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Folge #32Folge #32Folge #32Gebäudebeleuchtung, Lichtinstallation & Außenwerbung – IoT spart Inspektionskosten und schafft eine wettbewerbsfähige Zukunft

In Podcastfolge 32 spricht Madeleine Mickeleit mit Sven Böse, Technical Sales Specialist aus dem Fachvertrieb M2M/IoT der Deutschen Telekom, und Gregor Giataganas, Geschäftsführer der Werbetechnikfirma Bertelmann sowie des Lichtsteuerung Start-ups LichtWART. Der Use Case handelt vom Einzug der Cloud of Things und der smarten Revolution in der Licht(-werbe)anlagenbranche.

Use Cases in diesem Podcast

Zusammenfassung der Podcastfolge

Mit der gemeinsamen Entwicklung einer IoT-Lösung rücken die LichtWART GmbH und die Deutsche Telekom Lichtanlagenbetreiber dauerhaft ins rechte Licht. Der Use Case handelt vom sogenannten LichtWART-Modul, einem Gateway, mit dessen Hilfe es möglich ist, Lichtanlagen zu überwachen, zu steuern und zu warten – und das durch eine smarte Gesamtlösung.

 

Eine Lichtwerbeanlage, die nicht oder nicht richtig leuchtet, kann Image- und Umsatzverlust bedeuten. Fällt ein Licht aus, wird es in der Praxis häufig viel zu spät bemerkt. Und manchmal passiert es auch, dass im Rahmen eines Service-Falls ein Netzteil ausgetauscht wird und kurz darauf das nächste kaputtgeht. All das ist mit hohen Kosten verbunden. Derartige Szenarien werden durch den Einsatz des LichtWART-Moduls vermieden: Das System erzeugt Mehrwerte, indem es automatisch Fehlermeldungen und Alarme generiert, Serviceabläufe verschlankt und Response-Zeiten verkürzt. Es behält den Lifecycle aller Komponenten im Blick und sorgt für vorausschauende Wartung – um nur einige Mehrwerte zu nennen, die in dieser Podcastfolge thematisiert werden.  

 

Als Königsweg der Verbindung gilt der Mobilfunk: Er schafft die Basis für eine sichere und stabile Konnektivität und einen reibungslosen Datentransport in die Cloud. Durch das LichtWART-Modul können Daten aus dem langjährig bewährten DALI-Bussystem konvertiert und anschließend über die vorhandene Schnittstelle via Mobilfunk in die Plug & Play aufgesetzte Cloud transferiert werden. Ein Vorteil des Moduls ist, dass es durch die integrierte Steuerelektronik autark arbeiten kann und keine permanente Connectivity benötigt. 

 

Auch die Trendthemen Lichtanlagen as a Service und Pay per Use werden in dieser Podcastfolge besprochen. LichtWART und die Telekom arbeiten zudem an der Entwicklung eines eigenen DALI-Interfaces für noch mehr Flexibilität. Auch befindet sich das LichtWART-Modul 2.0 in der Planung.  

Podcast Interview

Hallo Sven, hallo Gregor – herzlich willkommen zum Industrial IoT Podcast. Ich heiße euch herzlich willkommen! Sven, kannst du kurz etwas zu dir, deiner Person und deiner Rolle bei der Deutschen Telekom sagen?

Sven: Mein Name ist Sven Böse. Ich bin Technical Sales Specialist bei der Telekom Deutschland im Fachvertrieb M2M und IoT. Als Projektleiter umfasst mein Aufgabenbereich praktisch alle Projekte, die mit Digitalisierung, digitaler Transformation, Vernetzung, IoT bis hin zu Konnektivität zu tun haben. Lösungsgeschäfte, Asset Tracking, Cloud-Plattform, 5G-Vernetzung – das sind meine Kernkompetenzen.

Die Deutsche Telekom ist im Bereich IoT sehr breit unterwegs. Mich würde interessieren, was für Veränderungen oder neue Kundenanforderungen du eventuell am Markt siehst. Oder ist in dem Bereich die letzten Jahre etwas neu dazugekommen?

Sven: Viele Kunden nehmen uns immer noch als Infrastruktur-, Mobilfunk-, Festnetz- oder Datenleitungsanbieter wahr. Dass wir viel mehr können und viel mehr machen – gerade im Partneransatz – das wissen viele Kunden gar nicht. Deswegen ist es schön, dass wir hier heute unsere Lösung vorstellen dürfen. Ich bin hauptsächlich für Klein- bis Großkunden im Mittelstand unterwegs. Und was ich im Mittelstand sehe, ist, dass hier ein Umdenken stattfindet und auch stattfinden muss. Das heißt, sie entwickeln sich vom klassischen Hersteller, wie man es ganz oft im Mittelstand bei verschiedenen Gewerken hat, hin zum Plattform-Anbieter. Das bedeutet, sie bauen sich ein neues Geschäftsfeld auf. Sie gucken, dass sie neue Bereiche betreten, dass sie neue Geschäftsmodelle eruieren und diese mit uns auch gemeinsam in die Wege leiten. Sie möchten ihren Kunden ein neues Business, einen neuen Service anbieten. Und dadurch werden sie von einem klassischen Hersteller, den wir ganz oft im Werkzeugbereich oder im Anlagen-Maschinenbau haben, eine Plattform im IoT-Bereich.

