#13Die Stimme aus dem Mittelstand – Wie sieht eine erfolgreiche IoT Strategie von der OT in die IT Welt aus? | Frank Seifert | seioTec GmbH
Use Case 1 | Glasrecycling Hersteller | Langzeitüberwachung von Prozessdaten
Auch für OEMs mit komplexen Zuliefererstrukturen gibt es eine Lösung, um Planungszeiten einzusparen. Der Use Case kommt regional aus dem Thüringer Kompetenzzentrum in Ilmenau und ist gemeinsam mit einem SAP-Integrator umgesetzt. Der Kunde ist ein Medizingerätehersteller (OEM), welcher mit mehreren Dienstleistern und Lieferanten standortübergreifend arbeitet. Problem des OEM ist der nicht direkt verfolgbare Auftrags- und Lieferzeitpunkt. Häufig erfolgt die Abstimmung über E-Mails, jedoch gibt es kein Gesamtbild darüber, wo sich welche Baugruppen des Medizingeräts befinden. Eine Transparenz über den Ort, also ob sich das Teil in der Endkontrolle oder noch in der Montage befindet, würde hier Planungszeiten optimieren. Frank erklärt, dass er zunächst der Annahme war, dass die Lieferanten diese Datentransparenz nicht wollen. Im Verlauf des Projekts ergab sich jedoch, dass der OEM eine stärkere Kundenbindung und Vertrauen durch eine fertigungsübergreifende Planung entwickelt. Der Mehrwert liegt auf der Hand: Planungsprozesse können vom OEM nun dynamisch stattfinden und Zeiten dadurch optimiert werden. Eine Integration von ERP- und Personalressourcen der Lieferanten und Unterlieferanten, sowie eine Verfolgung der Teile über RFID führen zur Transparenz. Interessant wird dieser Use Case vor allem dann, wenn eine Rückmeldung von Live-Daten aus dem Shopfloor mit einfließen. Schlussendlich wird ein „digitaler Schatten“ als Abbild der Produktion geschaffen in Abhängigkeit der Zulieferer.
Die technische Lösung zum Start eines Industrial IoT Projekts in den Fokus zu stellen führt häufig nicht zum Ziel. Frank erklärt, welche weiteren Fehler die seioTec GmbH aus den letzten 2 Jahren mitgenommen hat. Die Konnektivität und die detaillierten Funktionen sollten erst nach dem sog. User Experience Design ausformuliert werden. Der Bediener in seiner Costumer Journey schon zu Beginn anhand eines einfachen MVPs feststellen, welche Funktionen überhaupt brauchbar sind und welche nicht. In diesem Zusammenhang ist das MVP, das im Frontend der App entwickelte Dashboard, welches zwar schon bedienbar ist, jedoch auf keine echten Daten zugreift. Dieses soll zunächst vor allem schnell und einfach die erste minimal funktionsfähige Iteration der Software zeigen. Nachdem das Feedback der Teilnehmer eingeflossen ist, kann die App dann weiterentwickelt werden. Es soll den minimalen Funktionsbedarf decken und handlungsrelevantes Feedback aller relevanter Stakeholder gewährleisten.
Die Firma seioTec ist ebenfalls an einem Forschungsprojekt beteiligt, welches in einem Konsortium aus unterschiedlichen Firmen zusammengesetzt ist. Das Projekt trägt den Namen SPAICER und besteht aus einem breitgefächerten Netzwerk aus über 40 assoziierten Partnern. Das vom BMWi teil-geförderte Konsortium entwickelt ein datengetriebenes Ökosystem auf der Basis lebenslanger, kollaborativer und niederschwelliger Smarter Resilienz-Services durch Einsatz führender KI-Technologien und Industrie 4.0 Standards. Das Ziel ist Störungen vorherzusehen (Antizipation) und Produktionsplanungen jederzeit an aktive Störungen optimiert anzupassen (Reaktion). Beispielhaft führt Frank hier Werkzeuge, welche in der Produktion verwendet werden, an. Fragen wie: „Was passiert, wenn ich meine Werkzeuge nicht im Lager habe?“ oder „Kann ich Werkzeugbruch voraussagen und wie kann ich mich nächstes Mal besser vorbereiten?“ werden durchleuchtet. SeioTec übernimmt in diesem Konsortium die Software- und die Teilapplikationsentwicklung, um Resilienz-Management für Firmen auf mehreren Ebenen zur Verfügung stellen zu können. Ziel ist ein Teilökosystem entstehen zu lassen, wo auch andere Firmen, die wiederum KI-Methoden für Wetterprognosen, Schifffahrtswege etc. entwickelt haben, diese einspielen können.
Zum Ende gibt uns Frank seine Sichtweise auf die Zukunft und die Prognose zur IoT Technologie der nächsten 5 Jahre. Dem mittelständischen Maschinenbau ist bewusst geworden, dass Digitalisierung ein Riesen-Thema ist. Die reine Mechanik wird immer vergleichbarer. Durch softwaregetriebene Ansätze und künstlicher Intelligenz ergeben sich Möglichkeiten für Vorteile am Markt. Neue digitale Services werden entstehen und Frank sieht hier große Chancen auch im Mittelstand. Im Thema KI wird es immer wichtiger werden reproduzierbare Ansätze zu schaffen. Big Data wird zu Smart Data und diese Ansätze müssen verständlich in der Breite einfach und anwendbar kommuniziert werden. KI muss durch Fachexperten nachvollziehbar, interpretierbar und reproduzierbar sein. Hier werden sich in den nächsten Jahren auch Grenzen der Ethik und Einsatzgebiete herausstellen.
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seioTec GmbH ist das IoT spin-off der SEITEC GmbH. Die SEITEC GmbH liefert seit über 20 Jahren innovative Lösungen für die Fertigungs- und Prozessautomation, sowie industrienahe Softwareentwicklungen. Das Leistungsspektrum erstreckt sich dabei von der Konzeption über die komplette Projektabwicklung bis hin zur weltweiten Inbetriebnahme. Seit einigen Jahren entwickelt das interdisziplinäre Team auch weiterführende Lösungen im Kontext von Digitalisierung und Industrie 4.0. Seit 2018 bündelt man im eigenen IoT spin-off seioTec GmbH 20 Jahre Erfahrung in der Industrieautomation mit dem langjährigen IT und WEB-Technologie Know-how des Co-Gründers und CTO Kay Hölzemann. seioTec entwickelt für seine Kunden maßgeschneiderte IoT basierte digitale Geschäftsmodelle und Services und begleitet die Kunden über alle Phasen der digitalen Transformation, vom Consulting über Ideation-Workshops bis zur App Entwicklung für etablierte IoT Plattformen, sowie deren Betrieb und Service.
23.09.2020