Assistierte Telemedizin gegen Hausärztemangel: IoT-Geräte infrastrukturunabhängig managen

Folge 22604.11.202642 Min.Deutsch

In Folge #226 des IoT Use Case Podcasts spricht Gastgeberin Ing. Madeleine Mickeleit mit Dr. med. Thorsten Hagemann (CEO/ Geschäftsführer MEDIVISE, approbierter Arzt) und Ioana Ogreanu (Managing Director Vodafone IoT Germany). Im Mittelpunkt steht die Frage, wie assistierte Telemedizin in Apotheken und Kliniken zuverlässig läuft – unabhängig von der Infrastruktur vor Ort und auch, wenn die Zahl der Standorte wächst.

Zusammenfassung

Hausärzte fehlen, die Wege zur Versorgung werden länger. Seit Sommer 2026 dürfen Apotheken assistierte Telemedizin anbieten und mit den Krankenkassen abrechnen. MEDIVISE liefert eine Telemedizin-Box, die sich mit der elektronischen Gesundheitskarte öffnet, und eine Plattform: Ein zugelassenes Medizinprodukt schätzt ein, ob ein Fall per Videosprechstunde ambulant versorgt werden kann, niedergelassene Ärzte übernehmen. In Notaufnahmen fängt die Box Fälle ab, die dort nicht hingehören – für das Krankenhaus sind sie defizitär.

Für die Telematikinfrastruktur sieht das Gesundheitswesen das Kabel vor, entsprechend startete MEDIVISE kabelgebunden. Mobilfunk kam über Kundenanforderungen dazu. Damit braucht die Box nur Strom – in Dörfern, in denen die letzte Arztpraxis geschlossen hat, ebenso wie in Kliniken, deren Haus-IT mitunter strenger urteilt als der Gesetzgeber. Ohne Verbindung zum Hausnetz wird nicht jede Installation zum IT-Projekt. Über die SIM-Karten greift MEDIVISE zudem gesichert auf die Boxen zu und nimmt sie in Betrieb – auch bei Kunden, die auf Kabel bestehen.

Laut Ioana Ogreanu ist Konnektivität schnell gekauft, schwierig wird ihr Management bei der Skalierung. Eine globale SIM-Karte greift auf über 750 Netze in mehr als 180 Ländern zu, länderspezifische Regulatorik übernimmt Vodafone IoT im Hintergrund.

Das nimmst du mit

  • Ein Flickenteppich aus SIM-Karten funktioniert, solange das Unternehmen klein ist; ihn später zu harmonisieren, ist oft teuer.
  • Vor dem Rollout klären: Wer hält und managt die SIM-Karten? Bei MEDIVISE ist das der Hersteller, nicht die Apotheke.
  • Die Konnektivitätsanforderungen sind branchenübergreifend ähnlich – der Ansatz ist auf andere vernetzte Geräte übertragbar.

Transkript

Madeleine:

Hallo, liebe Freunde des IoT. Willkommen im IoT Use Case Podcast, euer Podcast für die Umsetzung von IoT in der Praxis. Ich bin Madeleine Mickeleit, euer Host, studierte Maschinenbauingenieurin. Heute geht es in die Gesundheitsversorgung, aber nicht im Krankenhaus. Seit diesem Sommer, 2026, dürfen Apotheken assistierte Telemedizin anbieten. Patientinnen und Patienten sprechen vor Ort per Video mit einem Arzt, begleitet von der Apotheke – und es funktioniert nur, aber auch nur, wenn die Technik dahinter wirklich zuverlässig und auch sicher läuft, und zwar jedes Mal, wenn jemand diese Box betritt.

Branchenübergreifend sind die Use Cases, die wir jetzt besprechen, total spannend. Also auch wenn ihr jetzt nicht aus der Szene seid, hört auf jeden Fall rein, da sind wirklich spannende Aspekte mit dabei. Nicht nur ein brandneues, wichtiges Thema, sondern auch vom Business Case her.

Und genau dafür habe ich mir zwei Experten dazugeholt. Freue ich mich schon drauf. Wer das ist, erfahrt ihr jetzt. Und dazu beantworte ich natürlich wie immer eure Community-Fragen, auch aus der Praxis. Alle Infos zur Umsetzung solcher und ähnlicher Projekte findet ihr wie immer unter www.iotusecase.com und in den Show Notes. Und damit würde ich sagen: Let's go, ab ins Podcaststudio.

Hallo Thorsten, hallo Ioana. Thorsten, ich fange mal bei dir an: Wie geht es dir heute und wo erreiche ich dich gerade?

Thorsten:

Danke. Glücklicherweise geht es mir recht gut. Ich muss unser Gesundheitswesen gerade nicht in Anspruch nehmen. Und du findest mich in unserem Showroom in Berlin.

Madeleine:

Sehr schön. Dann schöne Grüße nach Berlin und an alle, die jetzt auch zuhören, wo auch immer ihr gerade unterwegs seid – im Auto, beim Joggen, was auch immer ihr gerade macht. Showroom heißt bei euch was? Da stehen sozusagen eure Boxen, zu denen wir gleich sprechen?

Thorsten:

Ja, ganz genau. Wir machen ja Digitalisierung ein Stück weit anfassbar, weil wir unter anderem eben auch die passende Hülle mit ausliefern, so unsere Kunden das wollen. Und das kann man bei uns entsprechend in Augenschein nehmen. Das heißt, wir haben große Telemedizin-Boxen, in denen dann wie in einem kleinen Behandlungsraum die Behandlung telemedizinisch stattfinden kann. Wir haben aber auch leichtfüßige Elemente, die man eben an die Wand flanscht. Und das kann man sich hier bei uns dann eben auch einmal angucken.

Madeleine:

Total cool. Ich muss unbedingt mal vorbeikommen. Und ich bin auch schon total gespannt, mehr dazu zu erfahren, weil ich muss sagen, dieses ganze Apotheken-, Ärzte-Umfeld ist jetzt nicht mein Daily Business. Deswegen total spannend, heute mehr darüber zu erfahren und wie das bei euch in der Szene so läuft. Ioana, auch ein herzliches Hallo an dich. Schön, dass du heute auch mit dabei bist. Wie geht's dir und wo erreiche ich dich gerade?

Ioana:

Hallo Madeleine, hallo Thorsten, ich freue mich sehr, dabei zu sein. Ich bin auch in Berlin, im Homeoffice heute. Thorsten, wir sind gar nicht so weit voneinander entfernt.

Madeleine:

Sehr schön, cool. Du bist im Homeoffice – ich nehme es schon mal vorweg, du bist ja bei Vodafone, wir kommen gleich zur Vorstellung. Wo ist euer Büro? Auch in Berlin?