Auf dieses Umdenken würde ich gleich noch mal genauer eingehen, Sven. Gregor, ich schau aber zunächst in deine Richtung. Magst du dich auch kurz vorstellen, sodass wir die Vorstellungsrunde komplett haben und danach ins Hauptthema einsteigen können?

Gregor: Sehr gern. Ich heiße Gregor Giataganas. Ich bin heute hier in doppelter Funktion: Einmal als Geschäftsführer der Firma Bertelmann GmbH aus Bünde, die in vierter Generation Lichtwerbeanlagen, Lichtanlagen und Werbetechnik plant, umsetzt, bundesweit installiert und wartet. Das ist auch der Keim der ganzen IoT-Lösung, die wir dann entwickelt haben. Die zweite Rolle ist meine Tätigkeit als Gründer und Geschäftsführer der LichtWART GmbH. Das ist ein Spin-Off der Bertelmann und 100 % eigenständig. Wir haben zusammen mit der Telekom eine IoT-Lösung entwickelt um Lichtanlagen und Lichtwerbeanlagen zu überwachen, zu steuern, zu warten und entsprechend dem Markt eine neue Lösung anzubieten. 

Kannst du uns kurz aus der Rolle der Lichtanlagen abholen? Wie muss man sich das Kerngeschäft klassischerweise vorstellen? Wo stehen diese Lichtanlagen und was für Anlagen sind das genau?

Gregor: Es gibt in Deutschland ca. 2,6 Millionen Nicht-Wohngebäude – so nennen die sich. Das sind alles Gebäude, die eine besondere Infrastruktur bieten, beispielsweise Handelszentren oder Gewerbe. Diese Nicht-Wohngebäude haben in der Regel Lichtanlagen. Das sind entweder Lichtwerbeanlagen, die eine gewisse Funktion haben, um eine Werbung zu transportieren. Oftmals sind es aber auch sicherheitsrelevante Lichtanlagen, um den Menschen Orientierung zu geben. Gerade in der dunklen Jahreszeit ist es bei so großen Gebäuden sehr wichtig zu erkennen, wo der Haupteingang ist. Diese Informationen werden heutzutage bzw. eigentlich schon seit sehr langer Zeit mit Licht transportiert. Die Betreiber dieser Gebäude haben natürlich den Wunsch, dass mit Lichtanlagen Informationen transportiert werden und sie gut gefunden werden. Natürlich haben sie auch Interesse daran, dass die Lichter gut gewartet werden und immer funktionsfähig sind. Jeder Betreiber solcher Lichtanlagen hat auch die Auflage, dafür Sorge zu tragen, dass sie gut funktionieren. Und da sind wir als LichtWART unterwegs, um bei diesen Strukturen zu helfen und wie man das am besten lösen kann. Ein gutes Beispiel ist der Berliner Bogen in Hamburg. Dort haben wir einen Haupteingang, der wirklich sehr, sehr prominent ist, mit Licht ausgestattet.


Du hattest jetzt von Betreibern der Gebäude gesprochen. Sind das auch klassischerweise die, mit denen ihr im Kernbetrieb sprecht, oder sind es auch noch andere Verantwortliche, mit denen ihr zu tun habt?

Gregor: Wir haben mit mehreren zu tun – dass sind zum einen die Betreiber selbst, die ein eigenes Interesse haben, solche Lichtanlagen zu installieren, aber zum anderen auch die Hersteller dieser Anlagen. Das heißt also Firmen, die im Endeffekt im Auftrag dieser Betreiber die Lichtanlagen oder Lichtwerbeanlagen herstellen und montieren und im Nachgang auch den Service und die Wartung übernehmen. Das ist eigentlich das Spannungsfeld, in dem wir uns bewegen. Der dritte Partner sind meistens die Behörden, die in irgendeiner Form Auflagen machen bezüglich der Lichtimissionen. Das spielt auch eine Rolle und da helfen wir den Betreibern, diese Auflagen zu erfüllen. 

Jetzt reden wir im Bereich IoT auch immer über konkrete Mehrwerte: Ich würde gern mal erfahren, was in der Regel die Kernmotivation eines Betreibers ist, ein solches Thema anzugehen, also Lichtanlagen intelligenter zu machen. Was sind klassische Herausforderungen oder vielleicht auch Problemstellungen, mit denen Kunden zu euch kommen?

