IOT USE CASE PODCAST

Podcastfolge

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FOLGENTITEL

Mobilfunk richtig einsetzen – Inspiration zur Anwendung von IoT-Technologien

In dieser Podcastfolge dreht sich alles um die Frage: Welcher Mobilfunk sorgt bei welchem IoT-Projekt dafür, dass alles so läuft, wie es laufen soll? Die Antwort gibt’s anhand unterschiedlichster Mobilfunk Use Cases aus der Praxis: Stadionevents, Hafengelände, Autobahnraststätten, Pumpenhersteller uvm.

 

Bei Podcasthost Madeleine Mickeleit zu Gast sind dafür die beiden Experten für Connectivity Epsilon Telecommunications GmbH aus Hof und K-TEL Communications GmbH aus Berlin.

 

Folge 58 auf einen Blick (und Klick):

[12:06] Herausforderungen, Potenziale und Status quo – So sieht der Use Case in der Praxis aus 

[20:17] Lösungen, Angebote und Services – Ein Blick auf die eingesetzten Technologien 

[29:07] Übertragbarkeit, Skalierung und Nächste Schritte – So könnt ihr diesen Use Case nutzen

[38:41] Ergebnisse, Geschäftsmodelle und Best Practices – So wird der Erfolg gemessen

 

Zusammenfassung der Podcastfolge

Folge 58 ist eine Orientierungshilfe für Entscheider und Realisierer von Kommunikationsinfrastrukturen in kleinen und mittelständischen Unternehmen im produzierenden Gewerbe und auch in der Logistik.

 

3G, 4G, LoRa, NarrowBand-IoT (NB-IoT), LTE-M, Private Netze – ohne Connectivity kein IoT. In dieser Folge werden die Buzzwords rund um das Thema Mobilfunk und des Internets der Dinge einmal mehr unter die Lupe genommen. Welcher Mobilfunk ist für welches IoT-Projekt geeignet und warum? Was sind die Pain Points der Kunden und welche Mehrwerte kann die richtige Connectivity bieten?

 

Rede und Antwort stehen dabei Epsilon mit Partner K-TEL – beide vertreten durch die jeweiligen Geschäftsführer:

  • Christian Krug (Geschäftsführer, Epsilon Telecommunications GmbH)
  • Boris Krell (Geschäftsführer, K-TEL Communications GmbH)

 

Epsilon ist der erfolgreichste deutsche Dienstleister für Telekommunikation im Geschäftskundensegment mit über 800 Vertriebspartnern. K-TEL ist Experte für das Lösungsgeschäft im Bereich der privaten 5G-Netze.

Weitere Folgen rund um das Thema IoT und Mobilfunk gibt’s in unserer Podcast-Galerie zu finden. 

 

Podcast Interview

Christian, magst du dich kurz vorstellen, was du bislang gemacht hast, wer du bist und was Epsilon genau macht?

Christian

Mein Name ist Christian Krug, ich bin Geschäftsführer der Epsilon Telecommunications GmbH und mache das in der Telekommunikation bereits seit 16 Jahren, bin selber 53 Jahre alt und hatte schon immer viel mit Technik zu tun. Ich habe Radio- und Fernsehtechnik gelernt, einen Ausflug ins Fernsehgeschäft gemacht, ins Marketing; auch Sozialpädagogik mal studiert. Ich bin im Carrier-Geschäft, das heißt, wir arbeiten in einem indirekten Kanal, der Carrier, und betreuen circa 800 Partner, welche bundesweit den deutschen Mittelstand zu allen Telekommunikations-Anforderungen betreuen. Wir sind im Zuge der Digitalisierung darauf gekommen, dass es mehrere Aspekte zum Thema IoT gibt, und die Marke Fusion IoT aufgelegt, um genau diese Bedarfe konzentriert aufnehmen zu können. Ein Partner davon ist Boris Krell von der K-Tel, der zum Thema Fusion IoT gemeinsam mit uns und noch ein paar anderen Partnern die Kompetenzcenter für Deutschland darstellt.

 
Was genau ist so ein Kompetenzcenter? Was macht ihr da?
Christian
Ein Kompetenzcenter ist ein langjähriger Partner, der in allen Themen der Telekommunikation im Mittelstand sehr erfolgreich mit uns unterwegs ist und sich jetzt gemeinsam mit uns auf die Anforderungen der Digitalisierung des Mittelstandes konzentriert und hier die Kunden direkt vor Ort betreut und bedient.
 
Soweit ich weiß, habt ihr eine Art Hub aufgebaut, als Informationsportal für den Mittelstand, alles rund um Mobilfunk, oder?
Christian 
Genau, das ist seit einer Woche online. Das ist der Epsilon Hotspot, bei dem sich Kunden aus dem Mittelstand aber auch Vertriebspartner über Möglichkeiten der Digitalisierung und Telekommunikation für ihr Geschäft informieren können. Da werden auch die ein oder anderen Buzzwords klar und transparent erklärt.
 
Du hast ja schon die Überleitung zu Boris gemacht, deswegen richte ich das Wort gleich mal an dich. Magst du dich auch kurz vorstellen und was ihr bei K-Tel genau macht?
Boris
Ich bin Boris Krell, Geschäftsführer, verantwortlich in der K-Tel für Vertrieb und Marketing, speziell für das ganze Projektgeschäft. Sprich, alles, was man nicht direkt von der Preisliste kaufen möchte. Sondern wo man sagt, ich habe als Kunde eine Frage, ich habe das noch nicht so ganz nachvollziehen können – wie macht ihr das eigentlich? Was soll eigentlich dabei rauskommen; was wünscht sich der Kunde? Denn oft höre ich den Kundenwunsch, und dem ist es eigentlich egal, wie wir das regeln– Hauptsache, es funktioniert. 24×7 stressfrei für ihn. Ob wir das so oder so lösen, ist dann Teil meiner Aufgabe, das dem Kunden so zu erklären, dass wir ihn auf die Reise mitnehmen können. Gerade mit diesen Buzzwords – google das einfach mal, da kommst du vom Hundertsten ins Tausendste. Das Ziel ist es, ihm verständlich zu erklären, was wir hier tun und warum das alles Geld kostet.
 
Viele Hörer sagen mir immer wieder, das sind alles Buzzwords, das muss man zunächst mal einordnen und man weiß nicht, wo was steht. Deswegen würde ich jetzt versuchen, das Thema Mobilfunk für mich mal einzuordnen – und ihr müsst mich dann unterbrechen, um überhaupt eine Basis zu schaffen: Was ist Mobilfunk? Was hat es mit den Funkwellen auf sich; wie funktioniert das Ganze?
 