Ioana:

Wir haben ein Büro in Berlin, aber unser Hauptsitz ist in Düsseldorf, wo wir den Vodafone Campus haben. Ich bin grundsätzlich viel unterwegs: Berlin, München, Düsseldorf und wo unsere Kunden sitzen.

Madeleine:

Wo die Kunden und Partner so sitzen. Cool. Aber dann lasst uns doch einfach mal starten mit euch zur Person. Thorsten, kurz zu dir: Du bist seit dem Jahreswechsel 2026 Geschäftsführer bei MEDIVISE. Was das genau ist, erfahren wir gleich noch. Du bist von Haus aus Arzt mit zehn Jahren ärztlicher Arbeit, hast Digitalisierungsberatung gemacht und auch schon früh die Grundzüge mit aufgebaut von dem, was heute die Telematikinfrastruktur ist. Du warst auch bei adesso, du warst auch zwei Jahre bei der Kassenärztlichen Vereinigung. Also du kommst aus der Szene und bist der Szene auch treu geblieben.

Jetzt interessiert mich persönlich mal ein bisschen was zu dir. Du kennst die Szene von innen: Ärzte, Krankenkassen, Technik, auch die Apotheken und so weiter. Was ist aus deiner Sicht hier das Neue, was vielleicht viele noch gar nicht auf dem Schirm haben? Was passiert da bei euch im Markt gerade?

Thorsten:

Spannend tatsächlich, dass du von außen von einer Szene sprichst. Das klingt so fancy.

Madeleine:

Oder dem Markt.

Thorsten:

Genau. Am Ende haben wir tatsächlich absehbar – und es entwickelt sich immer mehr – riesige Herausforderungen in der Versorgung unserer Gesellschaft in Deutschland. Deshalb, weil wir natürlich den demografischen Wandel nicht nur in der Gesellschaft haben, sondern eben auch auf Seiten der leistenden Ressourcen, sprich der Ärzteschaft und des Fachpersonals. Das bedeutet, dass immer weniger Anlaufstellen da sind, auch für den hausärztlichen Bedarf, und dass die Distanzen länger werden, die ich als Patient in Kauf nehmen muss, um eben dann auch zum Arzt zu kommen.

Und dem begegnen wir. Das ist durchaus auch ein politischer Wille, dass es eben Alternativen gibt, als einfach nur ins Krankenhaus zu rennen oder zu einem Hausarzt zu rennen, wenn ich einen Akutbedarf habe. Wir haben eben viele Menschen um uns herum, die keine Beziehung mehr zu einem Hausarzt haben, und die nehmen wir unter anderem an die Hand. Das heißt, wir sind mit unterschiedlichsten Standorten vertreten, bei denen dann Menschen unterschiedlicher Couleur mit unterschiedlichen Anforderungen oder unterschiedlichen Bedürfnissen telemedizinische Leistungen in Anspruch nehmen können.

Und das hält mehr und mehr Einzug in den Versorgungsmarkt. Es ist aber am Ende des Tages noch etwas sehr Neues für alle Beteiligten – sowohl für die Patienten als auch für die Standortbetreiber als auch eben für die leistungserbringenden Ärzte, die mit der Telemedizin in der Vergangenheit noch nicht recht viel Erfahrung haben sammeln können.

Madeleine:

Okay, auch ganz spannend, was du sagst. Das Muster kenne ich jetzt auch persönlich aus der Industrie. Fachkräfte werden knapp. Alle Prozesse werden so gebaut, dass weniger spezialisiertes Personal sie vielleicht ausführen kann. Und Technik steht dabei oft im Mittelpunkt. Ich bin gespannt, wie ihr das jetzt gemeinsam umsetzt. Deswegen spannendes Thema und schön, dass du heute mit dabei bist.

Ioana, kurz zu dir. Du bist ja Geschäftsführerin der Vodafone IoT Germany, verantwortest hier als Head of Sales vor allem den DACH-Raum. Du bist seit 2009 bei Vodafone, hast in Aachen – jetzt muss ich aufpassen – Politologie und Soziologie studiert? Ist das richtig?

Ioana:

Das ist korrekt.

Madeleine:

Also eigentlich branchenfremd, auch spannend. Und du sorgst heute eben mit eurer Plattform dafür, dass ihr eure Kunden mit den Geräten in, ich glaube, mittlerweile über 180 Ländern aus einer Hand vernetzen könnt. Vodafone ist groß, und ich freue mich, dass du heute mit dabei bist.

Ioana:

Danke, Madeleine, danke auch für die Einladung. Und tatsächlich ist die erste Besonderheit höchstwahrscheinlich, dass ich keinen technischen Background habe. Ich bin studierte Politologin und Soziologin, aber ich glaube, das hat tatsächlich auch Vorteile für das, was ich aktuell tue. Weil ich bei den IoT-Cases natürlich auch auf den Impact schaue, den sie auf die Gesellschaft haben. Und da passt der heutige Case, den wir besprechen werden, sehr, sehr gut dazu – und auch, was er für Organisationen verändern kann.

Ich bin seit 2009 dabei, dem Unternehmen treu geblieben, und mit IoT hatte ich auch direkt am Anfang Berührungspunkte. Ende der Nullerjahre wurde bei uns eine Abteilung gegründet. Damals hieß sie noch M2M, und das waren die Anfänge der IoT-Plattform. Und über die Jahre ist es eine Erfolgsstory geworden. Mittlerweile sind wir ein eigenständiges Unternehmen, welches global agiert, und wir vernetzen mehr als 240 Millionen Devices auf unserer Plattform.

Madeleine:

Wahnsinn. Das ist eine riesige Anzahl, und umso schöner, heute mal in ein oder mehrere Devices reinzuzoomen, wie das dann in der Praxis funktioniert. Richtig cool, und schön, dass du dir die Zeit nimmst, heute mit dabei zu sein.

Thorsten, die Anschlussfrage, um euren Markt ein bisschen zu verstehen. Du hast gesagt, es geht um die Behandlung in dieser Box, die ihr liefert. Jetzt vielleicht kurz zu MEDIVISE. Ihr bietet ja diese MEDIVISE-Telemedizin-Box an. Ich stelle mir das vor wie so eine Arztkabine vor Ort – ich hoffe, ich darf das so sagen – plus die zugehörige Plattform, wo man wirklich als Patient, Patientin reingehen und sich behandeln lassen kann. Ihr macht aber auch noch mehr. Kannst du das mal ein bisschen beschreiben? Was genau tut ihr und wer sind eure Kunden heute?

