu diesem Asset und schaut nach. Und da reden wir von Assets, von Bereichen, wo die einzelnen Teile kilometerweit voneinander entfernt sind.

Eine andere Geschichte: Industrieventilatoren. Also im Grunde ein Motor, ein Getriebe, Kupplung und am Ende ein großes Lüfterrad. Die laufen relativ konstant und sind zum Beispiel dafür verantwortlich, Gebäude zu klimatisieren oder Prozesse für die Chemie oder Industrie allgemein bereitzustellen. Und da sind wir gar nicht beim Betreiber der Anlage, sondern beim Hersteller dieser Ventilatoren – der diese dann mit Messsystemen ausstattet und dem Kunden das Thema präventive Wartung abnimmt. Der Hersteller ist derjenige, der die Ventilatoren weiterverkauft und zusätzliche Services wie Wartungsverträge oder günstigere Ersatzgeräte anbieten kann.

Wir sind also immer so ein bisschen daneben am Fertigungsprozess, nicht direkt darin. Wir wären nicht der Lieferant vom großen Automobilkonzern, sondern der Lieferant von dessen Lieferant – von jemandem, der selbst wissen möchte, wie gesund seine Anlagen sind.

Das macht Sinn – gerade nicht in das ERP- oder Steuerungssystem zu integrieren, sondern das separat zu halten. Jetzt hatten wir Batterien – lass uns das Gerät mit seinen drei Ebenen: Sensor, Gateway, Batterie, mal stufenweise durchgehen. Die Batterie gibt unglaubliche Flexibilität, schränkt aber ein, dass das Gerät nicht zehn Jahre lang funktioniert. Was sind da die Größenordnungen?

Dennis

Das hängt ganz stark davon ab, wie und wo das Gerät eingesetzt wird. Eine Batterie ist eine elektrochemische Zelle, deren Lebensdauer direkt von der Temperatur abhängt. Irgendwo hier in Mitteleuropa, mittlere Jahrestemperatur 10–15 Grad – da fühlen wir uns wohl. Wenn es zu heiß oder zu kalt wird, leidet die Lebensdauer. Zugegeben, wir werben auch mit dem Weltraum – aber da würde ich den minion nicht einsetzen.

Mit der typischen Konfiguration, in der wir die Daten einmal am Tag aufnehmen und einmal am Tag an den Cloud-Endpunkt schicken, landen wir bei einer angepeilten Lebensdauer von zwei Jahren. Ob wir die erreichen, kann ich noch nicht sagen, weil der minion noch nicht so alt ist. Aber es sieht gut aus.

Sehr gut. Mit einem bis eineinhalb Jahren kann man schon viel machen – da passen sowieso die Maintenance-Zyklen. Und das Spannendste ist, immer die richtigen Anwendungsfälle für die jeweiligen Möglichkeiten zu finden. Dann zum Gateway: Die Antenne ist auf diesem Bauraum schon eine Schwierigkeit, und ihr funkt ins Mobilnetz – das macht das Gerät für Anbieter größerer Systeme sehr attraktiv. Man kann sich die Infos direkt vom Feld holen. Kannst du erklären, wie das vom Gerät bis zum Systembetreiber abläuft?

Dennis

Wir nutzen die gängigen Standards: LTE-M – das ist quasi das, was auch im Rettungswagen ist, also ein bisschen abseits der normalen Mobilfunknetze – und NB-IoT als Fallback-Lösung. NB-IoT lässt zwar nicht so viele Daten zu, hat aber eine sehr gute Verfügbarkeit. Wir nehmen die Daten, verschlüsseln sie, schicken sie über das Mobilfunknetz an den nächsten Funkturm und dann landet es im VPN unseres Mobilfunkbetreibers und wird von dort in die Cloud geschleust.

Die Cloud ist entweder die autosen Cloud, die wir mitliefern – ein auf uns gebrandeter Ableger von Cumulocity. Wir können aber auch einfach sagen: Du hast deinen eigenen MQTT-Endpunkt, dorthin schicken wir die Daten.