Jeder kennt es; man sitzt im Zug, man telefoniert, lädt nebenbei noch was bei YouTube. Wie ich es mir immer vorstelle, ist, ich habe mein Handy, da ist so eine grüne Platine drin, da ist eine SIM-Karte verbaut. Und diese SIM-Karte verbindet sich mit den einzelnen Mobilfunkmasten unterwegs; sind von T-Mobile, Vodafone oder Telefónica. Da spricht man, glaube ich, immer von Zellen, in denen diese Funkwellen überhaupt erst mal übertragen werden. Angenommen ich bin bei Aldi Talk. Service Provider nennt sich das, glaube ich, die sozusagen bei T-Mobile und so weiter die Mobilfunknummern und die Minuten einkaufen und dann meine SIM-Karte freischalten. Um jetzt bei YouTube schnell was zu laden, brauche ich eine Übertragungsgeschwindigkeit. Hierfür muss eine gewisse Technik im Netz installiert sein – also das Gerät muss was können – und die Datentarife müssen auf dem Gerät freigeschaltet sein, damit diese herrschenden Frequenzen übertragen werden können. Da gibt es die verschiedenen Frequenzen 2G, 3G, 4G und jetzt das große neue Schlagwort 5G. Wie gut dann der Empfang ist, hängt von den Reichweiten ab. Stehen wir irgendwo am Bahnhof? Bewegen wir uns im Tunnel oder schnell? Dann gibt es Datenmengen, die übertragen werden sollen, mit den einzelnen Technologien.
Boris
Genau, da können wir einsteigen. Du beschreibst sehr schön das, was jeder mit seinem Smartphone erlebt. Das ist die Mobilfunktechnologie mit den verschiedenen Schlagwörtern. Das bedeutet einfach nur, dass ein Netz – kein Teppich – zur Verfügung gestellt wird, von den 3 Carriern, die du bereits genannt hast, das sozusagen eine Verfügbarkeit darstellt, sodass diese Endgeräte Daten übertragen können. Ob das nun Sprache oder Videodaten sind, das ist sekundär. Es sind öffentliche Netze, die gegen Entgelt genutzt werden können. Dementsprechend ist diese Technologie gewachsen, deshalb auch die Terminologie der Zahlen: 2G, 3G, 4G, 5G, weil das immer der jeweils nächsthöhere Standard ist. Das bedeutet im Großen und Ganzen nur, dass von 2G bis zu 5G höhere Datenraten ermöglicht werden, um den Datenhunger der Konsumenten zu bedienen, weil immer mehr mit Videos gemacht wird.
 
Zugfahren ist so ein schöner Pain Point, weil diese Netze über Funkmasten zur Verfügung gestellt werden. Dann muss man immer, wenn man schnell mit dem Zug fährt, von einem Mast zum nächsten springen. Diese Übergänge funktionieren nicht immer sauber. Und dann haben wir das Thema bei hohen Datenraten: Nehmen wir als Beispiel hierfür das 5G-Segment. Im öffentlichen Netz ist es so, dass man eine sehr starke, also flächendeckende Ausleuchtung braucht, das heißt sehr viele Masten hintereinander beziehungsweise viele Funkzellen hintereinander. Diese Übergaben funktionieren nicht immer sauber. Wir befinden uns jedoch erst im Ausbau von 5G. Es wird natürlich versucht, diese 5G-Tarife den Kunden zu verkaufen, um diesen massiven Ausbau refinanzieren zu können. Das kann man aber tatsächlich komplett abtrennen von den Anwendungen. Gerade im Bereich Machine-to-Machine-IoT werden zum Teil diese reinen Mobilfunktechnologien, so wie sie genauso in den öffentlichen Netzen verfügbar sind, genutzt. Aber es gibt auch ganz spezielle Funktechnologien, die für das Thema IoT, Internet of Things, und Machine-to-Machine-Kommunikation zur Verfügung stehen. Im Moment ist das 4G-Netz zu präferieren, weil es den höchsten Ausbaustandard hat.
 
Richtig, heute wollen wir genau darüber sprechen – jetzt habe ich kein Handy mehr, sondern meine Maschinen. Vielleicht sechzig, hundert, Tausende Maschinen, Geräte, Komponenten, auch in meiner Produktion und Logistik. Man sagt ja immer Internet der Dinge, also ich habe viele verschiedene Dinge, die dort Daten übertragen. Da sind wir bereits weg vom Handy-Mobilfunknetz, da das Ganze in die Knie gehen würde. Wenn ich mir vorstellen würde, ich hänge meine ganzen Maschinen in dieses öffentliche Netz: das ist wahnsinnig teuer und kostet wahrscheinlich eine Menge Energie. Das heißt, dafür muss man jetzt eben solche Netzwerkinfrastrukturen auslegen und mit Technologien versorgen, die das wirklich können. Und das sind jetzt diese ganzen Buzzwords, die ich am Anfang schon genannt habe. Habe ich das richtig verstanden?
Boris
Ja, das ist die Frage der Anforderung. Es ist die kundenspezifische Anforderung: Was brauche ich denn? Brauche ich nur wenig Daten oder habe ich zum Beispiel eine Echtzeitanwendung, die mir in Echtzeit Daten überträgt? Oder können diese Daten gespeichert werden, um zu einem späteren Zeitpunkt übertragen zu werden? Wie hoch muss die Verfügbarkeit sein? Müssen die auch permanent in einem Netz verfügbar sein, sofern überhaupt ein Netz vorhanden ist? Das sind alles so Themen, die im Vorfeld geklärt werden müssen, um dann genau die richtige Technologie für den jeweiligen Anwendungsfall zu finden. Es kann durchaus sein, dass das teilweise auch im öffentlichen Netz stattfindet, und ebenso, dass es geschlossen im öffentlichen Netz stattfindet. Es kann aber auch sein, dass es Technologien gibt, die speziell für IoT zur Verfügung gestellt werden. Hier sind die Schlagwörter NarrowBand IoT, LTE-M Cat.
 
Das Thema 5G ist extrem interessant für datenintensive Lösungen, die hochspezialisiert sind und letztlich vom öffentlichen Netz abgetrennt werden müssen, damit nicht dieser Effekt entsteht, dass viele Geräte in einem Netz hängen, sondern diese speziell in einem dafür ausgelegten Netz arbeiten können.

