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ADAMOS GmbH – Dr. Marco Link | Lösungen aus dem Ökosystem Maschinen- und Anlagenbau – Wie verkaufe ich meine IoT Lösungen im App Store der Zukunft?

#010 | SaaS | Ökosystem

Hier mehr zu den Use Cases aus der Folge erfahren

Ich spreche in dieser Folge mit Dr. Marco Link, dem Geschäftsführer der ADAMOS GmbH über Industrial IoT Lösungen im Maschinen- und Anlagenbau. Marco erklärt, wie die zukünftigen Entwicklungen von Industrial IoT AppStore’s und damit einhergehende Herausforderungen wie z.B. Subscription (monatliche Abo-) Modellen, dem „Single-Sign On“ und einem entsprechendem Devicemanagement.

Podcast Transkript Folge 10 | Lösungen aus dem Ökosystem Maschinen- und Anlagenbau - Wie verkaufe ich meine IoT Lösungen im App Store der Zukunft?

Ing. Madeleine Mickeleit |

Hallo und herzlich willkommen zur zehnten Folge des Industrial IoT Use Case Podcast. Ich bin eure Gastgeberin Madeleine Mickeleit und spreche heute mit Dr. Marco Link, dem Geschäftsführer der Adamos GmbH, vielleicht kurz vorab zu Marco. Er ist seit Gründung 2017 Geschäftsführer des IoT Joint Ventures Adamos GmbH und hat im Bereich Wirtschaftsinformatik promoviert. Er hat zuvor in der Software AG am Aufbau strategischer IoT-Partnerschaften mitgewirkt. Kurze Zusammenfassung zu Adamos. Sie verfolgen mit ihren Partnern ein konkretes Ziel, und zwar ein Ökosystem zu schaffen mit einer durchgängigen digitalen Lösung für den Maschinen- und Anlagenbau. Diese verhilft unterschiedlichsten Maschinenbauern, aber auch deren Kunden, IoT-Lösungen zu entwerfen, weiter zu entwickeln und zu vertreiben. Adamos bringt da ein Angebot aus Technologie und Community mit, welches aus unterschiedlichen Bereichen besteht, und zwar zum einen das Netzwerk für den Maschinen- und Anlagenbau, für den Erfahrungsaustausch dann die Plattform als technische Grundlage zur Entwicklung digitaler Produkte, den Adamos Hub als Daten-Infrastruktur und den sogenannten Adamos Store als Marktplatz für digitale Geschäfte. Was das genau in der Praxis bedeutet, erklärt uns Marco dann gleich zu Beginn der Folge.

Kurze Zusammenfassung, worüber wir sprechen. Zunächst definieren wir den Begriff Plattformen und was man genau darunter versteht. Dann gehen wir auf das sogenannte Store- Konzept ein. Wie kann ich als Maschinen- und Anlagenbauer meine Maschine genau verkaufen? Wie wird sich vielleicht auch ein Stück weit ein Store-Konzept in der Zukunft entwickeln? Oder was es auch schon heute gibt? Dann reden wir allgemein über die Zukunft dieser IoT App-Stores. Da sprechen wir über Themen wie Single-Sign on und die Herausforderungen in Multi Cloud-Lösungen. Es geht um den Lock-in-Vorgang und die Zugriffsrechte von Anbieter übergreifenden Applikationen. Dann gehen wir in Richtung Mehrwerte für den Endkunden. Da nennt Marco eine Reihe an Use Cases. Ein Use Case ist von der Firma ASM, die sozusagen die Elektronikbestückung machen (entwickelt haben?) und zwar haben die eine Lösung entwickelt, die heißt Factory-Chat, ist im Endeffekt eine neue Chat-Anwendung für die datensichere Telekommunikation. Aber auch Infos können hier hinterlegt werden, wie zum Beispiel Handbücher, Wartungspläne, Adressen, Notizen, Service-Verantwortlichkeiten und so weiter. Dann gehen wir auf den Use Case der Firma Dürrr ein, die heißt DXQ Equipment Analytics ist ein digitaler Wartungsassistent um Werkern, die beispielsweise am Lackierungsroboter stehen, Maschinen Hinweise zu geben über z.B. einen drohenden Druckluftabfall. Dann gibt’s weitere innovative Lösungen, wie zum Beispiel das Kundenportal von Mayer & Cie. für den aktuellen Stand von Maschinen und Problemen im Feld mit einem entsprechenden Absprung in den Part-Shop. Dann aber auch Kunden wie Schenck Rotec GmbH, die hat innovative Lösungen an den Markt gebracht. Gestern noch vielleicht per USB, heute digital, und die Kunden können sowohl einzelne Maschinenkomponenten analysieren als auch ein Monitoring der Gesamtanlage durchführen. Aber auch Lösungen wie von Karl Mayer beispielsweise, wo Textilmuster in der Cloud verfügbar sind, sogenannte Check-Parts und Scan-to-order beschreibt Karl Mayer auch selbst auf seiner Website, um die Beschaffung von Ersatzteilen zu vereinfachen und viele weitere Lösungen. Dann sprechen wir noch kurz zum Thema Device-Management, also Maschine plus Cloud. Wie manage ich diese im Feld und dann gibt uns Marco entsprechende Tipps aus dem Netzwerk und einen Zukunftsblick.