Thorsten:

Tatsächlich ist es so, dass es an unterschiedlichsten Stellen den Bedarf gibt, dass telemedizinische Zugänge zu ärztlichen Ressourcen geschaffen werden. Wir haben das klassische Setting, dass sich Apotheken jetzt natürlich mehr und mehr transformieren – weg von der Arzneimittel-Ausgabestelle hin zu einem ganzheitlichen Gesundheitsanbieter, was wir für eine sehr, sehr gute Idee halten. Und dort gibt es dann beispielsweise MEDIVISE-Infrastruktur.

Aber eben nicht nur da, sondern auch da, wo Patienten – man nennt das dann fehlallokiert – im Gesundheitswesen aufschlagen. Das heißt, wegen der fehlenden Bindung zu beispielsweise einer hausärztlichen Ressource kommen Menschen im Akutbedarf mit einer verhältnismäßig banalen Erkrankung auf den stationären Sektor zugerannt. Und dann sind sie dort im stationären Bereich und gehören da gar nicht hin. Also weder der Patient wird dort glücklich, wenn er von der stationären Einheit mit seiner Männergrippe versorgt wird, noch das Krankenhaus.

Das heißt, diese Patienten gehören schlicht, damit das Ganze effizient und vernünftig vonstattengehen kann, in die ambulante Versorgung. Und dann gibt es eben unsere Videokabine in einer Notaufnahme, und die Patienten, die dafür infrage kommen, werden über die Videoressource MEDIVISE von ambulanten Ärzten unmittelbar versorgt und sind dann auch unmittelbar in dem Versorgungssystem unterwegs, wo sie mit ihrem Erkrankungsmuster hingehören.

Und das ist das, was wir tun. Das heißt, wir nehmen die Patientendaten auf und schaffen im Prinzip den Schritt von dem Bedürfnis, das der Patient mitbringt – mit einem Arzt zu sprechen, eine Information zu bekommen, eine Diagnose zu bekommen, ein Medikament zu bekommen – zu einem echten medizinischen Bedarf, indem wir das mit den Patienten validieren. Das heißt, die werden erst medizinisch eingeschätzt, um herauszufinden, was das passende Versorgungsangebot für diese Patienten ist. Das sind Medizinsoftwares, das sind zugelassene Medizinprodukte, die uns dann verlässlich sagen: Dieser Patient gehört in die ambulante Versorgung, der muss nicht dringlich gesehen werden, der muss nicht zum Notarzt und der kann auch per Videosprechstunde versorgt werden.

Und diese Zuteilung passiert auf unserer Plattform, nebst dem, dass wir die ganzen administrativen Daten natürlich verwalten. Und dann bieten wir in unserer Ressource diesen betreffenden Patienten die passende ärztliche Leistung an. Das sind dann eben Ärzte, Hausärzte, Fachärzte, die über unsere Plattform zuschaltbar sind und die ihre Termine uns zur Verfügung stellen. Und die versorgen dann diese Patienten. Niedergelassene Ärzte sind das. Das heißt, das sind die normalen Kassenärzte, die das dann auch mit der Krankenkasse ganz normal über die Kassenärztliche Vereinigung abrechnen.

Madeleine:

Was passiert eigentlich in dieser Box genau und wo steht die? Ich sag's mal so, wie ich das jetzt verstehen würde: Wenn ich wirklich einen Bedarf habe und sage, okay, damit müsste ich jetzt vielleicht zum Hausarzt gehen – oder es wäre vielleicht auch der Fall, dass ich irgendwo eine Anlaufstelle suche, die für meinen Fall gar nicht so passend wäre –, würde ich so eine Box aufsuchen. Die steht zum Beispiel in der Apotheke oder vielleicht auch woanders, und dann schalte ich mich sozusagen per Video irgendwo drauf und werde dort beraten. Ist das so richtig? Was passiert genau in dieser Box?

Thorsten:

Die Box ist im Prinzip das Rundum-glücklich-Paket für diesen Versorgungspfad. Das heißt, du brauchst natürlich, um Videomedizin in Anspruch zu nehmen, einen entsprechenden Diskretionsraum und im Zweifel auch Personal, das das Ganze assistiert. Das ist heute noch nicht an allen Stellen ein etabliertes Verfahren, weil das eben etwas verdammt Neues ist. Und dann gibt es im Zweifel eben noch nicht die Möglichkeit, dass die Ärzte die Medizintechnik kennen, die man verbauen könnte, oder umgekehrt. Das heißt, das sind Versorgungsökosysteme, die gerade erst entstehen.

Grundsätzlich könnte man aber auch eine körperliche Untersuchung, soweit das automatisierbar ist, im Self-Service in unserer Box machen. Und genau diese Werte, die Diagnostik, die dann erhoben wird, können unmittelbar dem Arzt auf der anderen Seite zur Verfügung gestellt werden. Grundsätzlich ist es aber so: Du betrittst bei uns im Prinzip – du hast es schon ganz richtig gesagt – einen kleinen Behandlungsraum, sozusagen den kleinsten Behandlungsraum der Welt, wenn du so willst.

Madeleine:

Das ist ein guter Slogan.

Thorsten:

Er ist durchaus auf ein Wohlfühlen der Patienten ausgerichtet, weil wir auch über Studien wissen, dass es relevant ist für den Outcome der Patienten, ein entsprechendes Environment für die Telemedizin geschaffen zu haben. Und dort kann man dann auch wirklich als älterer Mensch eine vernünftige – nennen wir es mal – Beziehung zum Arzt aufbauen, wenn es auch nur eine kurze ist, im Arzt-Patienten-Gespräch.

Und was wir dann tun, ist, dem Patienten, wenn er bei uns in der Kabine Platz nimmt, die Videosprechstunde zu dem betreffenden Arzt, mit dem er einen Termin gebucht hat, zur Verfügung zu stellen. Das ist alles ganz intuitiv. Du kommst also bei uns rein. Schon das Türöffnen funktioniert mit der elektronischen Gesundheitskarte, sodass ich als älterer Mensch auch nicht auf einmal irgendein fremdes Verfahren kennenlernen muss. Ich schalte mich also mit dem Kartenslot sozusagen durch die unterschiedlichen Prozessschritte als Patient. Und dann ist es ganz intuitiv: große grüne Taste, MEDIVISE-Grün, die sagt „Los geht's", und dann geht's eben los.

Madeleine:

Okay, spannend. Das ist super neu, oder? Ich habe davon noch nie gehört und finde den Case total spannend. Ich habe neulich erst mit meiner Ärztin telefoniert – das war schon eine Ausnahme, dass wir überhaupt mal eine Videosprechstunde gemacht haben. Aber das wäre ja vor allem für alle Menschen, die das dann vor Ort in so einer Box machen. Und das ist schon sehr neu, oder? Seit wann gibt es das?