Herausforderungen, Potenziale und Status quo – So sieht der Use Case in der Praxis aus

Dann lass uns doch jetzt ein paar Use Cases aus der Praxis herausziehen, damit man überhaupt versteht, was es überhaupt für Use Cases zu den einzelnen Technologien gibt. Christian, starten wir mit dir. Kannst du beschreiben, mit welchen unterschiedlichen Use Cases eure Kunden heute kämpfen, um im nächsten Schritt diese Technologien einzuordnen, welche ich dann genau brauche.

Christian

Es gibt Anforderungen, die einfach nicht im öffentlichen Netz so abgebildet werden können, also dass ich zu Aldi gehe, mir da eine Datenkarte hole und das abbilden könnte. Das sind hauptsächlich Anwendungen, die zum Beispiel in schwer zugänglichen Bereichen stattfinden. Häufig sind das Kellerräume oder Fabrikgebäude, die entsprechend abgeschirmt sind, wo besondere Anforderungen der Umwelt vorherrschen, wie etwa bei Wasserpumpen. Wo auch nur auf Zuruf Betriebsstände abgerufen werden müssen. Also gar nicht unbedingt eine Steuerung von Maschinen, sondern bestimmte Betriebszustände müssen dokumentiert und abgerufen werden. Das sind geringe Datenmengen, aber diese Maschinen sind über die öffentlichen Netze nicht erreichbar. Hierfür gibt es spezielle Technologien, die auch von den Netzbetreibern zur Verfügung gestellt werden. Schlagworte sind hier wieder NarrowBand IoT und LTE-M Cat, die eine hohe Gebäudedurchdringung haben, sicherlich auch längere Latenzzeiten. Das ist so ein Use Case, von dem ich sage, da brauche ich eine spezielle Technologie, die außerhalb des öffentlichen Netzes von den Carriern im Projektfall zur Verfügung gestellt wird.

 
Das ist der Use Case, wenn ich irgendwo in Kellerräumen Stahlbetonwände habe, oder schwer zugängliche Dinge, die in einem Gebäude sind. Ob das eine Wasserpumpe ist, oder egal welches Asset. Das wäre der Use Case für diese Art von Geräten?
Christian
Genau. Dann gibt es noch einen zweiten Use Case. Dieser bedeutet, ich habe systemkritische Themen; dass ich sage, ich habe viel Standorte,  Beispiel dafür kennt jeder, eine Raststätte – dass im Hintergrund des Kassierers Werbung läuft, auf einem Bildschirm. Da ist es wichtig, dass diese Karten nicht nur in einem Netz funktionieren und funken können, sondern in allen drei Netzen zur Verfügung stehen. Egal welches Netz an dem Standort ist: Wenn eines verfügbar sein sollte, dann funktioniert auch dieses Terminal. Das ist deshalb so entscheidend, weil diese einzelnen Tankstellen sicherlich immer sehr gute Internetanbindungen haben, die aber von den Betreibern geschlossen sind. Der Pächter der Tankstelle kann auf diese Netzinfrastruktur nicht zugreifen, braucht eine eigene; und der Hersteller wiederum braucht eine Verfügbarkeit in allen Netzen, damit er das nicht sozusagen an jedem Standort ausprobieren muss, sondern mit einer SIM-Karte alle drei Netze ansprechen kann – und da aber ganz klassisch über das LTE-Netz gehen kann, weil dieses keine system- oder sicherheitskritischen Daten sind, die dort übertragen werden.
 
Habt ihr auch aus dem Bereich Track and Trace ein Beispiel? Wenn ich überlege, ich habe irgendwo meine Flotten; Dinge, die irgendwo unterwegs sind. Habt ihr da auch ein Use Case?
Christian
Im Grunde ist das ähnlich wie in einem Hafen. In einem geschlossenen Areal gibt es ebenfalls das öffentliche Areal und das europaweite Areal, wo wir sagen, die Logistiker, besonders die Bahnlogistiker, verlieren jährlich Tausende von Wagons, weil diese falsch abgestellt werden oder die Papiere weg sind. Das heißt, diese teuren Assets stehen irgendwo auf der grünen Wiese und keiner weiß mehr, wo sie sind, und vergammeln da vor sich hin. Da gibt es Lösungen die ganz einfach an den Containern angebracht und ansprechbar sind und sagen, Hallo, hier bin ich!
 
Boris, jetzt die Überleitung an dich. Wie genau funktioniert das in sogenannten privaten Netzen? Hast du da mal ein paar Beispiele von euren Kunden, die zeigen, was es da für Use Cases gibt?
Boris
Wir haben für dich heute zwei mitgebracht, die oft angefragt werden. Diese befinden sich auch schon in der Proof-of-Concept-Phase oder in Umsetzung.
 
Nehmen wir das, was wir gerade mit Gelsenkirchen machen, wo wir auf dem OIL-Campus, »Open Innovation Lab«, mit einer 5G-Videoüberwachung rund um das Stadion für eine Sicherheit sorgen, damit nicht Hunderte von Polizeikräften eingesetzt werden müssen. Wenn zum Beispiel ein Kind auf dem Gelände verloren geht. Das ist 142 Hektar groß – auf dem Gelände mit enormer Mannstärke zu suchen, wo ist denn dieses Kind jetzt hin oder hat sich jemand nicht so wie die breite Masse verhalten? Das würdest du mit normaler Track-and-Trace-Technik oder mit Videoüberwachung/Flow Control so nicht schaffen, weil du die Datenmengen von den Kameras oder Sensoren nicht abgeführt bekommen würdest. Schon gar nicht, wenn sich zu einem Fußballspiel oder irgendeinem anderen Event mehrere Tausend Leute auf einmal irgendwo hinbewegen – vom Parkplatz, vom Bahnhof, zum Bus. Die müssen irgendwie gesteuert werden.
 
Wir wollen damit dafür sorgen, dass wir diese ganzen breiten Massen durch künstliche Intelligenz und damit durch Bandbreite vor Ort gesichert bekommen und dass sich alles so bewegt, wie wir uns das gewünscht und geplant haben. Sei es jetzt nur der Currywurstwagen, der fünf Meter verschoben werden muss, weil da so viele Leute kommen, oder der Verkehr umgelenkt werden soll, weil der Parkplatz auf der Südseite voll ist.
 