Was wären denn die Alternativen gewesen? Habt ihr da selektiert – das genommen und nicht das andere, aus diesen und jenen Gründen?

Dennis

Mobilfunk hat ja mehrere Möglichkeiten: 4G, 5G. Im Bereich industrielle Kommunikation haben wir NB-IoT und LTE-M. Und was man in Europa auch nicht unterschätzen darf, ist das gute alte EDGE, also das 2G-Netz – wenn wir das auf dem Handy sehen, sind wir immer ein bisschen traurig, aber beim IoT funktioniert es noch ganz gut. Wir haben uns aber gegen 2G entschieden, einfach weil diese Netze weltweit abgeschaltet werden. Der Standard geht einfach davon weg.

5G scheidet aus, weil die Vorteile von 5G in niedriger Latenz liegen. In unserem typischen Use Case übersenden wir einmal am Tag Daten – das sind ein paar Bytes. Wir haben keinen Bedarf nach großer Bandbreite und keinen Bedarf an niedriger Latenz. Also haben wir uns für die Standards entschieden, die möglichst wenig Energie benötigen. Da wir die Batterie haben, müssen wir einfach so gut es geht Strom sparen. Und da sind wir eben bei LTE-M und NB-IoT, passend zu den Datenmengen, die wir übersenden.

Gateway-basierte Lösungen wären eine weitere Option – da gibt es viele Technologien, bei denen viele kleine Geräte mit einem Funkstandard weggehen und ihre Daten über ein zentrales Gateway an einen Endpunkt schicken. Das wollten wir aber bewusst nicht, weil wir ganz verteilte Assets angehen wollen, wo wir nicht jedes Mal noch ein Gateway aufbauen müssen. Und so sind wir bei Mobilfunk und diesen Mobilfunkstandards gelandet.

Ich finde es immer ganz spannend, wie verschiedene Produkte und Lösungen entstehen.

Dennis

Wobei man dazu sagen muss: Das Gerät ist modular aufgebaut, wir sind da noch nicht fertig. Es wird mit Sicherheit auch noch andere Mittel und Wege geben.

Kannst du auch zu den Varianten sprechen, die jetzt momentan ausgeprägt sind? Wir hatten Batterie, hatten Gateway – Sensor ist jetzt noch das offene Thema, das ist wahrscheinlich die größte Variantenvielfalt. Kannst du die Konfiguration noch mal darstellen?

Dennis

Im Bereich Batterie haben wir festgestellt, dass es einige Stellen gibt, an denen der Kunde Flexibilität möchte – vielleicht sogar bereit ist, ein Kabel zu ziehen. Wir haben sogar schon Kunden dabei ertappt, wie sie die Batterien aufgeschnitten, Zellen herausgetrennt und sich eine eigene Stromversorgung dran gebaut haben. Als Ingenieur finde ich das natürlich super, als Verkäufer mehr so mittelmäßig. Das heißt, wir werden noch eine zusätzliche Energieversorgungseinheit anbieten, die es dem Kunden ermöglicht, das Gerät so zu betreiben, wie er möchte. Da kommt dann ein Industriestandardanschluss dran, ein Bauteil, das die Spannung auf das notwendige Niveau herunterbringt. Man kann auch eine Solarzelle mit Pufferbatterie anschließen – die Flexibilität liegt stark auf der Seite des Kunden.

Auf der Sensorseite haben wir aktuell drei Sensoren im Portfolio für typische Szenarien. Wir haben über Vibration gesprochen. Ein anderer Sensor ist ein Radarsensor, der Füllstände oder Abstände bestimmen kann. Dazu ein Klimasensor für Temperatur und Feuchtigkeit. Und dann haben wir noch einen Adapter, für den ich mich besonders begeistere: Da schließe ich einfach einen 4-bis-20-Milliampere-Analogsensor an. Der minion bestromt diesen Sensor dann, und so kann ich industrieübliche Sensoren digital mit dem minion anbinden.