Gregor: Eines der wesentlichen Faktoren ist sicherlich das Thema Kostenoptimierung. Das heißt also zu schauen, ob man durch intelligente Systeme die Gesamtkosten in den Griff bekommt. Man kann sich vorstellen, wie das ist, wenn so eine Lichtanlage ausfällt: Erstens bleibt das oft sehr lange unbemerkt, weil die Lichtanlagen in der Regel nachts leuchten, wenn es dunkel ist. Das heißt, bis das irgendwann festgestellt wird, dauert es relativ lange, durchaus Wochen oder Monate. Und dann ist dahinter natürlich der ganze Prozess, der angestoßen werden muss, um sowas zu reparieren oder zum Service zu machen. In der Regel ist das umständlich für die Betreiber und entsprechend mit Kosten behaftet. Das sind sozusagen die Dinge, die man als erstes sieht. Eine Lichtanlage, die nicht leuchtet oder nicht richtig funktioniert, kann durchaus auch Umsatzverlust bedeuten. Als Beispiel: Ein Werbeturm an der Autobahn, der die Raststätte schon von Weiten ankündigt. Wenn diese Anlage nicht richtig leuchtet, fahren alle daran vorbei, weil sie das nicht so richtig mitkriegen. Und das ist natürlich schon teilweise auch ein Umsatzrückgang, den man dann feststellen kann. Ein weiterer Punkt ist natürlich die sogenannte Brand Awareness. Das heißt, jemand, der viel Geld für eine Lichtanlage ausgibt, möchte natürlich auch, dass sie ihren Zweck erfüllt: dass die eigene Marke oder der eigene Name transportiert wird. Und das ist natürlich auch wichtig. Wenn das Ganze flackert oder nur teilweise leuchtet, dann wirft das in der Regel kein gutes Licht auf den Betreiber dieser Anlage. Das sind so die Gründe, die als allererstes genannt werden und an der Stelle helfen wir gern mit LichtWART.

Ich würde gern mehr über die Lichtanlagen erfahren. Wie muss man sich so eine Lichtanlage vorstellen? Du hast von Service, Reparaturen und Kostenoptimierung gesprochen – welche Daten sind da interessant?

Gregor: Es gibt natürlich eine sehr große Bandbreite an unterschiedlichen Techniken und Technologien. Der Klassiker ist die LED-Ausleuchtung. Das heißt, wir haben dort in den Lichtanlagen selbst LEDs, die für das Licht sorgen und die LEDs werden angetrieben von sogenannten Treibern, Netzteilen oder Convertern. Diese Netzteile sorgen dafür, dass der Strom immer richtig fließt und auch die LEDs entsprechend leuchten. Davor haben wir noch mal so etwas wie eine Zeitschaltuhr oder eine Dämmerung-Schaltung. Das heißt, da gibt es schon Techniken, die schon lange im Markt sind, die im Endeffekt dafür Sorge tragen, dass solche Lichtanlagen zur richtigen Zeit leuchten. Aber das ist überwiegend alles analoge Technik. Was bedeutet, dass dort im Endeffekt alles immer vor Ort manuell eingestellt werden und auch entsprechend überwacht werden muss. Oder es muss noch nachgeguckt werden, was genau ausgefallen ist, wenn etwas ausfällt.

Diese Zeitschaltuhren bzw. Netzteile hängen wahrscheinlich direkt an der Gebäudeinfrastruktur von euren Kunden?

Gregor: Das ist teilweise so. Mittlerweile ist das Thema Gebäudeautomatisierung nicht nur Buzzword, sondern ein Muss für alle neuen Gebäude, weil es natürlich eine Menge Infrastruktur intern bietet. Viele Lichtinstallationen sind im DALI-Bussystem angeschlossen. Aber die Lichtanlage ist noch teilweise ein kleiner Exot, deswegen ist das nicht immer der Fall tatsächlich. Diese Gebäudeautomatisierung hat natürlich immer einen sehr lokalen und begrenzten Effekt. Gerade für große Filialisten mit mehreren tausend Filialen ist das zwar lokal interessant, aber über die gesamten Anlagen haben sie keinen Überblick. 

Welche Stakeholder sind in diesem Konglomerat rund um diese Lichtanlage involviert? Sind das zum Beispiel interne oder externe Servicetechniker? Wie funktioniert das genau?

