IoT-Services monetarisieren: von der Maschinenanbindung zum Umsatzmodell

14. September 20264 Minuten Lesezeitvon Anne Hölbing
Drei Beschäftigte mit Schutzhelmen blicken in eine Produktionshalle, darüber ein eingeblendetes Balkendiagramm mit Aufwärtspfeil und Dollarzeichen.
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Viele Industrieunternehmen haben ihre Maschinen und Anlagen vernetzt und erste Datenintegrationen geschaffen. Die eigentliche Frage stellen sich viele aber erst danach: Wie wird aus Konnektivität tatsächlicher Umsatz – und wie werden digitale Services skalierbar, sicher und wirtschaftlich?

Die doubleSlash Net-Business GmbH, ein Software- und IT-Dienstleister aus Friedrichshafen am Bodensee (gegründet 1999, rund 300 Mitarbeitende, Standorte auch in Stuttgart und München), begleitet Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau sowie in der Mobilität entlang der gesamten IoT-Wertschöpfungskette. Grundlage ist ein Dreiklang aus drei aufeinander aufbauenden Stufen: Connect, Make Smart und Monetize. Ziel ist nicht die Vernetzung an sich, sondern das digitale Geschäftsmodell, das daraus entsteht.

Die Herausforderung: Vernetzte Produkte allein erzeugen noch keinen Umsatz

Viele Unternehmen verfügen über vernetzte Produkte und ausgelesene Daten, schöpfen den geschäftlichen Mehrwert aber noch nicht aus. Auf dem Weg von der Konnektivität zum Erlös treffen mehrere Rahmenbedingungen zusammen, die weniger mit Versäumnissen als mit gewachsenen Strukturen und internationalen Anforderungen zu tun haben:

  • Heterogene Datenquellen, die erst einheitlich und standardisiert an eine Plattform geliefert werden müssen, bevor sie geschäftlich nutzbar sind.
  • IT-Architekturen, die für vorhandene digitale Angebote nicht skalierfähig sind – etwa wenn für die Abrechnung wachsender Volumina Softwarebausteine fehlen.
  • Fragmentierte Zuständigkeiten: Produktmanagement, Vertrieb und IT müssen gemeinsam an einen Tisch, damit Anforderungen vollständig erfasst werden.
  • Komplexe Abrechnungs- und Steuerlogiken im internationalen Umfeld – in Brasilien und den USA etwa je Bundesstaat unterschiedlich, was viel Konzeptionszeit bindet.
  • Datenabhängigkeit von KI: Predictive Maintenance braucht zuerst eine ausreichende, korrekte und standardisierte Datenhistorie, die über Zeit aufgebaut werden muss.

Hinzu kommt, dass klassische ERP- und Buchhaltungssysteme digitale Dienste oft nicht abbilden, wodurch in der Praxis dann Notlösungen entstehen.

Viele Unternehmen stehen heute an dem Punkt, dass sie vernetzte Produkte haben, diese aber noch nicht wirtschaftlich nutzen."

Marina Rast, Sales Consultant

Die Lösung: Ein durchgängiger Dreiklang von der Anbindung bis zur Abrechnung

doubleSlash setzt an der gesamten Kette an, statt einzelne Bausteine isoliert zu betrachten. Die Monetarisierung ist dabei das Ziel, auf das die beiden vorgelagerten Stufen konsequent hinarbeiten. Statt ein starres Standardprodukt auszurollen, kombiniert der Anbieter vorgefertigte, modulare Bausteine mit projektspezifischem Customizing.

Connect – die tragfähige Datenbasis: Schon zu Beginn wird geklärt, welche Daten ein Gerät erzeugt und welche davon später einen Mehrwert stiften, etwa für Servicetechniker oder den Kundenservice. Die heterogenen Daten werden standardisiert, strukturiert und sicher zentral zusammengeführt. Für den Mittelstand bietet doubleSlash mit dem Update Manager einen kostensensitiven Einstieg: ein konfigurierbares, adapterfähiges Tool – unabhängig davon, ob ein Kunde Microsoft Azure oder PTC ThingWorx nutzt – das auch die Update-Anforderungen des Cyber Resilience Act adressiert.

Make Smart – aus Daten werden Services: Auf der Datenbasis entstehen KI-gestützte Anwendungen. Bei ZEISS Microscopy analysiert Machine Learning die Maschinendaten von Hightech-Mikroskopen so, dass Servicetechniker bereits vor einem Ausfall aktiv werden können. Ergänzend nutzt ZEISS generative KI, die mit Wartungssessions, Anleitungen und Erfahrungswissen gespeist wird: Ein Chatbot gibt auch weniger geschulten Kolleginnen und Kollegen konkrete Hilfestellung zu Material, Werkzeug und Arbeitsschritten.