Und wem das noch nicht reicht, für den haben wir ein Protokoll entwickelt, das zwischen Gateway und Sensor liegt – wir nennen das SensCom: eine Beschreibung für Hardware, Software und Schnittstelle. Das ermöglicht es unseren Kunden, eigene Sensoren zu bauen. Wir haben schon Kunden, die das getan haben – die damit Kraftaufnehmer gebaut oder Ströme gemessen haben. Auf diese Weise haben wir eine große Generik erreicht und legen die Flexibilität wieder in die Hände unserer Kunden.

Wenn man sowas entwickelt, kommen ja verschiedenste Komplexitätsstufen zusammen: Batterie, Gateway, Antenne, Sensorik. Habt ihr das ganze Wissen inhouse? Wie habt ihr Partnerschaften dabei aufgesetzt?

Dennis

autosen ist ein kleines, mittelständisches Unternehmen mit ungefähr 30 Vollzeitstellen. Dass wir das nicht alles im Haus machen, ist klar. Viele werden wissen, dass wir sehr eng mit ifm verbandelt sind – da ist ganz viel Kontakt und Zusammenarbeit im Bereich Sensorik. Das Know-how für das Gateway liegt wesentlich bei autosen und wurde auch wesentlich von autosen geschaffen. Das heißt aber nicht, dass wir keine starken Partner haben – zum Beispiel Murata, die ein Funkmodul bereitstellen und für uns Antennen gebaut haben, die es so noch nicht gab. Ich sage immer: Alle haben gesagt, leistungsfähige Antennen auf diesem Bauraum könne man nicht realisieren – und wir haben es mit den Kollegen von Murata trotzdem gemacht.

Die Batterie ist ehrlich gesagt ein Zukaufteil. Die wird in Japan entwickelt und in Thailand gebaut und getestet. Daraus hat sich auch eine schöne internationale Partnerschaft entwickelt.

Super, jetzt zurück zu den Einsatzfeldern: Was bringt das konkret? Über die Batterielaufzeit haben wir gesprochen – was sind noch weitere relevante Leistungsdaten?

Dennis

Das Wichtigste, das wir uns als Ziel gesetzt haben: Vom Auspacken des Pakets mit allen Bestandteilen bis die Daten in der Cloud sind, darf auf keinen Fall mehr als 30 Minuten vergehen. Und dieses Ziel haben wir auch geschafft. Da steckt ganz viel IT im Hintergrund, die den minion schon beim Kauf auf Basis seiner Seriennummer mit der Kunden-Cloud verbindet – sodass er nach dem Zusammensetzen einmal das Mobilfunknetz suchen muss, es findet und die Daten sofort an den richtigen Endpunkt schickt. Nervige Konfigurationen, IP-Eingaben und so weiter – das entfällt alles.

Was der Kunde einstellen muss: Wie oft soll der minion senden, wie oft soll er messen – dafür haben wir einen Wizard in der Cloud gebaut, den man auf einfache Weise mit ein paar Klicks durchführt.

Das ist das zentrale Thema – es war oft zu komplex in der Vergangenheit, solche Themen einzurichten. Dann braucht man die IT-Abteilung, aber man ist eigentlich im Fabrikumfeld. Liefert ihr die Geräte direkt an Systemhersteller, die das konfigurieren und damit ausliefern? Oder muss vor Ort nochmal konfiguriert werden?

Dennis

Unser Ziel ist es nicht, nicht mit Kunden in Kontakt zu treten – ganz im Gegenteil, ich liebe den Kundenaustausch. Aber für das typische Geschäftsmodell, jeden Kunden besuchen, einen Kaffee trinken und dann an die Anlage gehen, haben wir schlicht nicht die Mannschaft. Das ist in unserem Geschäftsmodell nicht abzubilden – deswegen dieser Ansatz der Einfachheit.

