Use Case

Menschen und Maschinen: Der digitale Zwilling in der Textilindustrie

Handarbeit hat in der Bekleidungsindustrie auch heute noch eine große Bedeutung und lässt sich nur schwer automatisieren. Deshalb sieht Digitalisierung in dieser Branche anders aus: Digitale Technologien unterstützen die Mitarbeiter darin, ihre Arbeitsleistung zu verbessern. Das hilft dem Management, die Prozesse zu optimieren.

Die Herausforderung: Digitalisierung muss die Handarbeit in der Bekleidungsindustrie berücksichtigen

Die Fertigung in der Textilindustrie hat einen hohen Anteil an manueller Arbeit. Vor allem Nähen und Bügeln sind nur schwer automatisierbare Tätigkeiten. Der Zuschnitt dagegen wird schon seit Jahren automatisch erledigt. Dabei werden mehrere Schichten Stoff übereinandergelegt und so bearbeitet, dass möglichst wenig Verschnitt anfällt. 

Die weiteren Arbeitsschritte in einer Textilfabrik sind geringer automatisiert. So ist es zwar einfach, mit Nähautomaten Knopflöcher herzustellen und Knöpfe anzunähen. Doch Handarbeit ist immer noch nötig. Allerdings gibt es seit Jahren den Trend, die Maschinen mit Handhabungs- und Führungshilfen für eine wiederholbare Qualität und eine möglichst rationelle Arbeitsweise zu optimieren.

Allerdings ist es kaum möglich, die Arbeitsgeschwindigkeit stark zu erhöhen. Hierbei gibt es Grenzen: Handarbeit lässt sich kaum doppelt so schnell ausführen wie gewohnt, Steigerungen liegen üblicherweise im Bereich von wenigen Prozent. Doch es gibt Möglichkeiten, die Effizienz der einzelnen Arbeitsschritte trotzdem zu erhöhen. So stellen erfahrene Gruppenleiter häufig fest, dass einzelne Mitglieder ihres Teams bestimmte Arbeitsschritte besser ausführen als andere. Dieses Bauchgefühl kann durch Digitalisierung mit präzisen Messergebnissen unterfüttert werden.

 

Die Lösung: Ein digitaler Zwilling, der manuelle Prozesse berücksichtigt

Damit solche Maßnahmen funktionieren, müssen auch die Maschinen in der Textilindustrie vernetzt werden. Spezialist für solche Maßnahmen ist Joachim Hensch Consulting, ein Lean- und Digitalisierungsberater für die Textilherstellung. In einem Pilotprojekt für die Digitalisierung einer Textilfabrik hat er technologische Konzepte aus der Industrie 4.0 eingeführt.

 

Ein wichtiges Element ist dabei das Erfassen von Maschinendaten, beispielsweise in den Zuschneidemaschinen von Bullmer oder Gerber. Diese Cutter stehen am Beginn der ganzen Prozesskette, sodass ein Ausfall erhebliche wirtschaftliche Folgen haben kann. Ein Textilhersteller kann „Machine Monitoring“ nutzen, um die Cutter dauerhaft zu überwachen und Störungen oder Ausfälle zu erkennen – etwa durch unscharfe oder abgebrochene Messer. Dafür werden Temperatur und Vibration erfasst und auf Anzeichen für Probleme untersucht. Damit erkennt die Industrie-4.0-Lösung Störungen frühzeitig und senkt die Ausfallzeiten deutlich.

 

Wegen der großen Bedeutung der Handarbeit fließen neben diesen Maschinendaten auch Prozessdaten in die Lösung ein, beispielsweise die Zeit für bestimmte Arbeitsschritte und (über Kameras) die Abfolge von Handbewegungen. Dabei geht es in erster Linie darum, so viele Daten wie möglich zu erhalten, um die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine zu analysieren.

 

Aus allen ermittelten Daten hat Joachim Hensch einen digitalen Zwilling der Textilfabrik aufgebaut, eine wichtige Hilfe bei der Analyse der Prozesse. Die Ergebnisse der Datenerhebung erscheinen in einem Dashboard, dass beispielsweise auch die Arbeitsleistung einzelner Mitarbeiter darstellt. Doch diese Transparenz gilt nicht nur für die Geschäftsleitung, jeder Mitarbeiter kann auf seine eigenen Daten zugreifen. Hierdurch ist es möglich, Mitarbeiter zu schulen, um die Arbeitsleistung zu verbessern.

 

Zudem kann die Anwendung mit über 85-prozentiger Wahrscheinlichkeit vorhersagen, welcher Mitarbeiter welche Fehler machen wird. Die Textilfabrik hat deshalb Fehlervermeidung durch Prognostik in das Personalmanagement einbezogen. Die Mitarbeiter werden auch hierüber informiert und erhalten die Möglichkeit, die entsprechenden Arbeitsschritte zu trainieren, um Fehler zu vermeiden.

 

Das Ergebnis: Digitalisierung hilft den Mitarbeitern, die beste Leistung zu bringen

In der Textilindustrie hängt sehr viel von den Mitarbeitern ab. Deshalb ist es sinnvoll, allen zu ermöglichen, an ihrem Arbeitsplatz die beste Leistung zu bringen. Da sie einen Prämienlohn beziehen, entsteht zusätzlich eine intrinsische Motivation, sich in einzelnen Arbeitsgängen zu verbessern.

 

Die auf den Mitarbeiter-Tablets präsentierten Daten sind eine objektive Rückmeldung, anders als die Meinung eines Vorgesetzten. Anschließend wählen die Mitarbeiter selbsttätig die für sie geeigneten Trainings aus und überprüfen den Erfolg anhand ihres Tablets. Dadurch ist die Bedeutung von „Mikromanagement“ gesunken, die Mitarbeiter managen sich selbst.

 

Fragen, Infos oder Anregungen zum Use Case?

Anwender

Dieser Use Case ist für produzierende Betriebe mit einem hohem Anteil an manueller Arbeit. Der Fokus liegt daher auf ausgewählten Tätigkeiten und Funktionsbereichen, die Potential zur Kosteneinsparung mitbringen. Am Beispiel einer Textilfabrik und speziell der Zuschneidemaschinen, sind Mehrwerte durch digitale Lösungen greifbar.

Anbieter

Joachim Hensch unterstützt Unternehmen dabei, mittels Industrie 4.0 Prinzipien ihr Unternehmen digitaler, agiler und profitabler zu machen.

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