Und jetzt wünsche ich viel Spaß mit dieser Folge. Mit Marco Link, dem Geschäftsführer der Adamos GmbH.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Hallo Marco. Herzlich willkommen zum Industrial Use Case Podcast. Ich freue mich dich heute dabei zu haben und wie geht es dir und dem Team zur Zeit?

Dr. Marco Link |

Ja, herzlichen Dank! Ich freue mich auch sehr über die Einladung, Madeleine. Ja, uns gehts gut soweit. Wir sind ja zwar mitten im Maschinenbau und stellen durchaus fest, dass es unseren Maschinenbauern gerade leider nicht so gut geht. Da haben wir so einige Einschläge, Kurzarbeit und auch Auftragsrückgänge und so weiter.

Ich glaube, dass ist gerade schwierig. Nichtsdestotrotz sind wir froh, mit dem Thema Digitalisierung natürlich gerade en vogue zu sein und wirklich im Kern derzeit die Zukunft mitgestalten zu können.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Das heißt ihr arbeitet jetzt aber aus dem Homeoffice heraus? Oder wie arbeitet euer Team gerade?

Dr. Marco Link |

Genau, wir haben jetzt die letzten Wochen überwiegend aus dem Homeoffice gearbeitet. Wir sind ja sowieso relativ dezentral, haben auch generell einige Mitarbeiter, die im Homeoffice sind. Allerdings holen wir jetzt langsam die Mitarbeiter wieder in die Büros zurück. Das macht doch die Kommunikation einfacher.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Ja gut. Ich habe im Podcast Intro schon einige Punkte über dich und Adamos erläutert. Aber ich denke es wäre gut, wenn du persönlich einige Punkte zu dir, deiner jetzigen Rolle bei Adamos und einfach ein paar Themen aus der Praxis uns mitgeben könntest.

Dr. Marco Link |

Ja gut, Marco Link, 39 Jahre alt. Ich bin von Haus aus Wirtschaftsinformatiker, an der TU Darmstadt unterwegs gewesen in der Vergangenheit und auch bei der Software AG, war im Business Development und IT-Management unterwegs und über verschiedene Handlungsstränge auch in diesen Bereichen, immer schon in der Industrie unterwegs gewesen, Automotive auch schon die Anfänge von Integration in der Industrie, bei Software AG in verschiedenen Projekten mitgemacht und über die Aktivitäten dort, insbesondere auch mit der Firma Dürrr, Zeiss und so weiter. Da war ich dann Earlybird, sozusagen in dem Projekt, damals noch Projekt Adamos und dann auch von Anfang an Mitarbeiter Nummer eins und jetzt Geschäftsführer der Adamos GmbH.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Ja, spannend. Für mich wäre zu Beginn ein wenig mehr über Adamos an sich zu sprechen. Ich denke viele aus dem IoT-Umfeld kennen euch bereits, aber für die, die euch nicht kennen, ihr seid ja letztendlich eine strategische Allianz für den Maschinen- und Anlagenbau rund um die Themen Industrie 4.0 und Industrial Internet of Things, aber auch eine Plattform, Plattform as a Service mit entsprechendem Ökosystem usw. Was genau versteht ihr darunter in der Praxis? Und wie ist eure Vision dazu?

Dr. Marco Link |

Genau also wir sind ja als Adamos als Joint Venture organisiert, wir haben aktuell acht Gesellschafter.

Jetzt kürzlich zum Ende Q1 PwC, Deutschland noch hinzugekommen, das ist kein klassischer Maschinenbauer, aber durchaus ein Unternehmen, was einen guten Blick, einen sehr guten Blick auf das Thema Industrie und auch Digitalisierung hat. Die anderen Gesellschafter sind überwiegend Maschinenbauer wie Dürrr, DMG Mori, Zeiss, Karl Mayer, Engel und die Software AG. Hier gibt es schon, wie du gesagt hast, eine strategische Allianz gebildet, um das Thema Digitalisierung im Maschinenbau mehr zu unterstützen. Wir arbeiten natürlich nicht nur mit diesen 8 Gesellschaftern, sondern wir haben ein Partnernetzwerk etabliert, was mittlerweile über 30 Partner beinhaltet. Das sind überwiegend auch kleinere Maschinenbauer, die sich uns anschließen, und auch von der Expertise und von den Strategien und Konzepten, die wir hier entsprechend nach vorne treiben, profitieren wollen. Also All-in-all bilden wir gerade so ca. 10 % des deutschen Maschinenbaus an der Stelle ab.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Okay. Vielleicht können wir auf das Thema Ökosystem noch einmal später eingehen. Mich würde zu Beginn mal interessieren das Thema Plattform. Das hört man ja gefühlt zur Zeit überall. Was bedeutet das für dich genau bzw. ihr seid ja – zumindest liest man das ja auch im Internet – ich sag mal eine Plattform-as-a-Service und bietet das ja auch als Dienstleistung an. Was bedeutet für dich Plattform? Hast du da eine Definition oder auch für euch?