Jetzt könnte man sagen, ja, das bekommt man doch mit Wi-Fi genauso hin. Nein, bekommt man nicht, weil allein die pure Technik, die wir einsetzen müssten, um so ein 142-Hektar-Gelände mit Wi-Fi zu versorgen, Unsummen verschlingen würde. Ganz abgesehen von den Verkabelungen und von der Stromversorgung. Da ist einfach der Faktor Qualität und Datengüte plus Umwelteinflüsse von außen – plus dass wir hier sicherheitsrelevante Informationen an Polizei und Einsatzkräfte weitergeben, um diese bessere Informationstechnik zu verteilen. Nehmen wir als Beispiel fünf Leute, die vor dem Monitor sitzen. Spätestens nach zwanzig Minuten nimmt deren Aufmerksamkeit stark ab, wenn sie auf so eine breite Masse schauen. Wenn ich denen jetzt aber nur noch die Sachen zeige, die gerade wirklich interessant sind, wo mir die Maschine gesagt hat, oh du, da läuft was nicht so wie geplant, sieht das ganz anders aus. Hundert Leute gehen nach rechts und zwei laufen einmal ganz schnell nach links – dann muss irgendetwas sein. Dann kann es sein, jemand hat seinen Autoschlüssel vergessen oder sein Fenster ist noch nicht zu. Dann wieder sehen wir, da bewegen sich auf einmal fünfzig, sechzig Leute nach links, sprich, die gefühlt falsche Richtung – nicht zum Event, sondern zum Parkplatz zurück: Dann würden wir schauen, okay, was ist denn da passiert? Müssen wir da etwas unternehmen? Hat jemand einen Rucksack liegen lassen? Hat jemand sein Kind vermisst? Ist jemand hingefallen und liegt da und keiner kümmert sich? Das sind so Sachen, die wir damit relativ schnell eingrenzen können.
 
Ein anderes Beispiel. Wir sind auf einem Hafengelände, da bewegen sich Tausende von Containern, mit unterschiedlichen Ladungs- und Frachtpapieren. Der größte Faktor für die sind Versicherungsschäden. Unsere Kamera erfasst von vornherein, ist der Container richtig abgeladen worden? Ist der schräg aufgeladen? Hatte der die Delle schon vorher, die hinterher als Schadensfall gemeldet worden ist? Wir können uns die ganzen Ladungspapiere online ziehen, also schneller bearbeiten, um für einen schnelleren Durchfluss zu sorgen. Wir können aber auch bis auf ein paar Zentimeter genau sagen, wo ist dieser Container? Wohin ist der bewegt worden? Von wem ist der bewegt worden? Da geht es zu einem großen Teil um Effizienz, um Energieeinsparung und auch um die Sicherheit der Daten, denn nicht jeder soll wissen, wo ist welcher Container? Auch da: Wir können sicherstellen, dass die Daten auf dem Gelände bleiben, und wir können auch dafür sorgen, dass wir eine bessere Übersicht auf dem Gelände verfügbar machen. So ein Hafengelände ist ja nicht nur 30 Quadratmeter groß, sondern da reden wir unter Umständen von Quadratkilometern. Da muss man wissen, wo muss was wie wohin bewegt werden. Wie kann man die Hubwagen, die die Container bewegen, koordinieren und steuern? Wenn ich da sage, wir müssen nicht mehr dreißig Sekunden warten, sondern wir haben eine Latenz von fünf Millisekunden, kann ich die ganz anders und schneller bewegen auf so einem Gelände, als ich es vorher hätte tun können.
 
Auch da wieder: Kabel zu verlegen, auf so einem Gelände, ist utopisch. Keiner reißt den Boden in so einem Hafengelände auf, also musst du irgendetwas mit Funk machen – und Wi-Fi ist in diesem Fall dort keine Lösung.
 

Lösungen, Angebote und Services – Ein Blick auf die eingesetzten Technologien

Beim ersten Beispiel hat man verschiedene Kamerasysteme, die installiert sind, von bestimmten Herstellern. Die nehmen die Daten in diesem Stadion, auf diesem Parkplatz, rund um dieses Gebäude auf. Diese werden dann vorverarbeitet und nicht über Wi-Fi gesendet, sondern über ein privates Netz. Das heißt, der Betreiber von diesem Gebäude oder Stadion hat ein eigenes Netz aufgespannt, wo wirklich nur diese Assets, was auch immer dort an Daten anfällt, in diesem privaten Netz landen. Habe ich das richtig verstanden?

Boris

Ja, das Ziel soll sein, auf dem ganzen Gelände für eine Art Sicherheitsmechanismus zu sorgen. Dass wir das Gelände beobachten können, ohne dass wir zigmal Personal einstellen müssen. Und dass diese Daten nicht zur Weiterverarbeitung an Dritte weitergeleitet werden, sondern sie bleiben in unseren Händen auf diesem Gelände. Bewegungsprofile, wie haben sich Leute bewegt? Welcher Parkplatz wurde häufig benutzt? Welcher wurde überhaupt nicht benutzt? Warum ist der nicht benutzt worden? Jemand der auf einer E-Ladesäule steht, hat der überhaupt ein E-Kennzeichen? Das sind so Sachen, die ich als normaler Betreiber gar nicht wissen darf, sondern das sind hoheitliche Aufgaben. Die leiten wir dann weiter und sagen: Liebe Polizei, liebes Ordnungsamt, da steht seit fünf Stunden jemand auf einer Ladesäule, welcher kein E-Auto hat, oder auf einem Behindertenparkplatz, der da nichts zu suchen hat, was machen wir denn dagegen? So ganz simple Sachen, die aber, wenn du es mit Personal erschlagen müsstest, Unsummen verschlingen. Da müsste ein Ordnungsamt oder die entsprechende Behörde in großer Mannstärke das ganze Gelände ablaufen – auf einer Fläche von 142 Hektar, das läufst du auch nicht in drei Minuten, da musst du ein paar mehr Leute einsetzen. Das ist das, was wir hiermit vereinfachen können.

 
Dieses Thema mit den Hafenanlagen, da ist es jetzt so, dass man zum Beispiel diese Container hat, oder du hast das Versicherungsgeschäft angesprochen – das heißt, ich habe irgendwo meine Container, die haben ein Gateway oder eine trackbare Platine mit einer SIM-Karte, was auch wieder in einem privaten Netz läuft. Das heißt, der Betreiber betreibt ein privates Netz, wo wirklich nur diese Informationen in diesem Container-Ort gespeichert werden?
Boris
Einmal ist es möglich, dass eine Chipkarte in dem Container verbaut ist, von Christian als Beispiel; und wir als Hafenbetreiber wissen nicht, wem der Container wirklich gehört, aber wir erfassen diesen jetzt mit Kameras, weil der auch eine Seriennummer und eine Tonnage hat, dementsprechend weiß ich, von welchem Schiff der kommt. Wenn du diese Daten zusammenbringst –eine IoT-Karte könnte keine Videoüberwachung von so einem komplett gescannten Container durchführen, denn da reden wir über Bilddaten in immensen Größenordnungen, übertragen in vernünftiger Zeit und Geschwindigkeit. Dafür ist das Netz wiederum gut. Und wir können das über das ganze Gelände ein Stück weit ziehen, unabhängig davon, wo du wirklich der Endkunde bist. Denn es gibt ja auch Container, die sind noch nicht mit so einem Chip versehen. Wir bringen diese Daten zusammen, um dem Kunden aus der Fülle an Informationen einen Mehrwert zu bieten. Deswegen ist auch so ein Gespräch  mit den jeweiligen Betreibern oder Ideengebern wichtig, dass diese zunächst ihre Vision nennen, was sie gerne hätten. Dann sagen wir, okay, das ist realistisch und machbar und das müsste man noch so und so umbauen, um da einen Weg zu finden.
 