Gregor: Das ist sehr unterschiedlich gelöst. Wir haben einmal den klassischen Hausmeisterdienst oder das Facility Management, wo erstmal selbst nachgeschaut wird, ob die Anlagen gut laufen oder warum sie vielleicht nicht laufen. Dann haben wir Elektriker, die hinzugebeten werden, freie Elektriker, die entsprechend beauftragt werden. Die wenigsten haben eine eigene Service-Truppe dafür und greifen deshalb auf externe Service-Unternehmen zurück. Diese Service-Unternehmen fahren durch die ganze Republik und reparieren die Anlagen. Das ist auch eines der Probleme im Endeffekt: Wenn eine Anlage ausfällt, muss man vielleicht sogar zwei Mal hinfahren. Einmal ein Service-Techniker, der sich das Ganze anguckt und feststellt, was der Schaden ist – beispielsweise ein Netzteil, das ausfällt, und zwischen 60 und 100 Euro kostet. Und dann muss er noch ein zweites Mal hinfahren mit dem Ersatzteil. Das ist natürlich auch in Hinblick auf die Umweltbelastung nicht gerade vorbildlich. Außerdem sind die Kosten entsprechend hoch für den Betreiber.

Sven, ich schau jetzt mal wieder in deine Richtung: Wenn ich diese Netzteile oder LEDs im Feld habe, wie kriege ich diese Daten in die Cloud, wenn ich euch als Mobilfunkanbieter anspreche und eine IoT-Lösung suche? Wie muss ich mir das vorstellen?

Sven: Also es gibt mehrere Möglichkeiten. Wir sind nicht nur auf Mobilfunk beschränkt, was natürlich ein großer Vorteil ist. Wir können die Geräte, die der Kunde mit seiner Connectivity bereits mitbringt, über unsere Cloud of Things, die wir direkt von der Telekom anbieten, über LAN oder WLAN anbinden. In dem Fall ist es wirklich eine Mobilfunk-Schnittstelle, die wir hier nutzen, um die Daten sozusagen von dem Gateway – an dem der DALI-Bus angeschlossen und der LichtWART mit drin ist – direkt in die Cloud zu überspielen. 

Um die Hörer abzuholen, die DALI-Bus nicht kennen: Das ist ein spezifisches System, das in dem Lichtumfeld bekannt ist?

Gregor: DALI-Bus ist ein sehr bewährtes System, was schon seit vielen Jahrzehnten in der Gebäudeautomation und -steuerung eingesetzt wird. Es ist im Endeffekt ein drahtgebundenes System in Gebäuden. Das heißt, es müssen Kabel verlegt werden. Über diese Kabel werden Informationen und Steuerbefehle ausgetauscht. Ob das jetzt die Jalousie ist, die gesteuert wird, das Garagentor oder in diesem Fall eine Lichtwebeanlage, die ein- und ausgeschaltet oder gedimmt wird. 

Sven, jetzt hattest du gerade gesagt, der Kunde bringt die Connectivity mit. Was genau bedeutet das?

Sven: Im Prinzip ist es so, dass der Kunde, wie ich schon erwähnte, z. B. über einen LAN-Anschluss, der ihm zur Verfügung gestellt wird, die Daten bei seinem Endkunden abrufen und übermitteln kann. Wenn dieser mal gestört ist, weil beispielsweise ein Bagger ein Kabel durchhaut, dann kann er natürlich nicht gewährleisten, dass die Daten in der Cloud ankommen. Deswegen sagen wir immer, dass der beste Weg, die Daten zu übermitteln, die eigene Konnektivität ist. Das heißt, er bekommt von uns die Konnektivität in Form einer Mobilfunk-Karte. Das kann eine Karte, aber auch ein SIM-Chip sein – je nachdem, wie der Industriestandard ist oder ob es vielleicht besonders robust sein muss oder besondere Temperaturen abkönnen muss. Das ist immer vom Use Case abhängig. Mobilfunk ist wirklich der sicherste Weg, die Daten auch in die Cloud zu transferieren. 

Das heißt, die Mobilfunk-Karte oder der Chip sind Gateways, die ich sozusagen an dieses Netzteil setze und die dediziert ausgewählte Daten für den einzelnen Anwendungsfall in die Cloud senden?

Sven: Ja, also der erste Schritt in diesem Projekt und in diesem spannenden Thema war wirklich zu schauen: Welchen Partner setzen wir für die Hardware ein? Denn wir machen nicht alles selbst aus eigenem Hause, sondern wir haben ein großes Ökosystem und einen großen Partnerpool, an dem wir uns bedienen. Der Vorteil davon ist einfach, dass der Kunde uns als Telekom als einen Generalunternehmer und einen Ansprechpartner hat, und wir im Hintergrund für den Kunden alles regeln. Wir wählen zunächst den richtigen Hardware-Partner aus und schauen, mit welchem Gateway oder Modul haben wir die Möglichkeiten, die Daten aus dem DALI-Bus zu konvertieren, um dann über die vorhandene Schnittstelle via Mobilfunk in die Cloud zu transferieren.