Thorsten:

Genau. MEDIVISE gibt es konzeptionell etwa fünf Jahre. Seit guten zweieinhalb Jahren firmiert MEDIVISE. Der erste Markteintritt war Mitte letzten Jahres. Das ist für uns in Deutschland neu. Es gibt natürlich im europäischen Ausland durchaus schon etablierte Systeme. Damit dürfen wir uns allerdings nicht immer eins zu eins vergleichen. Wenn wir in die skandinavischen Länder gucken, da haben wir mittlerweile die zweite oder dritte Generation an Menschen, die ein ausschließlich digitales Gesundheitswesen kennen. Die haben also einen ganz anderen Umgang mit diesen digitalen Lösungen, auch in der Versorgung, als wir das in Deutschland haben.

Madeleine:

Ja, total. Wir sprechen ja gleich auch vor allem über die Connectivity, die hier Vodafone IoT mit bereitstellt. Und da geht es dann auch vor allem um den Use Case, der bei vielen, ich sage mal, Herstellern vielleicht ähnlich ist. Ich würde aber vorher noch mal ganz kurz über den Business Case der Apotheke sprechen, um zu verstehen: Wer bezahlt am Ende eigentlich was und wie rechnet sich so ein Business Case?

Thorsten:

Genau, das ist tatsächlich unterschiedlicher Natur, je nachdem, wer am Ende des Tages Betreiber der MEDIVISE-Struktur ist, also wer unser Kunde wird. Im Apothekenfall ist es seit Mitte des Jahres relativ simpel, weil die Apotheken für die gesetzlich Krankenversicherten ganz konkret Ziffern haben, die sie dann auch mit den Krankenkassen abrechnen dürfen. Das heißt, die bekommen das als bezifferte Leistung, können sich das refinanzieren und bekommen für den versorgten Patienten eine entsprechende Abrechnungsposition, die sie dann auch eins zu eins in die Bücher kriegen.

Anders ist es bei anderen Kundenformen. Beim Krankenhaus beispielsweise, wie ich sagte, ist es etwas komplexer. Tatsächlich deshalb, weil die monetären Effekte nicht immer eins zu eins ein Verdienmodell darstellen. Das ist so in unserem Gesundheitswesen, das eben ein Stück weit natürlich hier und da überreguliert ist. Da geht es tatsächlich darum, ein Stück weit Verluste einzudämmen, die ein Krankenhaus hat. Wenn sie mich mit der Männergrippe versorgen, dann ist das für das Krankenhaus keine schwarze Null mehr. Das ist tatsächlich ein defizitärer Fall für das Krankenhaus.

Und dann habe ich tatsächlich eine Win-win-Situation. Ich werde als Patient unmittelbar vor Ort behandelt, dort, wo ich einfach aufschlage. Die Ärzte, die diese Patienten ambulant versorgen, bekommen diese Patienten zur Versorgung dort, wo sie hingehören. Das sind also dann entsprechende Scheine, die diese Ärzte geltend machen können. Und das Krankenhaus ist ein Stück weit weniger verlustig. Und dann habe ich eigentlich eine Situation geschaffen, in der ich dem ein Stück weit begegne, dass diese Patientensteuerung heute noch nicht so zufriedenstellend stattfindet, wie man sich das eigentlich wünscht.

Madeleine:

Okay, das heißt aber auch, dass eure Box nicht nur in Apotheken steht, wo eventuell auch eine Infrastruktur vorhanden ist, sondern auch an unterschiedlichen Orten. Es ist also nicht nur die Apotheke.

Thorsten:

Nein, ganz genau. Wir stehen an unterschiedlichen Stellen. Jetzt wird es spannend, jetzt kriegen wir nämlich den Bogen zur Konnektivität. Da sind wir nämlich infrastrukturunabhängig durch unsere Partnerschaft mit Vodafone. Deshalb, weil wir lediglich Strom vor Ort brauchen. Und alles andere können wir durch die Konnektivität, die wir gemeinsam mit Vodafone haben, gewährleisten. Und so stehen wir eben auch in infrastrukturschwachen Gebieten.

Das schreit ja danach, dass dort auch medizinische Versorgung aufrechterhalten bleibt, und wenn es nur telemedizinisch ist. Aber nichtsdestotrotz können wir dann eben auch in den Dörfern verortet sein, wo der letzte Edeka zugemacht hat, die letzte Arztpraxis zugemacht hat, vielleicht noch eine Apotheke vor Ort ist, aber die Medikamente doch eigentlich eher aus dem Nachbarort kommen. Und das sind genau solche Standorte, wo wir dann auch zu finden sind.

Madeleine:

Spannend, okay. Ioana, die Frage an dich: Was bedeutet so ein Projekt für euch von Vodafone aus?

Ioana:

Das sind genau die Projekte, die wir machen wollen. Ich bin ein Fan von dem Case, weil ihr es tatsächlich schafft, die Versorgung näher zum Patienten zu bringen, zu den Menschen. Und das wird definitiv einen positiven Impact auf die Gesellschaft haben. Wir haben ja schon von Fachkräftemangel gesprochen. Wir wissen, dass auf dem Land Ärzte fehlen. Und gleichzeitig werden wir alle älter, was sehr schön ist. Und das Zusammenspiel können wir nur gemeinsam bewältigen. Und das geht nicht nur über mehr Ärzte, sondern auch über mehr Digitalisierung.

Und Thorsten, das, was ihr macht, ist aus meiner Sicht genau das Richtige. Und ich glaube, es ist auch wichtig für den Standort Deutschland, solche Digitalisierungsprojekte zu haben. Wir haben einen starken Mittelstand in Deutschland, und wir haben grundsätzlich auch eine gute Versorgung, wo sie verfügbar ist. Und diese Themen zusammenzubringen, wird unseren Standort stärken – und vor allem skaliert es.

Madeleine:

Kommen wir zur Umsetzung, also wie ihr beziehungsweise die Firmen hier an der Stelle zusammenarbeitet. Wenn ich es soweit verstanden habe, ist euer IoT Use Case im Endeffekt die assistierte Telemedizin. Ihr habt ein Stück weit die Fernwartung mit drin, müsst aber auch diese Boxen überwachen. Und du hattest auch gesagt, ein Teil ist auch Bürokratie, also digitale Dokumentation, Abrechnung. Die Krankenkasse hattest du angesprochen. Es ist also ein ganzheitliches Projekt.