Jetzt ist es ja so, dass ihr der Experte rund um dieses private Netze seid. Betreiber ziehen dieses Netz auf, um die Daten nicht im öffentlichen Netzen zu haben und dann die entsprechenden Mehrwerte zu nutzen.
 
Christian, jetzt wurde gerade schon die IoT-Karte, oder die SIM-Karte, angesprochen. Wie muss man sich hier die Zusammenarbeit vorstellen? Was kommt von Boris; was kommt von euch? Wo gebt ihr euch die Hand?
Christian
Wir geben uns grundsätzlich im Projekt die Hand. Von unserer Seite kommt größtenteils die standardisierte Konnektivität, der Carrier, weil wir aus unserem Kerngeschäft heraus die entsprechenden Verbindungen haben. Wir bilden genau die richtige Technologie mit der richtigen Tarifierung und auch einem mehrstufigen Abrechnungsszenarium ab. Wir können diese Themen auch billen. Deswegen können wir zugeschnitten auf den individualisierten Fall des Kunden Konnektivität anbieten, auf der einen Seite, und zu diesen Technologien auch mit unserem Partnernetz – zu dem Boris in der Spezialisierung für die privaten Netze zählt – Hardware, Cloud-Lösungen, alles, was rund um IoT stattfindet, in dem Projekt zusammenzuführen und dem Kunden an die Hand geben.
 
Kommt bei uns oder einem Netzwerkpartner das Thema auf, wir brauchen aber etwas anderes, wir brauchen zum Beispiel ein privates 5G-Netz – oder wenn in der Bestandsaufnahme das Thema aufkommt, ideal wäre, so etwas mit einem privaten 5G-Netz abzubilden –, dann gehen wir auf Boris zu und holen ihn bei diesem Projekt mit in das Boot, beziehungsweise die K-Tel.
 
Jetzt hattest du gerade zwei andere Use Cases genannt. Einmal ging es um die Tankstelle, die Bahn und die Pumpe. Da ist es jetzt so, um es jetzt einfach auszudrücken, da haben wir kein privates Netz, sondern das läuft über das öffentliche Netz, richtig? Nur um das abzugrenzen. Als Beispiel, ihr habt einen Kunden, der ist Pumpenhersteller. Der will seine ganzen Wasserpumpen, Hunderte, Tausende, im Feld überwachen. Wie funktioniert das? Was ist das dann für ein Netzwerk?
Christian
Das ist wahrscheinlich eine Mischform. Wir können natürlich für den Kunden verschiedenste Technologien miteinander verbinden. Wenn er zum Beispiel sagt, er ist mit seinen Pumpen international unterwegs und möchte Predictive Maintenance betreiben – wenn ein bestimmtes Verschleißteil kurz vorm Abrauchen ist, dann möchte er es bitte vorher wissen, damit er das Teil von Deutschland nach China schicken kann, damit es dort ausgetauscht wird: Dann müssen wir über eine »normale« Netzwerktechnologie gehen, damit wir in allen Ländern verfügbar sind, was die Netztechnologie angeht. Da würden wir über eine LTE-Karte gehen.
 
Dann gibt es Themen, dass er mit dem normalen Funknetz keine Verfügbarkeit in bestimmten Kellerräumen oder in bestimmten Umgebungen hat. Ein Silo mitten auf dem Land. Dann können wir ihm Technologien anbieten, die speziell für solche Datenanbindungen gemacht sind. Das sind diese Technologien NarrowBand IoT und LTE-M Cat. Da muss man dann einfach wissen, dass das ein paar Voraussetzungen. Hier können nicht so viele Daten übertragen werden; dafür ist aber der Gebäudedurchsatz sehr gut. So wird das im Projekt für den Kunden aus dem bunten Strauß der Funktechnologien angepasst.
 
Es gibt auch noch alternative Funktechnologien, die nicht über das Mobilfunknetz laufen. Aber Buzzwords tauchen da auch immer auf. Das ist das Thema Sigfox oder LoRaWAN. Das sind tatsächlich eigene Funkstandards. Sigfox zum Beispiel, öffentlich ausgerollt in Frankreich, da wird IoT über Sigfox sehr stark gespielt. Das sind dann auch schon private Netze, die selbst aufgebaut werden über diese Funkstandards. LoRaWAN ist auch über die K-Tel zu beziehen, weil sie dort Connections haben. Wir wiederum kommen mit allen Netztechnologien des Netzbetreibers und können sie individualisiert – eben nicht standardisiert, wie es der normale Netzbetreiber den Kunden anbietet – auch für den kleineren Mittelstandkunden im Projektgeschäft umsetzen. 
 
Also im Endeffekt habe ich drei Layer, die immer nach Anforderung unterschiedliche Ausprägungen haben. Aber insgesamt habe ich immer Geräte, Maschinen und Sensoren, wie ihr das beschrieben habt – die sind, sage ich jetzt mal, ganz unten. Dann habe ich diese Mitte: Man muss diese Konnektivität bereitstellen. Das heißt, ich habe Gateways, E-PCs oder was auch immer für Hardware, damit eine SIM-Karte oder ein Gerät, was in diesem Netz hängt, überhaupt erst mal spricht. Dann gibt diese das weiter an einen Router, an ein Modem, was dann mit diesen Technologien funktioniert. Das ist euer Business. Das heißt, ihr sorgt dafür, dass diese Router und Modems genau die Sprache sprechen, dass es für den Kunden genau richtig ankommt?
Christian
Genau, und geht dann auch noch einen Schritt weiter. Wir kümmern uns auch um die Speicherung der Daten, Visualisierung der Daten und Anbindungen dieser Datenbanken an Kundenterminals, Dashboards in irgendeiner Form. Wir können das alles von A bis Z gemeinsam in unserem Netzwerk machen – wir müssen es aber nicht, weil viele Kunden Teilbereiche selber besser können. Wenn wir zum Beispiel so eine Pumpe nehmen. Die Pumpenhersteller sind schon selber darauf gekommen, dort Module und Sensorik einzubauen, die genau auf ihre Pumpe passen und genau das auslesen, was sie brauchen. Was sie aber nicht können, weil es nicht ihre Kompetenz ist, ist, diese Daten über ein Funknetz in ihre Cloud und in ihr Dashboard zu speisen. Da kommen wir dann wieder ins Spiel, dass wir sagen, wir können auch allein die reine Konnektivität bieten.