Wenn die Daten in der Cloud sind – was passiert dann? Es muss ja vorher bestimmt eine Intelligenz geschaffen werden, die reagiert, wenn eine spezielle LED ausfällt. Wer schafft diese Intelligenz? Ist das etwas, das ihr mit LichtWART aufnehmt, Gregor? 

Gregor: Also wir haben dort eine Intelligenz in der Cloud eingebaut, die die Telekom uns geliefert hat. Wir haben gesagt, wir brauchen ein Monitoring durch dieses LichtWART-Modul, das uns bei gewissen Vorfällen, die vor Ort festgestellt werden, eine Benachrichtigung gibt. Das hat die Telekom als entsprechende Cloud of Things umgesetzt, dass wir Alarme vorgegeben haben. Ein Beispiel: Ein Netzteil fällt aus. So eine Anlage kann aber z. B. 18 Netzteile haben, die die gesamte Anlage unter Strom setzen. Wenn eines dieser Netzteile ausfällt, dann wird das vom LichtWART-Modul erkannt und über die Mobilfunk-Konnektivität in die Cloud übermittelt und von dort wird dann dieser Alarm als Nachricht transportiert. In diesem konkreten Beispiel kriegt der Servicetechniker eine Info mit „Nummer 17 ist ausgefallen“. Der Betreiber kriegt die Info, dass das so ist und eventuell, wenn man das gut organisiert hat, kann sogar der Lieferant des Netzteils diese Info ebenfalls bekommen. Dieser kann das Ersatzteil innerhalb von zwei Tagen schon auf die Baustelle schicken und der Servicetechniker weiß dann auch, dass das Ersatzteil dort ist und kann es sofort austauschen.

Sven, wenn ich mir die Lösung in der Cloud einmal vorstelle: Ich habe da wahrscheinlich verschiedene Bausteine neben der Connectivity, eine Infrastruktur, auf der das Ganze aufgebaut wird. Kannst du uns erklären, wie das genau funktioniert?

Sven: Die Cloud ist bei uns wirklich Plug & Play aufgesetzt. Wir haben die Möglichkeit, relativ schnell ein Dashboard zusammen zu klicken. Wir haben vordefinierte Widgets, unsere Magenta Widgets, die wir nutzen. Wir haben in dem Fall bei Gregor aber auch wirklich eigene Widgets auf unserer Plattform entwickelt, weil die Anforderung von Gregor so war, dass wir Visualisierungsmöglichkeiten benötigt haben, die unsere Widgets noch nicht zutage gebracht hatten. Da hatten wir eine besondere Anforderung. Es geht also beides: Man kann sich natürlich den Widgets der Cloud der Dinge bedienen, aber auch noch selbst entwickeln. Letzteres haben wir auch gemacht. Wir haben verschiedene Thematiken aufgenommen, wie beispielsweise eine Kalenderfunktion, wie man die Anlage automatisch steuern kann. Wir haben hier z. B. auch Betriebsdatenleser. Das heißt, wir wissen ganz genau, wie lang sind welche Konverter gelaufen. Sodass man in einem Service-Fall, wenn etwas ausgefallen ist, nachschauen kann, ob z. B. ein weiterer Konverter kurz vor end of life ist. Dann kann man den gleich mit austauschen und muss nicht zwei oder drei Monate später wieder zum selben Kunden fahren und den Konverter im Nachgang austauschen. So spart man sich wieder einen Schritt, Kosten und Prozesse werden optimiert. Das sind alles die Themen, die wir damit abhandeln können.

Gregor, abschließend noch mal eine Frage zur Gesamtlösung: Wie sieht die Lösung für eure Kunden am Ende genau aus?