Dr. Marco Link |

Gut, also Plattform ist ja oft ein sehr inflationär gebrauchter Begriff. Also ich glaube, man kann das bei uns in mehrere Teile teilen. Einmal verstehen wir uns als Allianz, auch als Community. Wir wollen auch das Thema Wissensaustausch und Erfahrungsaustausch entsprechend stark fördern. In den Medien oder in den Schriften in den letzten Jahren sind wir im Wesentlichen ja immer in Verbindung mit der IoT-Plattform genannt worden. Ich sage jetzt mal so ein bisschen flapsig wie unsere Positionierung am Anfang war, also sehr technisch unterwegs gewesen. Wir haben die Iot-Plattform, mit der kann man ja Maschinen anbinden. Man kann Applikationen, unterschiedliche Use Cases auf dieser Plattform abbilden, und ich sage so im Nachhinein immer, das war so ein bisschen wie wir legen jemandem einen Hammer hin und bitten ihn, das Haus zu bauen. Aber teilweise ist die Kompetenz und das Knowhow gar nicht da, ein solches Haus zu bauen. Das heißt, dieser Aspekt der Community ist für uns ja enorm wichtig gewesen, auch am Anfang. Das haben wir noch stark gepusht über verschiedene Austauschformate, über Partner Calls. Wir haben so ein Intranet, ein Partner Portal, wir haben Hackathons. Also all diese Dinge, um diese 30 Partner, die wir hier vereinen, im Prinzip wirklich in den Austausch zu bringen und sozusagen Best Practice Sharing zu betreiben, so dass jeder Einzelne schneller in seinen eigenen Themen unterwegs ist. So, das ist mal das eine, das ist die Community. Die gerade angesprochene IoT-Plattform ist ja eine von vielen IoT-Plattformen, die am Markt existent sind und da ist die Definition aus meiner Sicht nicht wirklich klar gegeben, weil um das ganz einfach zu beschreiben, ist für mich eine IoT-Plattform, im Wesentlichen ein Werkzeugkasten, den ich nutzen kann, um gewisse Dinge schneller zu tun als ohne diesen Werkzeugkasten, in dem ich das alles von Null an programmiere. Das ist das typische Path Layer Thema, mit teilweise auch schon Path Layer Elementen, also Services wie z.B. Device Management, was man dann mehr oder weniger auf der Box nutzen kann. Nichtsdestotrotz ist das, wenn jetzt mehrere Firmen auf ein und derselben IoT-Plattform, welche auch immer das ist, verschiedene Use Cases abbilden, heißt es noch lange nicht, dass diese Use Cases dann auch 100 % kompatibel zueinander sind. Deswegen finde ich es sehr gut, dass du zu Beginn erstmal nach dem Begriff Plattform fragst, also einmal das, was wir unter IoT-Plattform verstehen, ist für mich im Wesentlichen ein Werkzeugkasten, den ich nutzen kann. Eine Path-Plattform, die ich nutzen kann, um Applikationen zu bauen, darüber und das ist im Prinzip auch der Zeit geschuldet und der Erfahrung, die wir in den letzten drei Jahren gemacht haben und die Weiterentwicklung, die wir mit Adamos an der Stelle gemacht haben, haben wir uns noch viel stärker dahingehend geöffnet. Da können wir sicher später auch nochmal ein bisschen mehr zu sprechen, dass wir ein sogenanntes Adamos Hub Konzept aufgesetzt haben, was, in der Theorie, würde man sagen, eher einer multi- sided Plattform entspricht, nämlich eine Plattform, die verschiedene Stakeholder zusammenbringt, aber unabhängig davon, welche Technologien zum Beispiel im Rahmen von Applikationen dort genutzt werden, damit diese Applikationen miteinander sprechen und und und und. Plattform als Werkzeugkasten, Plattform, als sozusagen Transaktionskosten minimierendes Element. Und darunter verstehen wir diesen Adamos Hub, worüber wir gern gleich noch mehr darüber sprechen können.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Genau. Das nehme ich auch gleich noch mit auf. Aber eine Frage vorab nochmal. Das Thema Marktplatz fällt manchmal im Zusammenhang mit euch. Wie spielt das da mit rein? Ist das dann in der Richtung Software-as-a-Service, das auch Maschinenbauer ihre Lösungen vielleicht stückweit vermarkten können oder wie muss man das bei euch genau einordnen?