Übertragbarkeit, Skalierung und Nächste Schritte – So könnt ihr diesen Use Case nutzen

Dann lass uns doch jetzt mal über diese Technologien, die wir jetzt zwischendurch immer gelistet haben, zu den einzelnen Use Cases sprechen. Du hast mir jetzt eigentlich die perfekte Überleitung gegeben, und zwar, ich bin jetzt Hersteller von beispielsweise einer Pumpe. Du hast es ja schon gesagt, die Schnittstelle ist da, wo ihr eure Kompetenz mit Mobilfunk reinbringt. Was muss ich tun, damit ich diese Pumpe vernünftig bei meinem Kunden mit der richtigen Mobilfunktechnologie ausstatte? Angenommen das ist jetzt in einem Keller verbaut, da hat man keinen guten Empfang, irgendwo im Gebäude: Was nutze ich da für eine Technologie?

Christian

In dem Fall gehen wir – gerade wenn es keine zeitkritischen Echtzeitanwendungen sind, also man eine gewisse Zeit einsetzen kann, um diese Daten auslesen zu können, und keine Echtzeitübertragung benötigt – gerne auf NarrowBand IoT oder LTE Cat-M, was von den jeweiligen Carriern zur Verfügung gestellt wird in ihrem Netz. Was man dort auswählt, hängt davon ab, mit welchen Carriern man zusammenarbeitet, weil es dort unterschiedliche Ausprägungen gibt.

 
Nur ganz kurz, was sind Carrier?
Carrier, das ist der Netzbetreiber. Also eine Telefónica, Telekom oder Vodafone in Deutschland. Der Netzbetreiber bietet diese Technologie in seinem Netz. Diese muss aber speziell freigeschaltet werden. Da gibt es auch unterschiedliche Ausprägungen. Zum Beispiel ist NarrowBand IoT mittlerweile bei der Telefónica sehr gut ausgebaut und roamt, also bedient sich auch des Netzes der Telekom. Deswegen haben wir eine relativ große Flächenabdeckung zum Thema NarrowBand IoT. NarrowBand IoT hat eine sehr gute Gebäudedurchdringung, eine sehr hohe Reichweite und einen geringen Energieverbrauch für Endgeräte. Hier können mit Batterien oder Akkus sehr lange Laufzeiten generiert werden, wenn man zum Beispiel schlecht an diese Maschinen herankommt. Wenn man beispielsweise eine Laufzeit von fünf bis zehn Jahren braucht. Ebenso haben wir hierbei geringe Kosten und einen geringen Datenverbrauch.
 
Du hattest das Beispiel mit der Bahn angesprochen. Diese Waggons stehen vielleicht auch mal irgendwo in der U-Bahn, aber gehen wir jetzt davon aus, das wäre irgendwo oberhalb – wie funktioniert es da? Was ist hier die optimale Technologie zur Überwachung dieser ganzen Waggons?
Christian
Da gehen wir ganz normal über das öffentliche LTE-Netz, mit einem eigenen APN. Eigener APN beschreibt, dass diese Karte von anderen Geräten nicht gesehen werden können. Einfacher gesagt, das ist ein Sicherheitsaspekt, dass er sozusagen geschlossen in dem öffentlichen Netz funktioniert, mit den gleichen Standards. Hier ist es wichtig, dass diese Karten funktionieren, wenn überhaupt ein Netz da ist – Telekom, Telefónica oder Vodafone. Wenn eines dieser Netze zur Verfügung steht, dann können diese Daten übertragen oder abgegriffen werden. In der Regel sind das einfach nur Standortdaten. Man kann natürlich auch Kühlketten mit so etwas verfolgen. Das passiert in der Regel alles im öffentlichen Netz, denn dieses Netz ist ja schon vorhanden – mit der Besonderheit, dass wir oft in allen drei Netzen arbeiten mit einer SIM-Karte, damit, wenn überhaupt ein Netz zur Verfügung steht, diese Technologien auch funktionieren.
 
Und mit dem Sicherheitsaspekt, dass das dann entsprechend auch mit eingebaut ist?
Christian
Genau, dass diese über einen eigenen APN laufen, und nicht über einen öffentlichen.
 
Boris, du hattest jetzt auch zwei Use Cases genannt. Das Thema Gelsenkirchen. Wenn ich jetzt Betreiber bin von einem Stadion, von einem Gebäude: Welche Technologie ist hier die richtige, um diese Kameraüberwachung am Beispiel zu machen? Was brauche ich dafür?
Boris
Vielleicht noch mal zurück zu dem, was wir eigentlich für den Kunden tun. Gerade so ein Gelände- oder Industrieparkbetreiber hat ein anderes Bedürfnis als wir, denn wir machen Technik und Betrieb und Service jeden Tag – und er sagt, ich bin Geländebetreiber, ich möchte gerne etwas tun. Der sagt halt, okay, ich kann meine Daten natürlich selber verwalten, da bin ich selbst gut drin; aber die Technologie, die wir dafür brauchen, um dieses in Bewegung zu setzen, das übergibt man dann Leuten wie uns, oder fragt, ob wir das machen können. Das ist immer so ein Zwischenschritt. Wer macht was bis zum Tagesende? Die Kunden wollen, dass das läuft.
 
Klar, nehmen wir als Beispiel meine Autoreifen. Die könnte ich auch wechseln, oder ich fahre einfach zum Hersteller und sage, dass sie das machen sollen für 29 Euro. Die machen das zehnmal am Tag, und wahrscheinlich auch dreimal professioneller als ich. Da spielt auch ein Kosten-Nutzen-Faktor mit rein, wer macht was bis wohin? Wir bieten von–bis an, wo der Kunde sagt, nein, das möchte ich lieber alleine machen. Wir sagen dann, kein Problem, dann übergeben wir diesen Part an dich und dann betreiben wir das für dich zusammen.
 