Fangen wir doch mal bei der Konnektivität an, wo du gesagt hast, ihr seid da unabhängig oder müsst unabhängig sein. Kannst du mal ein bisschen beschreiben, was hier eure technische Herausforderung war, wo ihr sagt, das muss eigentlich gegeben sein, um so eine Box zu vernetzen? Und was passiert im schlimmsten Fall, wenn so eine Box doch mal offline ist, also die Verbindung ausfällt?

Thorsten:

Der Gedanke der Zusammenarbeit ist tatsächlich sekundär auf Basis der Kundenanforderungen entstanden. Das heißt, das Gründerteam ist durchaus mit einer rein kabelgebundenen Variante losgegangen. Wir wissen auch, das Gesundheitswesen sieht das an allen Stellen vor. Wenn ich mit der Telematikinfrastruktur sprechen möchte – also das Einlesen der elektronischen Gesundheitskarten und Ähnliches –, dann habe ich noch mal ganz andere Anforderungen an die Authentisierungs- und Identifizierungsprozesse und all das. So war der Start tatsächlich ursprünglich mit einer Kupferleitung, sag ich jetzt mal, gedacht.

Fakt ist aber, dass wir mehrere Prozessschritte haben, die danach schreien, dass wir das Ganze auf Mobilfunkmöglichkeiten aufsetzen. Das eine ist: Wir haben viele Kundensituationen – ich habe es vorhin salopp, glaube ich, Pampa genannt –, wo wir tatsächlich in der hinteren Ecke sind, wo es enorm aufwendig wäre, irgendeine andere Konnektivität hinzubringen. Dort haben wir einfach schlicht ein Plug-and-Play-System und können unsere Infrastruktur einfach so aufbauen. Punkt. Da sind wir an der Stelle, glaube ich, auch recht einzigartig im Anbietermarkt, dass wir das können.

Das andere ist, du sagtest es, dass wir natürlich Zugriff auf unsere Maschinerie brauchen. Das heißt, wir lesen das, was da passiert, als solches mit, weil das natürlich auch in unsere Abrechnungsmodelle fließt. Die administrativen Prozesse und all das müssen natürlich in einer hochsicheren Umgebung stattfinden, was wir über das Vodafone-Netz natürlich auch gewährleistet haben. So sind wir gestartet.

Und das eine ist – du hattest es, glaube ich, ein bisschen benannt, aus welcher Ecke ich komme. Die Zeiten von M2M kenne ich auch noch, als das losging.

Madeleine:

Da hieß das noch –

Thorsten:

Und dann gab es ja auch mal eine Phase, da hieß das IoT, dann gab es auch noch mal das IoMT, also die Medical Things, und all solche Sonderlocken haben wir ja alles durchdekliniert. Und als solches gab es dann auch schon positive Erfahrungen im Kontext mit Vodafone und dann eben ein paar für uns relevante Auswahlkriterien, noch mal sozusagen im Sinne der Sache. Und eins, was stark ist, ist die Möglichkeit, individuell zu steuern, was die einzelne Karte macht. Das ist das, was die Technik bei uns sieht.

Wir nehmen die Karten mittlerweile auch schon für die Inbetriebnahme. Also selbst wenn ein Kunde darauf besteht, das Ganze am Kabel zu haben, dann schalten wir uns entsprechend auf. Wenn wir ein Tablet ausliefern, verbinden wir das für den Kunden mit dessen WLAN vor Ort, ohne dass der Kunde irgendetwas machen muss. All das sind so Use Cases, die sekundär hinzugekommen sind.

Und wir sind heute erst ganz am Anfang dabei, auch medizinische Daten zu transportieren und uns mit Medizintechnik zu verknüpfen. Ich sagte ja, dass das eigentlich eher noch Sonderlocken sind als der Standard, dass dann EKG, Blutdruck, Puls, Sättigung und all diese Dinge vermessen werden – eben weil der Mediziner auf der anderen Seite das noch gar nicht zu verdauen weiß. Aber auch da sehen wir schon: Wir haben auch kleine Laborlösungen, wenn beispielsweise so ein Lab-on-a-Table-Szenario aufgeschaltet ist, dann kann ich schnell vor Ort mal ein, zwei Bluttests im Self-Service durchführen. Und da sehen wir die grandiosen Vorteile, die es hat, dass wir im GSM-Netz unterwegs sind.

Ioana:

Genau. Wir kommen immer dann ins Spiel, wenn das Geschäftsmodell eines Kunden auf einer verlässlichen Konnektivität beruht. Und verlässlich heißt auch, nur eine SIM-Karte im Einsatz zu haben, weil wir alle wissen, dass Konnektivität schnell gekauft ist. Es ist kein Problem, Zugang zu Datenverbindungen zu bekommen.

Spannend wird es allerdings, wenn das Ganze gemanagt werden muss, wie Thorsten auch gesagt hat: also den Überblick zu haben, die Verbindung testen zu können, sicherzustellen, dass die Verbindung auch da ist, und auch sicherzustellen, dass die Daten sauber übertragen werden. Wir sprechen jetzt bei MEDIVISE von einem Case, wo sich die Box letztendlich nicht bewegt. Die wird einmal installiert, das heißt, das können wir auch sehr gut testen, und dann wissen wir, wie die Situation am Standort ist.

Aber unsere Stärke kommt natürlich auch aus dem mobilen Bereich. Das heißt, auch Geräte zu verbinden, die sich ständig bewegen. Und dazu gibt es in der Medizin auch schon sehr spannende Use Cases, zum Beispiel die Vernetzung von Herzschrittmachern. Das ist auch ein Thema, wo wir sicherstellen müssen, dass diese Konnektivität da ist. Und wir nehmen unsere Rolle natürlich auch sehr ernst, auch in der kritischen Infrastruktur. Und so entwickeln sich aktuell wirklich sehr, sehr spannende Cases in dem Bereich. Es tut sich was.

Madeleine:

Es gibt auch extrem spannende Cases gerade im Bereich Flottenmanagement oder viele andere Use Cases, wo ihr ja auch zahlreiche Kunden habt, wo vor allem die Herausforderung gar nicht mal so in der Konnektivität selbst liegt. Wie du sagst, die ist schnell gekauft. Da gibt es ganz viele Anbieter da draußen. Aber dieses Managen, wie du es gerade erklärt hast, ist, glaube ich, der Schlüssel.

Könnt ihr das an der Stelle noch mal ein bisschen ausführen, was hier eigentlich der bunte Blumenstrauß an managebarem Zugang ist? Was muss man da alles beachten? Warum ist die Konnektivität hier so entscheidend, um sie auch für die Skalierung richtig vorzubereiten?