Dr. Marco Link |

Absolut, an diesem Konzept, Adamos Hub, was ich gerade erläutert habe, haben wir eigentlich zwei Komponenten. Es hat einmal den Adamos Hub. Das ist so zu sagen die Integrationskomponente, die unterschiedliche Applikationen über eine zentrale Stelle mit Daten versorgt. Und auf der anderen Seite haben wir den sogenannten Adamos Store. Das ist dann das, wo richtige Marktplätze zum Leben erweckt werden in Zukunft. Und wir sehen uns als Adamos, als „enabler“ für den Maschinenbau an der Stelle, sodass wir es auch den Maschinenherstellern und auch den Ökosystemen rund um diese Maschinenhersteller sehr einfach machen, zukünftig ihre digitalen Lösungen an den Endkunden zu bekommen. Und das ist dann genau der von dir angesprochene Marktplatzaspekt, wo sich aus unserer Sicht mit unserer Unterstützung auch zukünftig verschiedene Marktplätze, sei es ja Brands oder firmenspezifische Marktplätze oder aber auch branchenspezifische Marktplätze entwickeln werden.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Okay, wenn ich jetzt ein Maschinen- und Anlagenbauer bin und beispielsweise meine Applikationen schon auf einer Infrastruktur XY gebaut habe, gibt es da schon Ansätze wie Maschinenbauer diese Lösung da platzieren könnten oder habt ihr da schon erste Beispiele aus der Praxis wie so etwas überhaupt aussehen könnte?

Dr. Marco Link |

Absolut. Das ist ja genau das Konzept, weil wir unsere Erfahrungen mit dem Angebot einer Plattform oder einer IoT-Plattform gemerkt haben, dass die Welt da draußen sehr heterogen ist. Das ist ja nicht nur unternehmensübergreifend, sondern teilweise auch innerhalb der Unternehmen habe ich Thematiken wie Kompetenzen, Skills in gewissen Technologien, gewisse Vorlieben von verschiedenen Teams, die vielleicht gerne etwas auf Microsoft oder auf Amazon oder sonst was bauen. Und da wird diese Heterogenität, sagen wir mal natürlich auch nutzen möchten, um am Ende eigentlich Werte zu generieren, nämlich irgendwo geht es ja immer darum, Produktionen zu optimieren, Transparenz zu erhöhen, Verfügbarkeiten zu erhöhen und so weiter. Und letztlich, haben wir gesagt, spielt es ja gar keine so große Rolle, auf welche Technologie da Anwendungsfälle umgesetzt worden sind. Das Wichtige ist aber, dass der Endkunde, der nachher den Mehrwert auch verspüren soll, eine gewisse Durchgängigkeit erhält. Und das sind einfache Themen zu Beginn, wie zum Beispiel, dass ich einen gemeinsames Lock-in-Mechanismus habe, also ich bin die ganze Zeit „on“ wo ich mich als Kunde, nehmen wir mal einen potenziellen Kunden von Engel und DMG, das sind Maschinen, die oft auch in Produktion nebeneinander stehen, wo ich als Kunde, wenn ich in verschiedenen Prozessschritten mit diesen Maschinen zu tun habe, von der einen Applikation, die vielleicht in der DMG kommt, auf eine Applikation, die von der Engel vielleicht kommt. Die Applikationen sehen dann vielleicht unterschiedlich aus, haben ein anderes Branding und so weiter, aber allein schon mal Login-Vorgang gespart und auch alle Themen, die mit Zugriffsrecht und so weiter verbunden sind, die ich damit schon mal entsprechend weg habe. Und diese Integration, da haben wir verschiedene Kompatibilitätslevels. Da sind wir auch gerade mit all unseren Partnern in einer Private Beta-Phase unterwegs. Wir werden dieses Konzept Hub & Store am Ende des Jahres launchen und sind jetzt in der Private Beta-Phase und sind dabei, zahlreiche bestehende, auch auf ganz unterschiedlichen Plattformen gebaute Applikationen entsprechend umzubauen.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Okay. Ich denke mal der Ansatz Bedarfsträger auch zusammenzubringen und Kompetenzen & Skills wie du das gerade gesagt hast, ist da glaube ich ein sehr spannender Ansatz, den ihr da verfolgt. Was siehst du den für Geschäftsmodellansätze aus dem Maschinen- und Anlagenbau, wenn es jetzt um solche Applikationen geht. Hast du da vielleicht auch ein Beispiel, einen Use Case, den du uns da geben kannst aus diesem Bereich?