Zu der Frage, wie gehen wir so ein Projekt an: Das Erste ist, Reden hilft. Zunächst skizzieren, was der Kunde will. Wie will er das haben? Was will er damit eigentlich erreichen? In dem Fall Gelsenkirchen – Open Innovation Lab – ist es so, da waren die Anforderungen Sicherheit im öffentlichen Raum und Steuerung von Massen bei Events. In dem Fall war die Entscheidung relativ klar, da werden Zigtausende Leute zu einem Event, einem Fußballspiel kommen, wenn wieder öffentliche Veranstaltungen erlaubt sind. Dass man dann sagt, das bekommt man mit normalen Bordmitteln nicht geregelt, dafür ist Wi-Fi einfach zu langsam und der Datendurchsatz zu hoch. Da war schnell klar, wir brauchen eine Echtzeitanwendung, wir brauchen eine Datensouveränität und eine Datensicherheit, dass kein Dritter auf diese Daten zugreifen kann. Personenkontrollen, Fahrzeugkontrollen oder Parkplatzbelegung – das sind Sachen, die müssen bei uns bleiben, die müssen auch im hoheitlichen Einsatz verfügbar sein und sie müssen zuverlässig zu 99,9 Prozent, und nicht nur zu 98 Prozent, verfügbar sein. Es nützt mir nichts, wenn das System eine halbe Stunde vor Spielstart ausfällt, weil zu viele Nutzer auf dem Gelände sind.
 
Ergo war die Entscheidung einfach, zu sagen, dass wir das über eine große Fläche in Echtzeit brauchen, mit viel Datenvolumen, in kurzer Zeit. Uns war klar, dass das nur mit diesem einen System funktioniert. Wir haben uns dann daran hochgearbeitet. Zum Beispiel hatten die schon Kameras im Einsatz – also wir müssen auch nicht alles neu einrichten. Solange die Kamera IP spricht und unseren Anforderungen entspricht, kannst du auch theoretisch eine 300-Euro-Kamera nehmen. Denn die Intelligenz – das ist auch noch mal ein Unterschied – ist nicht mit mehr auf dem Gerät, sondern im Netz. Damit ziehst du Kapazität von der Infrastruktur und verlagerst diese in die vor Ort gebundene On-premises-Lösung, auch wenn das dann ein großer Server ist. Aber der steht vor Ort, und nicht in einem Rechenzentrum in England oder sonst wo.
 
Dann hattest du das Beispiel vom Hafen genannt. Wenn ich Hafenbetreiber bin und habe meine ganzen Container dort, möchte vielleicht Versicherungs-Use-Cases abbilden: Wie mache ich das? Ist das dann ähnlich wie bei Gelsenkirchen, dass man in ein privates Netz geht? Oder wie legst du da die Netzwerkinfrastruktur aus?
Boris
Die Vorgehensweise ist auch da fast identisch, nur dass der Case ein völlig anderer ist. Auch da gilt wieder: Großes Gelände, viele Daten, viele mögliche Nutzer – du hast Containerschiffe, Hafenarbeiter, Logistiker, LKW-Fahrer, Tankwarte, Reinigungskräfte und Crews auf dem Schiff. Du hast eine Menge mit dem Zoll zu tun. Also du hast ganz viele Leute, die eigentlich dasselbe wollen, aber keiner gibt die Daten vom anderen preis. Containerbetreiber A soll nicht wissen, dass Containerbetreiber B auch da ist. Also musst du dazwischen eine Identität setzen, die sagt, ich als Hafenbetreiber kümmere mich um eure Belange, weil ich mit der Be- und Entladung Geld verdiene, und nicht mit dem Handel der Ware. Damit haben ja die Hafenbetreiber nichts zu tun. Sie tragen jedoch das ganze Risiko, wie was geplant wird und was wo hinmuss; wer welche Zollpapier von A nach B bringen muss. Die Datenhoheit liegt bei dem Einzelnen, und da haben wir eine Multimandanten-Fähigkeit eingeführt: Jeder sieht nur die Daten sieht, die ihm auch wirklich gehören. Also ich sehe nur mein Schiff, und nicht das von meinem Mitbewerber. Wer wird wie wo behandelt? Wer erhält welche Datenzugänge? Alleine durch die effizientere Beladung oder effizientere Fahrzeugrouten auf dem Gelände sparen die Unsummen an Geld ein, weil sie das nicht mehr mit Personal oder Absperrhaken oder anderen Dingen machen müssen. Sondern der Computer weiß schon eine Stunde, bevor das Schiff überhaupt am Hafen ist, was wie wo geladen werden muss. Wo ist eine Kühlkette? Welcher Container muss schnell runter? Wie muss der gelagert werden? Oder sind da besondere Zollpapiere, weil irgendwelche Hochsicherheitsdinge drin sind. Oder einfach nur, eine Schiffsladung iPhones ist vielleicht mehr als eine Schiffsladung Kinderspielzeug – aber das wissen wir ja nicht, wenn wir nicht wissen, was auf diesen Ladungspapieren steht. All das in eine Datenbank zusammenzuführen, was wie behandelt werden muss, ist ein Effizienzgewinn, den sie so vorher nicht hatten.
 
Ihr stellt sozusagen sicher, dass dann die optimale Technologie eingesetzt und das private Netz so aufgespannt wird, dass die ganzen Datenmengen richtig verarbeitet werden, damit das am Ende dem Betreiber zur Verfügung gestellt werden kann?
Christian
Genau, wir sorgen dafür, dass er smarter und effizienter arbeiten kann. Mich interessiert gar nicht, was das für Daten sind, sondern ich muss nur verstehen, was er damit tun will und wem ich diese Informationen zur Verfügung stellen muss. Sprich, muss ich Mitarbeiter schulen, und sagen, warum wir hier ein neues Netz aufbauen? Du musst die Leute auf die Reise mitnehmen, warum wir hier schon wieder »neues Zeug« bauen. Veränderung erscheint ja erst mal immer nur für einen begrenzten Nutzerkreis von Vorteil. Du musst den Leuten erklären, was wir hier tun – das vernichtet keine Arbeitsplätze, sondern du kannst dich auf die Dinge, die für dich wichtig sind, konzentrieren.

Ergebnisse, Geschäftsmodelle und Best Practices – So wird der Erfolg gemessen

Ich denke, anhand dieser Use Cases hat man sehr gut verstanden, was für einzelne Technologien da zum Einsatz kommen. In Richtung Ende würde mich noch mal interessieren, was ist jetzt der Business Case? Es geht um den Return on Invest oder die Kosteneinsparungen, die ich damit habe. Habt ihr Best Practices, die ihr mitgeben könnt, um Fehler und Kosten zu vermeiden? Christian, als Frage an dich: Du hast ja verschiedenste Kunden aus unterschiedlichsten Bereichen. Was ist für euren Kunden der Business Case? Und auf welche Fallstricke kannst du hinweisen, von denen du sagst, das betrifft irgendwie alle Kunden? Vielleicht kannst du noch ein paar Insights geben.