Nichtsdestotrotz haben wir Beratungspakete: Man kann uns unkompliziert, unbürokratisch anrufen. Wir können auch zum Kunden fahren, die Sensorik installieren, konfigurieren und wirklich herausfinden, was die relevanten Messgrößen sind und welche KPIs bestimmt werden müssen. So komme ich auch ein bisschen herum – und ehrlich gesagt finde ich es super zu sehen, wo unsere Geräte eingesetzt werden.

Und wenn gefragt wird: Für welche Systeme habt ihr den minion gebaut? Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, was man alleine mit Vibrationsmessungen machen kann, dass es wirklich schwer ist, das in eine kleine Aufzählung zu bringen.

Das macht mir natürlich meine nächste Frage schwer. Ich hätte gerne gefragt, ob du eine Beispielrechnung hast – hat sich das für den Kunden gelohnt oder nicht?

Dennis

Das ist natürlich schwierig zu sagen, weil das das Geschäftsmodell des Kunden ist, der wiederum seinen Endkunden hat. Das gibt man nicht gerne preis. Aber ich kann mal eine Beispielrechnung aufmachen.

Ich bin der festen Überzeugung: Ich muss nichts messen, wenn ich daraus keine Aktion ableite. Wenn ich mit dem Messwert nichts mache, bringt es mir nichts. Als Beispiel: Ich habe einen großen Heizöltank auf meinem Firmengelände – sagen wir 30.000 Liter. Wenn ich hingehe und den Füllstand messe, ist das erst mal schön. Dann weiß ich, wann er leer ist – und idealerweise ist er nicht im Januar leer, sondern wir haben die Möglichkeit dafür zu sorgen, dass unsere Prozesse weiterlaufen. Das ist aber noch langweilig – das ist erst mal nur Messen.

Jetzt könnte ich aber eine ganz einfache Automatisierung überlegen. Ölpreise schwanken übers Jahr – saisonal und manchmal auch intrasaisonal sogar bei 10, 20, 30 Cent pro Liter. Wenn ich jetzt zwei Schwellwerte festlege: erstens bei 20 % – da muss ich auffüllen. Und zweitens bei 50 % – wenn der Tank unter 50 % fällt und der Preis nah am Minimum der letzten zwei, drei Monate ist, bestelle ich automatisch Heizöl nach. Dann kann ich mit so einem 30.000-Liter-Tank im typischen Verbrauch gute 3.000 Euro im Jahr sparen – durch so eine ganz simple Automatisierung. Und das Messsystem rechnet sich schon nach einem Monat.

Und das sehe ich an ganz vielen Stellen, wo noch manuell gemessen wird, wo jemand kommt, auf Papier überträgt und dann nochmal in eine Excel-Tabelle. Wir verschwenden ganz viel Arbeitsleistung für solche Aufgaben, die wir für cleverere Dinge einsetzen könnten.

Ein anderes Beispiel: Ein Kunde von uns überwacht Tanks, die bei seinen Kunden stehen. Sein Geschäftsmodell ist: Der Endkunde kümmert sich gar nicht um die Füllstände – der hat einfach dafür bezahlt, dass die Tanks immer voll sind. Das könnte man lösen, indem man einfach immer nachfüllt. Man kann aber auch die Füllstände bestimmen und, wenn sie unter eine gewisse Schwelle fallen, die Belieferung vorausplanen. Dadurch kann man die Produktion und die Lieferrouten entsprechend anpassen – man spart Wege. Und der Endkunde ist einfach zufrieden, weil seine Prozesse immer weiterlaufen.

Schönes Beispiel. Wie du eingangs gesagt hast mit eurer Vision – kabelloses IoT überall und dass es uns dann einfach besser geht, Prozesse zuverlässiger laufen, Ausfälle direkt erkannt werden. Ich denke, da kann man in der Breite noch viel machen. Und mit mehr Daten, gerade im KI-Kontext, ermöglichen sich weitere Anwendungsfälle und Automatismen, die momentan vielleicht noch gar nicht abbildbar sind, aber sich Stück für Stück ergeben.