Ioana:

Grundsätzlich ist die Konnektivität wichtig, um an die Daten zu kommen. Jetzt auf den Case bezogen: Thorsten, du hast gesagt, es gibt durchaus Fälle, wo der Apotheker darauf besteht, dass es noch mit der Kupferleitung verbunden wird. Wir sehen aber auch Cases da draußen, wo es fast unmöglich ist, sich in das Krankenhausnetzwerk einzubinden, zum Beispiel, wenn man seine Geräte dort betreibt.

Und in der Zukunft wird es so sein, dass die Daten, die daraus gezogen werden – also diese Industriedaten sozusagen zu haben und das Know-how zur Verfügung zu stellen –, jetzt auch den Bogen spannen Richtung AIoT. Dafür braucht es natürlich Real-Time-Daten. Und wir sind diejenigen, die das zur Verfügung stellen. Über die Plattform, einfach und vor allem skaliert – und skaliert auch international.

Dazu vielleicht noch ein Satz. In Europa sind wir – Thorsten wird mir vielleicht widersprechen, weil die regulatorischen Anforderungen sehr hoch sind –, aber auf den Connectivity-Part gesehen ist es in Europa trotzdem so, dass wir relativ gesegnet sind. Es gibt eine Gesetzgebung für viele Länder, und die wird erfüllt. Wir haben aber auch Kunden, die nicht nur in Europa operieren, sondern auch in anderen Ländern. Und da gibt es durchaus auch Herausforderungen und andere regulatorische Anforderungen an eine SIM-Karte, die sich dort im Netz verbindet. Ich sag mal, die Türkei zum Beispiel oder UAE, KSA, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Und wir wollen diese Komplexität raushalten. Wir stellen sicher, dass unsere SIM-Karte dort operieren darf, und dementsprechend hat der Kunde gar nichts damit zu tun. Das heißt, wenn Thorsten sich morgen entscheidet, seine Box auch in einem Land zu expandieren, wo das kompliziert ist, würde er das gar nicht merken, weil wir das im Hintergrund machen.

Thorsten:

Tatsächlich ist das auch eins der Auswahlargumente auf unserer Seite gewesen. Wir starten zwar natürlich mit dem Maincheck in der deutschsprachigen Versorgung – das ist so, weil wir jetzt glücklicherweise auch die ersten Installationen nach Österreich bringen dürfen –, aber auch die eben genannten anderen Länder können sehr schnell spannend sein. Und dann ist es neben der technischen Lösung, die man mitbringt, eben auch wichtig, starke, verlässliche Partner zu haben.

Was wir technisch noch nicht angesprochen haben: Ein Auswahlkriterium auf unserer Seite ist dieses – ich hoffe, ich sage das jetzt richtig, Ioana – White Labeling der SIM-Karte. Das heißt, dass die tatsächlich vor Ort einfach online geht und sich dann auch wirklich das beste Netz aussuchen kann. Also dass wir immer verlässlich, unabhängig von dem, was da vor Ort gerade empfangen werden kann oder nicht, immer tatsächlich das nutzen, was vor Ort am besten verfügbar ist. Auch das ist noch mal ein wichtiger Punkt für uns gewesen.

Und ich nehme noch mal auf, was du, Ioana, vorhin gesagt hattest bezüglich der Infrastrukturen, in die man nicht reinkommt. Das stimmt durchaus. Wir haben im Klinikfall eben Kliniken, die mitunter zur kritischen Infrastruktur gehören, also diese KRITIS-Kriterien zu erfüllen haben. Da sind wir auf der sicheren Seite, aber die eine oder andere Haus-IT sieht das womöglich etwas strenger, als das eigentlich der Gesetzgeber sieht. Und bevor wir dann anfangen, da wilde Diskussionen zu führen, sind wir einfach proprietär für uns unterwegs, und gut ist. Das heißt, wir haben keine Verbindung zum Hausnetz, benötigen das auch nicht und haben dann einfach tatsächlich eine sichere Infrastruktur verlässlich auf unserer Seite und können unsere Installation schnellstmöglich unter Dampf setzen.

Ioana:

Genau, damit stellst du sicher, dass nicht jede Integration zum kleinen IT-Projekt wird.

Thorsten:

Genau.

Ioana:

Aber den Punkt mit den unterschiedlichen Netzwerken würde ich gerne noch mal aufgreifen. Tatsächlich sind wir aktuell in über 180 Ländern vertreten, aber gleichzeitig haben wir Zugang zu über 750 Netzen. Das heißt, wir haben in jedem Land mehr als einen Mobilfunkanbieter, auf den unsere globale SIM-Karte zugreift. Das macht das Ganze spannend, was die Netzabdeckung anbelangt, weil jeder Versorger auch weiße Flecken hat. Aber indem wir die Versorger zusammentun, minimieren wir diese natürlich massiv. Und in die Zukunft gerichtet kommt jetzt die nächste Technologie, die eingebunden wird: Satellite. Das wird natürlich noch mal den nächsten Schub bringen, und das macht die Lösung dann auch spannend.

Madeleine:

Interessant. Das heißt, das ist so das New Big Thing, wo ihr jetzt auch drauf geht und den Kunden zusätzlich die Möglichkeit bietet, die Connectivity auch über Satellit sicherzustellen.

Ioana:

Genau, aber im Idealfall, ohne dass der Kunde das merkt. Unser Ziel ist es, Connectivity und Verfügbarkeit zur Verfügung zu stellen, und in welchem Netz es sich im Hintergrund einwählt, ist nebensächlich. Und auch wieder auf Europa bezogen: Wenn man Zugang zu mehreren Netzprovidern hat, hat man durchaus eine sehr, sehr gute Netzabdeckung, muss man sagen. Verglichen mit den USA oder Australien, wo du sehr große Flächen hast, wo einfach gar nichts ist, wird Satellite natürlich noch mal eine ganz andere Rolle spielen. Aber unser Anspruch ist es, auch diese Technologie genauso einzubinden und dem Kunden das bestmögliche Ergebnis zur Verfügung zu stellen.

Madeleine:

Und weil ihr es gerade angesprochen habt – Ioana, du hast das Buzzword AIoT mit reingebracht. Das ist im Endeffekt die Artificial Intelligence of Things, also IoT plus KI. Das wäre hier auch ganz spannend, wenn man das mal weiterdenkt. Diese Box könnte in Zukunft ja auch darauf aufbauen – ich weiß jetzt nicht, ob das ein Case ist –, zum Beispiel Ursachen zu erklären, vielleicht auch Maßnahmen zu empfehlen, vielleicht auch eine ungewöhnliche SIM-Nutzung zu melden. Ich weiß jetzt nicht, welche Daten da genau übertragen werden. Aber vielleicht kann man auch in die Richtung denken oder sogar Auslastungsszenarien vorhersehen.