Dr. Marco Link |

Ja, also ich glaube, erst mal muss man verstehen, dass die Geschäftsmodelle, von denen immer gesprochen wird, teilweise ja sehr weit weg sind, weil sie sehr viel „groundwork“ benötigen. Wenn man z.B. über Maschinen-as-a-Service oder Subskriptionmodelle nach Ausprägungsmenge und sich Gedanken macht, dann steckt da eine ganze Menge an Anforderungen drin, die erstmal erfüllt sein müssen, dass ich überhaupt in so ein Geschäftsmodell reingehen kann. Und das ist auch genau die Stärke von der Community, das wir gemeinsam uns nach vorne arbeiten und gemeinsam diese Grundlagen schaffen, um dann auch in diese ganzen Themen vordringen zu können. Letztlich sehen wir, teilweise fängt es auch relativ einfach an. Also wir haben beispielsweise auch ASM als Shareholder bei uns mit dabei. Die machen so Elektronikbestückungsanlagen. Und die haben sich gesagt, wie schaffe ich es denn eigentlich, im ersten Schritt mal die Akzeptanz auf dem Shop Floor für solche digitale Lösungen zu schaffen und haben mal komplett frei gedacht und haben etwas aufgebaut, was sie dann als Factory Chat benennen. Das ist sozusagen ein Kommunikationsmedium für den Shop Floor, wo sich verschiedene Werker über Maschinen, über verschiedene Servicefälle und so weiter quasi in so einer Art Chat oder Forum miteinander austauschen können; sehr, sehr innovativ aufgebaut, um damit auch erst mal eine Akzeptanz für dieses neue Medium oder auch für einen Screen auf dem Shop Floor erstmal zu schaffen. Da sind wir ja auch teilweise in einer etwas anderen Welt unterwegs, wo nicht jeder irgendwie mit einem Tablet rumläuft, eine E-Mail-Adresse hat und man easy Workflow Management machen kann. Also das ist mal so ein Ansatz, wo man sagt, man versucht mal mit möglichst wenigen Hürden, da müssen auch am Anfang keine Maschinen angebunden sein, mal reinzugehen und wächst dann sozusagen mit der Akzeptanz und mit dem Verständnis des Kunden fährt man diese Lösung weiter hoch bis hin zu man schließt Maschinen an und so weiter und so fort.

"einfache und effektive Kommunikation auf dem Shopfloor"

Dr. Marco Link |

Darüber hinaus natürlich klassische Fälle, die jetzt beispielsweise auch auf der IoT-Plattform umgesetzt worden sind. In Kooperationsprojekt ist beispielsweise das Thema, was die Firma Dürr für das Automotive Segment gemacht hat, die nennen das Textur Analytics ist im Prinzip  eine Streaming Applikation, die direkt auf dem Shop Floor an den verschiedenen Lackierrobotern, das sind immer solche Stationen, also Dürr baut ja immer Lackierroboter, die den Automobilen entsprechend lackiert werden. Das sind oft so sechs oder acht Roboter, die an einer Station stehen und diesen Lackiervorgang durchführen. Und hier ist es so, dass diese Edge Komponente dieser IoT-Plattform, diese Daten der Roboter, in Echtzeit aufnimmt und auf Basis verschiedenster Patterns dem Werker vor Ort entsprechende Hinweise gibt, ob es irgendwo zu Drucklufthemen kommt oder zu Fehlerfälle kommt, die dann letztlich auch dazu führen können, dass auch der Lack dann entsprechend nicht so ist, wie er sein soll. Das ist auch ein Thema was Dürr im Kontext Adamos zusammen mit Software AG entsprechend aufgebaut hat und was dann auch und das ist das Schöne an der Community, was dann auch wieder aufgegriffen wird jetzt von anderen Partnern, wo sie sagen wir haben zwar nicht den Fall, aber bei uns ist der Fall ganz ähnlich, so dass dann ein Großteil der Entwicklung an der Stelle dort auch entsprechend wiederverwendet werden kann.

💡Use Case 2 | Dürr (u.a. Lackierroboter) „DXQ Equipment Analytics“ | Störungen beseitigen, #Wartungsarbeiten unterstützen, Produktqualität sicherstellen

"Qualitätseinbußen im Lackierprozess durch live Monitoring vermeiden"
Jetzt Expertenbeitrag zur "DXQ Equipment Analytics" lesen

Ing. Madeleine Mickeleit |

Gut, okay. Super spannend. Wie kamt ihr da genau in das Projekt mit herein, also Dürr als Mitglied als Mitglied, Shareholder, also wie sieht so ein Prozess mit dem Kunden aus? Also, wenn jetzt z.B. jemand anfragt der ein ähnliches oder vielleicht ein anderes Problem hat oder die Logik die gleiche ist. Wie geht ihr da genau mit dem Kunden vor?