Monetize – digitale Angebote wirtschaftlich machen: Erst wenn vernetzte Geräte und belastbare Daten vorliegen, lassen sich Geschäftsmodelle tragfähig aufsetzen. Beim E-Mobilitätsanbieter EWE Go waren Maschinen und digitale Angebote bereits vorhanden, die IT-Architektur jedoch nicht skalierfähig; für die Abrechnung fehlten Softwarebausteine. doubleSlash führte einen Anbietervergleich durch, prüfte in die bestehende Architektur integrierbare Produkte und band die relevanten Rollen früh ein. Bei digitalen Diensten im Fahrzeug – etwa buchbaren Assistenz- oder Komfortfunktionen – verantwortet doubleSlash die IT hinter Buchung und Abrechnung bis hin zum Third Level Support. Ein gepflegtes Partner-Ökosystem hält die Lösungen an wechselnde rechtliche Rahmenbedingungen anschlussfähig.

StufeFunktionBeispiel aus der Praxis
ConnectSichere, standardisierte Anbindung von Maschinen und Daten; Update-Fähigkeit mit Blick auf den Cyber Resilience ActUpdate Manager: konfigurierbar und adapterfähig, u. a. für Microsoft Azure und PTC ThingWorx
Make SmartKlassische ML-Vorhersagen und generative KI für Service und WissensnutzungZEISS Microscopy: Predictive Maintenance plus KI-gestützter Service-Assistent
MonetizeSkalierbare Abrechnung, digitale Serviceprodukte, Partner-Ökosystem, modulare BausteineEWE Go: skalierbare Abrechnungsarchitektur; digitale Dienste im Fahrzeug

Unser Ansatz bei doubleSlash ist daher nicht, ein starres Standardprodukt zu vertreiben, sondern zuerst zu verstehen, was der Kunde wirklich braucht."

Jonas Kaltenbach, IT-Consultant und Product Owner IoT

Das Ergebnis: Wiederkehrende Erlöse und planbarer Service statt reiner Vernetzung

Durch das durchgängige Vorgehen wird IoT schrittweise wirtschaftlich – ohne die Beteiligten zu überfordern. Weil die Stufen ineinandergreifen, entsteht aus einer vernetzten Anlage nicht nur ein Datenstrom, sondern eine Grundlage für neue Umsatzmodelle, wiederkehrende Erlöse und geringere Servicekosten.

Konkret zeigt sich der Nutzen an den Beispielen:

  • Bei ZEISS wird Service planbar statt reaktiv: Weil Auffälligkeiten früher sichtbar werden, können Techniker gezielt vor einem Ausfall eingreifen, und der generative KI-Assistent senkt den Aufwand für die Wissensweitergabe im Service.
  • Bei EWE Go schafft die skalierfähige Abrechnungsarchitektur die Voraussetzung, wachsende Volumina digitaler Angebote zuverlässig abzurechnen – die Basis für tragfähige Erlösmodelle.
  • Bei den digitalen Fahrzeugdiensten entsteht mit der durchgängig betreuten Buchungs- und Abrechnungsstrecke ein wiederkehrendes Servicegeschäft, das im laufenden Betrieb belastbar bleibt.
  • Für den Mittelstand senkt der konfigurierbare, adapterfähige Ansatz die Einstiegshürde: schneller Start ohne großes Budget, bei gleichzeitig erfüllten Update- und Sicherheitsanforderungen.

Übertragbarkeit: Der Ansatz lässt sich unabhängig von einer einzelnen Plattform anwenden, weil Bausteine kombiniert statt neu entwickelt werden. Absehbar wird künstliche Intelligenz die Monetarisierung weiter prägen – etwa indem digitale Dienste maschinenlesbar beschrieben und Angebote datenbasiert individueller gestaltet werden. Wer die Connect-Basis geschaffen hat, kann diesen Schritt in Richtung wiederkehrender Erlöse gezielt gehen.

Nicht nur Geräte anbinden und Daten abgreifen, sondern sich früh fragen, welche Geschäftsmodelle dahinterstecken und wie wiederkehrende Einnahmen aus Gerätedaten entstehen können."

Jonas Kaltenbach, IT-Consultant und Product Owner IoT

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