Christian

Was wir in den letzten Jahren herausgearbeitet haben, ist, dass es seltenst Produkte von der Stange für diese Kunden gibt. Deswegen tun sich auch die Netzbetreiber hier sehr schwer: Weil sie durch ihre Aufstellung gezwungen sind, standardisierte Produkte anzubieten. Wir haben über unsere 800 Vertriebspartner gemerkt, die jeden Tag mit dem Mittelstand zusammensitzen, dass es hoch individuelle Schmerzen sind, die der Mittelstand hat, die auch individuell angegangen werden müssen. Wir sagen deshalb: Sprechen. Sprechen Sie mit den richtigen Leuten, und sprechen Sie mit Leuten, die unabhängig sind. Diese Unabhängigkeit können wir von uns behaupten. Wir sind konnektivitätsunabhängig, weil wir kein eigener Netzbetreiber sind. Wir müssen nicht nur die Produkte eines Netzbetreibers in diese Projekte einbeziehen. Wir sind auch frei in der Gestaltung der Hardware und Sensorik. Wir können unabhängig für den Kunden beraten und entsprechend bei der Umsetzung helfen.

 

Und die Kunden müssen Zeit mitbringen, denn diese Projekte sind nicht mal schnell gemacht. Da braucht es Manpower im Unternehmen, sowie Schulungen und Veränderungsmanagement, um die Mitarbeiter in die Unternehmen mitzunehmen. Das sind umfassende Projekte. Wenn dort Themen in einer Branche möglicherweise standardisiert werden konnten, weil wir solche Lösungen mit den Kunden herausgearbeitet haben, ist es in dieser Branche für den Kunden auch leichter, uns wieder anzusprechen, weil sie diese ganzen Lösungen dann im GK-Hub finden.

 
Das verlinken wir in den Shownotes, damit man den Kontakt auch zu dir findet.
 
Eine Frage an dich Boris. Wir haben Use Cases von euren Kunden besprochen. Was ist der Business Case in Richtung der privaten Netze für euren Kunde und was kennst du für Fallstricke, Best Practices, die du mitgeben kannst?
Boris
Bei uns kannst du das so zusammenfassen, dass wir uns im Beginn der vierten Industrierevolution bewegen, weil Daten das neue Gold sind. Die meisten Kunden haben diese Daten, jedoch nicht in der Geschwindigkeit, Qualität und Güte, wie sie das vielleicht gerne hätten. Das, was da ist, muss einfach umgesetzt werden und zu dem gebracht werden. Da reden wir auch von Wettbewerbsvor- und -nachteilen. Nehmen wir die Container oder Abfertigung bei einem Event. Wenn du vorher dafür 15 bis 30 Minuten gebraucht hast, um einen Container ready for service zu machen. Zur Verschiffung, zur Anlandung auf den LKW und weiter. Oder in einer Industrieproduktionshalle den Durchfluss von Ware bis zum fertigen Produkt und zur Versendung fertig zu machen. Wenn wir sagen, wir können dir 75 Prozent Zeit einsparen, dann kann man das relativ schnell in bares Geld umrechnen. Das kann ich natürlich nur bedingt, weil ich die internen Kennzahlen nicht kenne. Aber ich kann dem Kunden sagen, wenn du dieses und jenes tust, gehen wir davon aus, dass deine Zeit, diesen Vorgang zu bearbeiten, um einen signifikanten Teil sinken wird. Dadurch bekommst du einen Wettbewerbsvorteil, weil dein Konkurrent dieses im Moment nicht hat.
 
Das gilt auch nicht nur große Hafenbetreiber, sondern auch für kleinere Industrieproduktionsstätten. Wir machen da etwas mit dem Fraunhofer-Institut zusammen, wo wir die Devices auf dem Gelände tracken. Wo sind zum Beispiel besonders teure Werkzeuge auf einem Werkhof? Wenn so ein Werkzeug 20–30.000 Euro kostet, weil es bestimmte Dinge kann, die andere nicht können – bevor du davon fünf Stück kaufen müsstest, weil du einfach nicht weißt, wer die hat, und wer hatte sie wie lange, sparst du so Geld. Oder bevor die Straßenbahn ins Depot fährt, weißt du schon, was repariert werden muss.
 
Das sind so Sachen, die wir damit machen können. Auch da hilft Reden ungemein. Es gibt nicht die eine Lösung, denn wenn es die gäbe, würden sich die originalen Netzbetreiber nicht so schwertun. Die Wahrheit liegt in der Mitte. Wir müssen immer etwas dazuliefern, was es so zum Standardprodukt nicht gibt. Dafür sind wir gerüstet. Wir haben den weltweiten Blick – was kann man irgendwo noch dazukaufen? Was gibt es vielleicht in den USA, in Kanada, in Mexiko oder auch einfach schlicht in Österreich, was hier so erst mal keiner kennt, weil es sich nicht zehntausendmal pro Woche verkaufen lässt. Sondern das sind vielleicht nur 50–60 Anwender – aber für die hat das einen signifikanten Mehrwert. Darauf legen wir großen Wert, dass wir ein Sammelplatz von Informationen sind: Wir verfügen über viele Dinge, über die große Bandbreite an Partnern und Zulieferern, die der normale Endkunde, weil er sich einmal im Jahr damit beschäftigt, gar nicht haben kann.
 
Ich würde das vollkommen unterstreichen. Der Kunde hat ja sein Wissen über die Prozesse und kennt wahrscheinlich den Return on Invest beziehungsweise weiß, was die Stunde oder ein Ausfall kostet. Das sind die individuellen Prozesse. Ich glaube aber, dass man durch solche Use Cases sehr viel lernen kann, weil es immer ähnliche Ansätze sind, mit ähnlicher Logik dahinter. Viele Lernkurven wurden schon genommen; viele Themen habt ihr mit euren Kunden schon durch, und da kann man von eurem Wissen profitieren, was über Jahre aufgebaut wurde. Jeder hat den Fokus auf seine Kompetenzen. Ihr habt den ganz klar in eurem Bereich und der Kunde hat den in seinem Bereich – so bringt das alle voran im Kontext IoT und Digitalisierung, dass gemeinsam anhand solcher Projekte gelernt werden kann.

TEILNEHMER

in dieser Folge

Christian Krug

Boris Krell

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Ing. Madeleine Mickeleit

Ing. Madeleine Mickeleit

Host & Geschäftsführerin
IoT Use Case Podcast