Dr. Marco Link |

Gut. Wir als Adamos, nehmen an der Stelle natürlich eine vermittelnde Rolle ein und zwar eine Informationsverteilerrolle an der Stelle. Wir sehen natürlich Anforderungen, die existieren und können Applikationen oder Lösungen, die wir irgendwo anders gesehen haben, dann entsprechend matchen und die Personen zusammenbringen. Und man muss dazu sagen, die Partner arbeiten hier auch sehr, sehr eng zusammen. Die Shareholder arbeiten auch sehr eng zusammen. Die Partner arbeiten auch sehr eng zusammen, also das ist also schon ein sehr enges Miteinander. Wir sagen manchmal auch sehr vertraut miteinander. Großes Vertrauen, was auch gerade, ich meine es ist auch nicht selbstverständlich, dass diese Firmen in dieser Community auch die Türen aufmachen und sagen guck mal, das wollen wir die nächsten drei Jahre machen. Das sind unsere Strategien und so weiter. Und das zeichnet uns glaube ich hier an dieser Stelle aus und darüber finden sich dann letztlich auch die Projektpartner. Also vielleicht auch noch ein Beispiel. Wir haben als Adamos selbst eine generische OEE Applikation aufgebaut und das in Zusammenarbeit mit 4, 5 unserer Partnerfirmen getan, indem wir dann gemeinsame Sprint Reviews gemacht haben, die Anforderungen am Anfang gemeinsam aufgenommen haben und so zu einem Produkt kommen, was dann auch von mehreren für ihre Endkunden entsprechend genutzt werden können. Also letztlich alles im Sinne von Time-to-market für den Maschinenbauer an der Stelle und dadurch Mehrwert für den Endkunden.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Ja, spannend. Und mit dieser OEE-App, d.h. die ist auch übertragbar auf mehrere, sag ich mal, Unternehmen, da sie ja auch komplex ist oder ein komplexeres Thema, Infrastruktur vor Ort oder je Prozess vielleicht auch. Also da haben dann so 4,5 Partner ihre Cases mit eingebracht und ihr habt z.B. daraus könnte man sagen Produkt entwickelt, was man auch skalierbar auf andere ähnliche Unternehmen anwenden kann? Habe ich das richtig verstanden?

Dr. Marco Link |

Genau, genau genau das Ziel ist es auch am Ende, ich habe ja vorhin von diesem Hub berichtet, am Ende natürlich auch immer mehr Anwendungsfälle zu generieren, die auch einen horizontalen Charakter haben. Denn auch der Endkunde interessiert sich in der Regel nicht für die Einzel OEE einer einzelnen Maschine, sondern für seine Produktionslinie haben. Und da kommen wir schon an den Punkt, du hast es vorhin schon mal angesprochen Geschäftsmodelle. Wie macht man das? Und das ist sicherlich nicht ganz einfach, weil man hier auch verschiedene, ja, wie soll ich sagen, Interessen der Einzelgruppen hat. Und das ist etwas, wo wir uns langsam vorarbeiten, wo wir Konzepte entwickeln. Wie kann man es trotzdem schaffen, dass auch eine skalierbare Zusammenarbeit zwischen diesen Partnern, zum Beispiel im Rahmen von so einer Applikation, auch später beim Rollout stattfindet? Vielleicht auch nochmal ein Beispiel aus diesem Übergreifenden raus. Eine große Herausforderung für spezielle Komponentenhersteller ist es ja, dass sie in der Regel zu ihren Kunden oder zu denjenigen, die ihre Komponenten in den Maschinen verbaut nutzen, oftmals gar keinen Kontakt haben, weil es dann immer über die Maschinenhersteller läuft, die diese Komponenten verbauen. Jetzt haben wir aber natürlich die Komponente Hersteller, die auch Applikationen bauen und Mehrwerte generieren, die dann teilweise für übergeordnete Applikationen der Maschinenhersteller interessant sind, aber teilweise auch für die Endkunden direkt interessant sind. Und mit diesem Hub, ich meine, das ist jetzt schon noch etwas Zukunft, weil das ist jetzt nicht der erste Schritt, den wir da dort angehen, aber mit diesem Hub werden wir eine zentrale Stelle schaffen, um diesen Datenaustausch dann auch zwischen Komponentenhersteller, Maschinenhersteller in Richtung der Endkunden auch stattfindet letztlich.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Hm, hm. Jetzt habe ich zwei Fragen einmal zu eurem Hub und zum anderen das Thema Multi-Cloud und der Komplexität und was du gerade gesagt hast, das ist ja genau der Fall, ich habe jetzt einen Komponentenhersteller, ich habe jemanden der die Maschine oder Anlage selber baut und verschiedene andere Bedarfsträger. Gibt es da schon einen Lösungsansatz oder habt ihr in dieser Beta-Version einen Ansatz gefunden wie man diese Multi-Cloud-Problematik und vielleicht auch Datenschnittstellen, das ist ja ein wahnsinnig komplexes Thema irgendwie lösen bzw. angehen kann?