Wenn wir jetzt zum Schluss kommen: Was waren die größten Fehler? So etwas zu entwickeln ist nicht ohne, und da hat man wahrscheinlich Lehrgeld gezahlt. Was sind Erkenntnisse aus diesem Bauprozess, die Zuhörerinnen und Zuhörern helfen können – wenn sie selbst solche Elemente bauen oder mit euch zusammenarbeiten wollen?

Dennis

Wir haben ja schon über die Größe gesprochen. Du hattest gefragt, muss es denn so klein sein? Aus heutiger Sicht würde ich tatsächlich ein, zwei Applikationen links liegen lassen, ein bisschen größer bauen – und dafür dann einfach mehr Empfang, mehr Batterie und damit mehr Lebensdauer generieren. Das haben wir gemerkt, als wir den 18-mm-Ansatz verfolgt haben und die Größe direkt so vorgegeben haben, statt zu überlegen: Fangen wir erst mal so klein an wie möglich und schauen, ob wir da noch was optimieren können. Das hätten wir anders machen können.

Ansonsten haben wir gelernt: Wo wollen wir spitz sein, wo müssen wir spitz sein? Das haben wir ganz gut hinbekommen. Im Bereich SensCom sind wir sehr generisch – wir können jeden möglichen Sensor einbinden, der das Protokoll hält. Gleichzeitig haben wir unsere eigenen Sensoren ganz spitz auf die Anwendungsfälle zugeschnitten, wo wir auch wirklich einen Use Case gesehen haben.

Und dann würde ich noch sagen: Kritische Tests ein bisschen früher vorziehen. Wir hatten ein mechanisches Issue – wir mussten das Design der Verbindung zwischen den einzelnen Teilen nochmal überarbeiten. Das hat uns ein halbes Jahr gekostet. Es war nötig, aber wir hätten das früher machen können.

Da bin ich auch vorhin kurz darüber weggegangen – die Steckverbindung, Klickverbindung, wie hast du das nochmal genannt?

Dennis

Schnappverschluss – andere sagen Bajonettverschluss. Das ist ein Verschluss mit einer kleinen Drehbewegung.

Sowas ist ja wirklich beeindruckend, wenn das gut funktioniert und hochwertig ineinandergreift. Super, vielen Dank. Von meiner Seite fand ich das richtig spannend: sehr konkret, anhand einer konkreten Lösung, und wir haben auch über die Anwendungsgebiete und den Nutzen gesprochen. Hast du noch Anmerkungen, die Zuhörerinnen und Zuhörer interessieren könnten?

Dennis

Erstmal möchte ich dir danken für die Gelegenheit, hier offen über den minion zu sprechen – auch ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern und auch mal das zu sagen, was nicht so gut gelaufen ist. Und ansonsten würde ich mich freuen, wenn unsere Zuhörer im Kopf behalten, dass der minion erst am Anfang einer Entwicklung steht – es wird noch mehr geben. Und ich glaube, es lohnt sich, uns zu folgen, was im Bereich Funktechnologie, Batterietechnik und Sensorik noch möglich wird.

Wie bleibt man am besten im Kontakt?

Dennis

Vor allem uns auf LinkedIn folgen – das ist glaube ich die beste Idee. Newsletter abonnieren, mal auf der autosen-Website reinschauen. Und bei konkretem Interesse haben wir ein Terminbuchungstool, da kann man in meinen Kalender schauen und einen Slot buchen. Das dürfte auch interessant sein, wenn man mal ein bisschen über die Technologie sprechen möchte.

Ich fand es sehr interessant. Vielen Dank, Dennis. Ich wünsche dir noch einen schönen Tag und bis zum nächsten Mal.

Hast du ein konkretes IoT-Vorhaben?

Wir kennen die Anbieter, die es bereits umgesetzt haben.

Deine Meinung zählt
Feedback geben
Anonym · /de/podcast/dezentrale-assets-iiot-ohne-sps-autosen-minion