Da gibt es ja viele Use Cases, die mir gerade durch den Kopf schwirren, die auch in diesem Fall total spannend werden für euch, oder? Wie seht ihr das Thema? Was ist da von der Technik gefragt? Ioana, wie siehst du das Thema AIoT? Habt ihr das schon mal besprochen?

Ioana:

Natürlich. Und das ist nicht nur ein Trend, sondern das ist mittlerweile schon Realität und definitiv die Zukunft. Wenn wir über Physical AI sprechen, wenn die Intelligenz tatsächlich auf dem Endgerät drauf ist und sich dieses Gerät bewegt und selbst Entscheidungen treffen kann, ist es fundamental wichtig, dass der Zugang zu den Daten ständig gegeben ist. Das heißt, Connectivity wird nicht mehr ein Nice-to-have sein, sondern mandatory. Ohne wird es höchstwahrscheinlich nicht funktionieren. Und da sehen wir natürlich auch sehr große Chancen für uns im IoT-Bereich.

Madeleine:

Cool. Thorsten, wie siehst du das? Habt ihr darüber schon mal nachgedacht oder ist das noch zu weit weg für euch?

Thorsten:

Tatsächlich sind es bei uns in der Versorgung zwei Paar Schuhe. Deshalb, weil es natürlich einmal inhaltlich-fachlich den Einsatz von KI geben kann. Also das, was du beispielhaft angeführt hast, dass eine KI einen medizinischen Entscheidungs- oder Diagnoseprozess begleitet, ist natürlich etwas anderes als das, was wir sozusagen an KI für die IoT-Plattform sehen. Wir brauchen perspektivisch beides.

Das ist im medizinischen Behandlungskontext etwas komplexer, weil wir da mitten in der Medical-Device-Regulierung unterwegs sind, mit all den dazugehörigen – und auch zu Recht dazugehörigen – Hürden, die es zu nehmen gilt. Und auf der anderen Seite haben wir genau solchen Nutzen, den wir dann über die Plattform abbilden können. Das ist in der Hauptsache – so ist unsere Perspektive – tatsächlich Prediction.

Wir haben die Herausforderung, dass wir nicht nur die Tür für Patienten öffnen müssen, sondern auf der anderen Seite muss auch eine ärztliche Ressource verfügbar sein. Das ist beispielsweise, so banal es klingt, ein Thema, das entsprechend vorherzusagen. Immer in dem Moment, wo ich eine menschliche Ressource mit einbinde, wird es ja verhältnismäßig teuer. Und je besser ich das vorhersagen kann, desto präziser kann ich natürlich auch meine Planung machen und desto effizienter bin ich unterwegs.

Madeleine:

Sehr spannend. Vielleicht können wir in ein paar Jahren noch mal ein Update machen, wer weiß, wo sich das Ganze hin entwickelt. Ich werde das auf jeden Fall weiterverfolgen. Wenn ihr zuhört und sagt, ich habe eigentlich einen ähnlichen Case, vielleicht mit einem anderen Gerät, oder ihr seid speziell an diesem Produkt, an der Telemedizin-Box, interessiert: Ich würde eure Kontakte mal in die Show Notes packen, wenn das okay ist. Einfach, damit man auch das Gespräch suchen kann. Ich hoffe, das ist in Ordnung für euch. LinkedIn ist ein guter Weg, oder?

Ioana:

Auf jeden Fall.

Madeleine:

Sehr gut, dann mache ich das doch gleich mal. Ich glaube, ihr seid auch auf der nächsten Messe vertreten. Wenn ihr euch das einfach mal vor Ort anschauen wollt: Ihr seid auf der MEDICA vertreten, richtig? Die ist doch auch bald. Wo findet man euch da?

Ioana:

Der Vodafone-Stand ist in Halle 17, und wir werden gemeinsam vertreten sein. Das heißt, schaut gerne vorbei im November auf der MEDICA in Düsseldorf.

Thorsten:

Eine Ehre für uns, dass wir dort ausstellen dürfen. Und wir zeigen da tatsächlich eine unserer Boxen als Showcase, und dann kann man das Ganze tatsächlich mal ein bisschen anfassbar bekommen und ausprobieren, wie sich das anfühlt.

Ioana:

Das Spannende finde ich auch bei solchen Messen, dass man etwas anfassen kann. Wir sind als Vodafone IoT immer die unsichtbare Komponente in jeder Lösung. Umso wichtiger ist es dann tatsächlich, auch zu zeigen, was damit möglich ist. Natürlich braucht es die gute Businessidee und die Umsetzung. Aber Connectivity ist auch ein wichtiger Layer dazu. Deswegen machen wir das auch zusammen.

Madeleine:

Fantastisches Projekt, und ich finde es eine tolle Auswahl, das jetzt auch vor Ort so zu zeigen. Falls ihr nicht vor Ort seid, sprecht Thorsten und Ioana direkt an oder kommt doch zu uns in den Anwenderkreis. Wir treffen uns einmal im Monat und tauschen uns zu solchen und anderen Lösungen aus. Ich weiß nicht, Thorsten, ob du oder auch jemand aus dem Team bei euch mal dazukommen mag – herzliche Einladung für den Austausch. Das ist eigentlich immer ganz spannend, weil die Betriebe alle sehr ähnliche Herausforderungen haben. Nicht nur in diesem Vertical im Bereich Medizin, sondern auch bei ganz anderen – aber der Use Case dahinter, auch von der Connectivity-Seite, ist immer sehr ähnlich. Deswegen herzliche Einladung an der Stelle. Ich pack's euch mal in die Show Notes.

Zum Ende wollte ich noch mal zu dem Business Case zurückkehren und eine abschließende Frage stellen, und zwar: Wer bezahlt eigentlich was, und wer hält eigentlich diesen Vertrag beziehungsweise dieses SIM-Management? Seid das ihr oder macht es die Apotheke, oder wie funktioniert das? Kannst du das noch mal ein bisschen erklären, wie da der Business Case funktioniert?

Thorsten:

Ganz simpel: Wir sind der Vertragspartner und haben damit alle verbauten IoT-Karten inne und managen die vollumfänglich. Und das können wir als Serviceleistung, als erweiterte Serviceleistung, da wo es sich monetarisieren lässt, dann auch einfach gegenüber dem Kunden geltend machen. Das ist so simpel, wie man sich das vorstellen kann. Das ist ja am Ende, sag ich mal augenzwinkernd, auch im Verhältnis zu unserem Gesamtproduktpreis etwas, das man natürlich auch einfach leisten kann. Der Service, der dafür entsteht, oder der Nutzen, der dafür entsteht, ist mannigfach größer für uns – dass wir die Möglichkeiten haben, die Flexibilität haben. Und dann wird da ganz schnell für uns der passende Business Case draus.