Dr. Marco Link |

Also zu dem Thema Multi-Cloud ist unser Ansatz so wie schon eben gesagt, dass sämtliche digitale Lösungen Applikationen letztlich von demjenigen, der sie anbietet, auch komplett in der Verantwortung gehalten werden. Was wir nicht tun, ist, dass wir irgendwelche jetzt in diesem Hub Kontext auf der IoT-Plattform da machen wir auch Betrieb und so weiter, aber in dem Hub Kontext ist es so, ab hier ist der gesamte Betrieb für diese Applikation in der Verantwortung des Applikationsherstellers. Und wenn er sich für eine Plattform A, B oder C entscheidet, dann ist er auch verantwortlich dafür, dass es auf diesen Plattformen die entsprechende Applikation in den vertraglich auch vereinbarten SLA (Servicelevel) auch läuft. Man muss im Prinzip dann gewisse Agreements schließen. Wenn ich zum Beispiel für einen Prozess drei Applikationen habe, die laufen auf drei verschiedenen Technologien ein, dann müssen diese Anbieter natürlich auch nicht nur das technisch anwenden, sondern müssen auch gewährleisten, dass gewisse Verfügbarkeiten gegeben sind, ein gewisser Support auch gegeben ist. Das sind solche Voraussetzungen, die wir auch geben, um dann letztlich auch diese Applikationen in dieses Ökosystem einzubringen, die wir auch vorschreiben. Und dann ist es so, dass diese Applikationen verschiedene Kompatibilitätslevel haben können. Und das, was du sagst, es wird sehr schnell sehr komplex. Wir haben aber gesagt, wir wollen da die Komplexität im ersten Schritt mal gering halten und nicht direkt, so wie es oft passiert, mit dem Schwersten anfangen, sondern wir haben uns jetzt entschieden, wie eben schon angedeutet Log-in mit Adamos, Single-sign-on-Kompatibilität zu Applikationen im zweiten Level, das ganze Thema zentral abgelegt in Maschinenstammdaten, sprich der Kunde definiert am Ende seinen Maschinenpark, also der Maschinenbetreiber definiert, welche hundert Maschinen stehen in meinen Hallen, in welcher Zeit, in welchen Linien und so weiter. Und diese Daten können dann entsprechend von den verschiedenen Applikationen genutzt werden, wenn der Kunde es zulässt, da ist auch ein entsprechendes Rechtemanagement hinterlegt, so dass auch der Kunde gewissen Applikationen gewisse Daten zur Verfügung stellen kann. Der nächste Level ist dann zum Beispiel das ganze Thema Condition Monitoring, wo ich einfach eine Information darüber bekomme, in welchem Status ist die Maschine und alles, was über diese Levels hinausgeht, da sind wir gerade noch dabei, auch auf bestehende Standards aufzusetzen. Aber wir wollen es auch ein bisschen dynamisch gestalten. Wir wollen jetzt nicht sagen wir nehmen uns einfach einen Standard her und implementieren und hoffen, dass es dann funktioniert. Wir wollen das sehr dynamisch aufbauen, dass der Datenaustausch zwischen Applikationen mit einem geschickten Modell einhergeht. Aber das ist, wie gesagt, noch ein bisschen Zukunft nach vorne. Die anderen Themen glauben wir aber, dass wir damit auch schon enorme Mehrwerte generieren.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Hm. Noch mal eine kurze Zwischenfrage für die, die das Thema noch nicht so in der Tiefe kennen. Könntest du den Begriff Single-sign-on noch einmal erklären?