Gregor: Für uns war es wichtig, dass wir so eine Lösung als Gesamtlösung wirklich aus einer Hand beziehen. Ich komme ursprünglich ein bisschen aus der IT-Branche und mir war bewusst, wenn ich jetzt jemanden bitte, mir Hardware zu entwickeln, jemand anderem sage, er solle bitte die Konnektivität herstellen und einem Dritten vielleicht in irgendeiner Form eine App programmieren lasse, dass ich dann eventuell aufgerieben werde zwischen diesen drei Zulieferern. Und das ist hier bei der Telekom ganz anders. Das war für uns die Grundvoraussetzung, dass alles aus einer Hand beginnt. Das Herzstück, das zusammen mit der Telekom entwickelt wurde, ist das sogenannte LichtWART-Modul. Das ist ein industrie-robustes Hardware-Teil, das direkt in der Nähe der Lichtwerbeanlage eingebaut wird und über den DALI-Bus die Informationen der Lichtanlagen empfängt, aber auch steuern kann. Mit robust meine ich in erster Linie, dass es autark läuft und auch wirklich eine lange Lebenszeit vor Ort hat. Die Sachen werden immer wettergeschützt verbaut, das ist klar. Aber wichtig war uns zum Beispiel, dass das Modul autark arbeitet. Wenn einmal keine Konnektivität in die Cloud da ist, werden alle Prozesse, die dort stattfinden müssen, schon auf dem Modul direkt programmiert. Das heißt, dort läuft das alles autark und die Kommunikation zur Cloud muss auch nicht fortlaufend sein. Wir haben entsprechende Zeitfenster, in denen wir die Daten senden oder die Steuerbefehle direkt umsetzen können. Das war schon mal sehr wichtig. Wir haben dort einen Lichtsensor, der die Umgebungshelligkeit entsprechend abgreift, sodass man weiß, wie hell es gerade vor Ort ist. Wir haben natürlich auch verschiedene Zeitzonen, je nachdem, wo es gerade eingesetzt wird. Und was wir machen: Wir messen erstmal, was vor Ort ist. Dann können wir steuern, indem wir gewisse Werte in der Cloud vorgeben. Ich sag jetzt mal zum Beispiel die Helligkeit der Anlagen regeln, sodass sie nicht auf 100 % läuft, sondern vielleicht nur auf 80 %. Und dass wir dann durch die Überwachungsfunktionalitäten immer im Bilde sind, wenn etwas passieren sollte, was wir nicht erwarten. Das sind Alarme, die dann ausgelöst werden und dann wiederum in irgendeiner Form etwas in der Cloud auslösen, und wir, die Betreiber und die Servicetechniker reagieren können. 

Sprecht ihr vielleicht auch mit einzelnen Herstellern wie LED-Herstellern oder Netzteil-Herstellern, die euch zusätzliche Infos geben können? Das sind ja wahrscheinlich wahnsinnig viele Datenschätze, die ja vielleicht vom Hersteller an sich schon bereitgestellt werden könnten, oder? Gibt es diese Schnittstelle schon oder ist das eine Intelligenz, die ihr mitbringt?

Gregor: Wenn die Netzteile DALI-konform arbeiten, haben sie so etwas schon mit eingebaut. Wir müssen natürlich mit den verschiedenen Herstellern sprechen, was ihre Netzteile schon unterstützen heutzutage. Wir haben z. B. eine Kooperation mit der Hansen GmbH aus Haselund (dänische Grenze), die Netzteile entwickeln. Die haben die Netzteile beispielsweise so intelligent gemacht, dass man entsprechende Fehlerbilder erkennen kann, die unterschiedlich sein können. Es ist ein Unterschied, ob ich einen Kurzschluss habe, ob der gesamte Strom ausfällt oder die LED-Kette vielleicht Probleme hat. Wir sprechen natürlich mit den Herstellern und wir sprechen natürlich auch mit den Herstellern der Lichtwerbeanlagen, weil für die ist auch wichtig zu wissen, wenn sie etwas einbauen: Was funktioniert wie? Welche Netzteile können wir dafür verwenden? Wie kann ich das LichtWART-Modul sinnvoll einsetzen?

Dass all diese Hersteller schon Schnittstellen, Intelligenz in der Hardware und eine gewisse Offenheit mitbringen, ist wahnsinnig relevant, sodass ihr darauf aufbauend damit arbeiten könnt, oder?

Gregor: Das ist relevant, ja. Und da gibt es vor allem im Bereich DALI auch Entwicklungen, die voranschreiten. Beispielsweise das Thema Smart City, bei dem solche Lösungen wichtig sind. Wir verfolgen natürlich diese Entwicklungen und versuchen auch immer alle Schritte mitzugehen. Wir sind aber auch dabei, ein eigenes DALI-Interface zu entwickeln. Wir möchten gern selbst in der Lage sein, mit den verschiedensten Herstellern der Netzteile zusammenzuarbeiten, ohne dass wir darauf angewiesen sind, uns irgendwo festzulegen. Und auch da ist die Telekom mit uns an Bord und macht entsprechende Entwicklungen und die nächsten Schritte mit uns zusammen. 

Bevor ich zum eigentlichen Business Model komme, vorher an dich die Frage, Sven: Was ist aus diesem Projekt konkret der Mehrwert, das Ergebnis sozusagen für den Kunden?