Madeleine:

Habt ihr zum Ende noch etwas, was ihr mit der Hörerschaft teilen könnt oder wollt? Learnings aus dem Projekt oder auch aus anderen Projekten? Also wo ihr sagt: Das würden wir sofort wieder so machen, das würden wir nie wieder so machen? Oder gibt es Annahmen, die ihr getroffen habt, die im Nachhinein doch falsch waren? Habt ihr da noch Learnings, wo ihr sagt: Hey Leute, da müsst ihr drauf achten?

Ioana:

Jetzt zu dem Projekt mit MEDIVISE: Wir würden das wieder genauso machen. Es ist wunderbar, mit Partnern zu arbeiten, die eine Vision haben und dann auch klare Umsetzungsschritte haben. Was wir immer wieder bemerken, auch bei anderen Kunden oder bei potenziellen Kunden: Connectivity wird oft so gesehen – ich muss es jetzt haben, ich kläre es irgendwie, ob es über Kabel ist; hier habe ich eine SIM-Karte, drüben habe ich eine andere SIM-Karte.

Und das funktioniert, solange die Firma klein ist. Aber sobald wir in die Skalierung kommen, entsteht eine unglaubliche Komplexität, wenn der Kunde 10.000, 20.000, Hunderttausende von Geräten da draußen hat und versucht, das, was er aufgebaut hat, zu harmonisieren. Es ist immer einfach, nach vorne gerichtet zu sagen: Okay, jetzt starten wir, und ab sofort ist das die Plattform. Aber das Legacy, das, was entstanden ist, zu harmonisieren, ist sehr oft auch mit sehr hohen Kosten verbunden.

Und von daher ist mein Learning aus der Branche: Wenn die Vision da ist, wenn Connectivity ein Teil davon ist, dann macht es von Anfang an richtig. Nehmt euch einen Partner an die Seite, der diese Plattform zur Verfügung stellt und der euch auch in euren Wachstumsplänen unterstützt, damit ihr euch nicht auf diese Themen konzentrieren müsst. Das ist mein Haupt-Takeaway – und das macht Thorsten in Perfektion.

Thorsten:

Vielen Dank. Ich kann das nur genauso positiv erwidern. Wir würden unsererseits auch nichts anders machen wollen. Tatsächlich sind wir da enorm gut an die Hand genommen worden, auch unser technisches Team bezüglich des Onboardings auf die Lösung und so weiter. Das hat alles wirklich sehr, sehr gut funktioniert. Das Contracting hat so funktioniert, wie wir uns das vorstellen. Da muss man sich ja auch entsprechend auf passende Tarifoptionen und Ähnliches einigen. Und genau da haben wir eine vernünftige Beratung bekommen, was für mein Dafürhalten recht zügig ging.

Und das ist ja tatsächlich gar nicht so der Standard, glaube ich, dass wir als so ein kleines Start-up mit der großen Vodafone unterwegs sind und das dennoch auf Augenhöhe miteinander. Das ist, glaube ich, auch noch mal so ein Attribut, das sich vielleicht gar nicht in Zahlen, Daten, Fakten ausdrücken lässt, sondern einfach ein Stück weit in der Chemie. Aber für mein Dafürhalten eben auch ein wichtiges Attribut, das die Zusammenarbeit ausmacht.

Ioana:

Danke, Thorsten. Ich merke gerade auch, ich habe gar nicht erwähnt, wer unsere Kunden sind oder mit wem wir zusammenarbeiten. Und tatsächlich ist es so, dass wir großen Wert auf Start-ups legen, weil das nun mal die Zukunft ist, was hier aktuell entsteht. Und es ist immer digital. Aber wir arbeiten natürlich auch mit dem deutschen Mittelstand zusammen, bis hin zu den großen OEMs. Die 240 Millionen Connections kommen natürlich auch über die Kunden, die schon skalieren. Ich finde es aber unglaublich wertvoll, diese Einblicke zu bekommen und bei dieser Entwicklung dabei zu sein – und immer gerne mehr davon. Braucht Deutschland auch.

Madeleine:

Spannendes Projekt, und ich bin wirklich gespannt, wie sich das Ganze entwickelt. Es ist einfach nicht nur gesellschaftlich, sondern – Thorsten, wie du es am Anfang gesagt hast – ein relevantes Projekt, das nicht nur Deutschland, sondern vielleicht auch weitere Länder brauchen. Deswegen bleibt mir zum Ende eigentlich nur, ein Dankeschön an euch zu richten. Danke, dass ihr hier im Podcast wart und darüber berichtet habt. Wir hatten wirklich ein schönes Zusammenspiel, finde ich, um hier ganz konkret mal über den Markt zu sprechen: Was sind die Herausforderungen, was treibt eure Kunden, eure Stakeholder, die da eine Rolle spielen – aber auch, wie funktioniert das Ganze? Was braucht es für eine Infrastruktur?

Wir haben über die Herausforderungen gesprochen, aber auch über den Business Case, das fand ich sehr spannend. Danke für eure Offenheit an der Stelle. Ich würde damit das letzte Wort an euch übergeben und für heute die Session schließen. Das Abschlusswort gehört euch.

Thorsten:

Dann greife ich einmal vor, Ioana, damit du das allerletzte Wort hast. Sehr, sehr gerne. Spannend tatsächlich, und herzlichen Dank, dass auch ich Gast sein und das vorstellen durfte. Es macht natürlich als Geschäftsführer eines Start-ups immer Spaß, über die eigene Arbeit zu sprechen. Aber als letzten Impuls: Wir haben da eine Menge Gestaltung noch vor der Brust. Gemeinsam mit allen Stakeholdern im Gesundheitswesen müssen wir der einen oder anderen Gegebenheit einfach begegnen. Und ich glaube, wenn wir ein Stück weit vor der Welle im Wasser liegen, wie der gute Surfer das macht, dann machen wir an der Stelle alles richtig und gestalten gerne miteinander noch weitere Aspekte der Gesundheitsversorgung.

Ioana:

Vielen Dank auch von meiner Seite. Thorsten, wir sind gerne dabei.

Madeleine:

Vielen Dank euch und noch eine schöne Restwoche. Macht's gut, ciao, tschüss.

Ioana:

Vielen Dank, bis bald.

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