Sven: Also einmal das Thema Prozesskostenoptimierung, die automatisierte Meldung, die per E-Mail, per SMS oder auch per Telefonanruf aus dem System generiert werden kann. Wir haben hier die Bearbeitung von Fehlermeldungen, reduzierte Prozessketten, die gesamten Serviceabläufe und die Response-Zeiten sind ein wichtiges Thema. Wenn der Kunde wirklich mal einen Ausfall auf der Anlage hat, dass er nicht mit dem Ausfall an einer Stelle leben muss, sondern er die ganze Anlage abschalten kann und der Imageverlust sich somit in Grenzen hält. Das sind so die gröbsten Themen. Natürlich aber auch die ganzen SLA, die Service Level Agreements, die man mit dem Endkunden wieder machen kann und welche Möglichkeiten da eingeräumt werden können. Das Thema Reduktion der Lichtimission ist ganz wichtig, also Green Economy ist ein relevanter Punkt. Es gibt gesetzliche Vorgaben, dass man zu einem bestimmten Dämmerungslevel auch nur ein bestimmtes Lichtlevel haben darf, um die Natur, die Insekten, zu schützen. Das kann man alles mit LichtWART einstellen und wunderbar visualisieren und überwachen. Das ist natürlich ein ganz großer Mehrwert, den Gregor da bei behördlichen Zulassungen hat und Erleichterung auf jeden Fall auch.

Ich stelle jetzt mal eine provokante Frage: Sind die Behörden eigentlich so digital, dass diese Schnittstelle schon da ist? Oder gibt es vielleicht Ansätze, dass die Behörden digitaler werden?

Sven: Klar, bei den Behörden mahlen die Mühlen immer etwas langsamer. Das ist vollkommen richtig. Aber auch die Behörden und die Kommunen werden zunehmend digitaler und stellen sich darauf ein. Wenn sie natürlich diesen Schritt nicht mitgehen würden, würden sie auch irgendwo auf der Strecke bleiben und sich hinten einreihen müssen. Sie gehen auch mit der Zeit und wollen ihr Gesicht mit Sicherheit auch wahren. Es geht langsamer, aber es geht auch dort voran. Gregor sieht das wahrscheinlich ähnlich.

Gregor: Na gut, wir haben mit den Behörden insofern auch am anderen Ende zu tun, weil wir gern dafür Sorge tragen wollen, dass die Lichtanlagen oder Lichtwerbeanlagen genehmigt werden. Das ist immer dieser Spagat zwischen dem Betreiber, der gern eine Anlage installieren möchte und der Behörde, die natürlich die Auflagen überwachen will, ob das alles auch so passt an der Stelle, wo sie installiert werden soll. Bis dato gab es diese Technologie nicht. Deswegen wissen die Behörden das auch noch gar nicht. Das ist also auch ein Teil unserer Mission. Sie damit vertraut zu machen, dass es möglich ist, Lichtanlagen zu genehmigen, weil wir alles mithilfe dieser Steuerung überwachen können. Wir können durch die Protokollierung der Werte der Betreiber den Behörden nachweisen, dass die Anlagen entsprechend so laufen. Und wenn sich tatsächlich mal ein Nachbar gestört fühlen sollte, dann kann man wirklich mit dem Nachbarn hingehen und mit dem Tablet oder Smartphone einfach sagen: „Okay, lieber Nachbar, dir ist das zu hell. Wir können das ein bisschen runterregeln. Passt dir das so?“. Und wenn er sagt, dass das so passt, dann ist die Sache behoben. Und das ist praktisch etwas, was die Behörden noch nicht kennen. Nächster Schritt für uns wird aber sein, darüber die Daten zur Verfügung zu stellen. Also dass wir sagen: „Okay, wir können tatsächlich nachweisen, dass es mit diesen Daten, die wir zur Verfügung haben, auch gelingt, das einzuhalten, was die Behörden uns vorgeben.“.

Sven hatte von Service Level Agreement gesprochen. Da sind wir eigentlich auch schon beim Thema Geschäftsmodelle und Pay per Use, was aktuell ja in aller Munde ist. Wie seht ihr das im Bereich der Lichtanlagen, Gregor?

Gregor: Grundsätzlich ist das Thema As a Service ja schon sehr breit geworden mittlerweile. Das ist auch für die Lichtanlagen oder Lichtwerbeanlagen denke ich ein Zukunftsthema. Nur ist die Lichtwerbebranche was digitale Geschäftsmodelle angeht noch früh am Start. Wir versuchen natürlich eine Plattform dafür zu bieten. Es ist unsere Aufgabe, eine Art Sponsor für Plattformen zu sein und digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Eins davon ist sicherlich Lichtanlagen oder Lichtwerbung as a Service. Da sind wir aber noch ganz am Anfang. Was wir aber leisten können – dadurch, dass wir jetzt die Technologie mit den digitalisierten Daten und dem Monitoring der Anlagen bieten – ist, solche Verträge mit entsprechenden Absprachen zu untermauern. Wenn jemand tatsächlich eine Uptime von 98 Prozent braucht, dann können wir jetzt mit dem LichtWART-Modul, den Daten, die in der Cloud gesammelt werden und den Reporting-Berichten, die automatisiert erstellt werden, einen solchen Service als Plattform bieten.  Das gab es bis dato nicht und das wird sicherlich in den nächsten Jahren zunehmen. Da bin ich fest davon überzeugt.

Siehst du da schon eine Akzeptanz beim Endkunden? Oder ist das etwas, das noch gepushed werden muss im Markt? Im Endeffekt ist das ja auch ein Thema, das man ja erst einmal verkaufen muss. 

Gregor: Es gibt Endkunden, die teilweise große Teile ihrer eigenen Fertigungsstraßen oder Prozesse tatsächlich as a Service bekommen. Nehmen wir mal den Markt der Presslufttechnik. Da ist es früher so gewesen: Jeder hatte seinen eigenen Kompressor, seine eigene Leitung und musste sich darum kümmern. Heutzutage kann er das einfach as a Service kaufen. Er nimmt die Pressluft ab, aber der Betreiber dieser Pressluftanlage ist er nicht selbst, sondern eine Firma, die ihm das zur Verfügung stellt. Und so eine Lichtwerbeanlage oder Lichtanlage ist ja auch eine Investition, die sich über einen gewissen Zeitraum rechnen soll. Wir sprechen da vielleicht über 10 Jahre und das ist ein Modell, das man sehr gut abbilden kann. Das heißt, der Betreiber muss sich um nichts kümmern. Wenn ein Schaden auftritt, dann wird er innerhalb einer entsprechend vereinbarten Zeit behoben. Die Anlage wird vielleicht jedes Jahr oder alle zwei Jahre gereinigt, was auch ein wichtiger Aspekt ist. Und so kann man sicherstellen, dass man die Funktionalität, die man über einen Zeitraum X haben möchte, mit einem monatlichen Betrag einfach einkauft, statt sich selbst darum kümmern zu müssen. Das ist sicherlich etwas, was im Markt in vielen Bereichen mehr um sich greift.

Sven, noch mal in deine Richtung: Ihr seid ja nicht nur in dem Licht-Umfeld unterwegs. Kann man solche Lösungen auch auf andere Branchen übertragen? Ihr habt wahrscheinlich eine Menge Use Cases unterschiedlichster Bereiche.

Sven: Absolut. Es ist so, dass wir branchenübergreifend wirklich mit jedem Kunden im Mittelstand Berührungspunkte diesbzeüglich haben – das kann vom klassischen Maschinenbauer sein, das kann von der Profikoch-Technik sein, das kann vom Gulli auf dem Flachdach sein. Da gibt es unheimlich viele Facetten. Aber das ist völlig autark immer zu betrachten, denn jeder hat natürlich andere Anforderungen. Das Thema Pay per Use ist auch ziemlich häufig ein Thema, was Gregor schon sagte, aber oftmals muss der Business Case dahinter stehen. Häufig sind das Themen, die für die Zukunft sind. Aber am Anfang fängt man natürlich kleiner an, beispielsweise im Bereich Smart Building. Genau wie einen Smart City Bereich gibt es auch ein Smart Building Bereich und da gehört zum Beispiel LichtWART rein. Da gibt es viele verschiedene Lösungsansätze.

Wenn ich meine Lichtanlagen smarter machen möchte – wie nehme ich Kontakt zu euch auf?

Sven: Im Prinzip ist iot.telekom.com ist eine Seite, die wir zur Verfügung stellen, und über die der Kunde für 60 Tage die Cloud testen kann. Er kann sich die Anwendung anschauen, ob sein Business oder sein Use Case da reinpasst. Dann kann er über ein zentrales Postfach mit uns Kontakt aufnehmen. Bei Gregor war es so, dass er von der Telekom im standardisierten Geschäftskunden-Bereich betreut wurde und schließlich die Anfrage über den Account Manager reinkam. So ist das auch bei vielen anderen Kunden. 

Und Gregor, wenn ich Gebäudebetreiber bin oder vielleicht ein Service-Dienstleister – wie erreiche ich dich am besten?

Gregor: Unsere Website heißt Lichtwart.io und dort kann man einen Termin direkt mit mir buchen. Da wir ja tatsächlich ein Start-up sind, bin ich als Gründer natürlich auch vorne dran, um alle entsprechend gut informieren zu können. Dort kann man sich auch die ersten Informationen über die Lösungen und die Services holen, mit denen wir unterwegs sind. Uns liegt natürlich auch etwas daran, die Anfragen aus dem Markt herauszuholen und Learnings mitzunehmen für das LichtWART-Modul 2.0, das wir gerade entwickeln. Um auch zu sehen, ob da noch mehr Bedarf ist, als was das Modul heute schon kann. 

Ich danke euch für eure Zeit, eure Insights und Darstellungen. Das ist wirklich ein richtig spannendes Projekt mit vielen interessanten Themen, die da mit Sicherheit in Zukunft noch kommen werden.

 

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Sven Böse

Gregor Giataganas

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