Dr. Marco Link |

Gut, das Single-sign-on ist ja letztlich wie aus Office Welt, kennen das glaube ich alle. Wir haben da gar kein Problem damit, wenn ich von Excel ins Outlook springe. Dann bin ich immer angemeldet als Marco Link. Die Applikationen, die momentan auf den Shop Floors dieser Welt unterwegs sind, haben teilweise nicht mal einen Log-in-Mechanismus und die Applikationen die aktuell von verschiedenen Herstellern auf ihren eigenen Plattformen angeboten werden, liefern entsprechend immer wieder die Möglichkeit mit, dass man die User, die diese Applikationen nutzen, immer entsprechend anlegen muss. Also man hat z.B. eine Instandhaltungsapplikation und ich muss jetzt sagen in meiner Firma arbeiten die 15 Leute damit. Die muss ich anlegen, einladen und dann können sie mit dieser Applikation arbeiten. Wenn ich jetzt aber davon ausgehe und das ist unsere Hypothese, die Welt entwickelt sich mehr und mehr in Richtung Cloud und die Applikationen werden mehr und mehr Datenapplikationen, dann möchte ich ja von der einen Applikation in die andere springen und möchte dann auch sofort dort angemeldet sein. Und wie gesagt für uns ist an vielen Stellen selbstverständlich für die Maschinenbetreiber, die verschiedene Hersteller hinter sich haben und es sind ja nicht nur die Hersteller sondern auch andere Softwareanbieter, die verschiedene Elemente hier mit aufbringen oder Software hier mit reinbringen ist das natürlich eine Herausforderung.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Okay. Eine Frage, die ich vorhin noch hatte zum Adamos Hub. Habt ihr da schon eine Art Logik oder irgendwie Filterkriterien wie auch immer wie man diese einzelnen, sag ich mal Themen auch clustert. Weil es gibt ja im Internet und überall so viele verschiedene Anwendungsfälle, verschiedene Stores, die sich an der einen oder anderen Stelle auftun. Habt ihr da für euch schon eine Art Logik entwickelt oder vielleicht auch schon einen Ansatz?

Dr. Marco Link |

Gut, wir sehen uns hier klassisch als Enabler. Wir sagen jetzt nicht, wir wollen jetzt den Shop oder das ist der einzige denn überhaupt aufbauen, sondern wir wollen ja unsere Maschinenbauer „enabeln“ ihre Applikationen zu verkaufen. Und in diesen neuen Subskriptionsmodellen und so weiter ist das Verkaufen ja gar nicht so wie sie das kennen, sondern da habe ich ja untermonatlich vielleicht dynamisch irgendwelche Veränderungen, da sind mal ein paar Maschinen mehr oder weniger oder ich habe zwei User weniger und und und. Und das abzubilden ist etwas was wir ja mit dem Store tun. Das ist der Aspekt wo der Maschinenbauer, sage ich mal, auch einen großen Vorteil durch hat, wir das entsprechend anbieten für ihn, wir ihm aber auch die Möglichkeit geben das ganze zu clustern. Und das ist jetzt meine Antwort auf deine Frage. Der Maschinenbauer A wird ein Portfolio zusammenstellen, was für seine Kunden interessant ist und wird dieses Portfolio auch in Richtung seiner Kunden entsprechend vermarkten. Da kann es natürlich sein, dass er auch nochmal Unterkategorien aufbaut, dass er sagt, das hier sind die werkzeugmaschinennahen Themen, das andere sind eher so die Planungsthemen, dass man das auch nach Wertschöpfungskette strukturiert. Da sehen wir jetzt öfter, dass das auch so passiert. Das überlassen wir aber sozusagen dem Maschinenhersteller, der sein eigenes Portfolio managen kann. Das Zweite, das habe ich auch vorhin schon kurz angesprochen, dass man das auch in verschiedenen Segmenten, in industriespezifischen Marktplätzen sieht, wo man sagt na ja, da kommen verschiedene Player, die rund um die Maschine sowieso unterwegs sind zusammen, da macht es mehr Sinn wenn man auch die gesamten Stakeholder dort auch mit einbezieht und das ganze branchenspezifisch aufsetzt. Das sind so die Ansätze, worüber dezentral auch die Portfolios gemanagt werden können und die Strukturierung, die von dir angesprochen wurde, auch entsprechend stattfindet.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Ja, genau. Ich frag mich jetzt z.B., wenn ich ein Maschinenbauer bin, der gerade vielleicht eine sehr sonderspezifische Anlage hat und die wiederum seinem Kunden verkaufen will mit einem digitalen Service oder einer App sogar, dann muss die ja auch irgendwo eingeordnet werden und wieder auffindbar sein für seine Kunden wiederum. Das stelle ich mir gerade schon komplex vor, aber es gibt da sicher standardisierte Ansätze und deswegen finde ich diese Hub-Idee oder Store-Idee sehr passend.

Dr. Marco Link |

Das Schöne, wenn man jetzt mal 2 Schritte weiter geht. Der Kunde hat schon seinen Maschinenpark gepflegt und hat auch schon ein paar Applikationen. Wenn er auch im Store unterwegs ist dann wird er natürlich zukünftig bzw. weiß der Store ja wie der Maschinenpark aussieht. Da kann man dann natürlich auch Kompatibilitätsabgleiche und so weiter sich vorstellen zukünftig, um das Thema nach vorne zu treiben. Da will ich aber mal ein bisschen, wenn jetzt die Zuhörer dann denken, okay, jetzt heben wir gleich alle ab, einfach auch noch mal auf den Boden der Tatsachen zurückkommen. Viele der Applikationen sind momentan ja tatsächlich noch nicht SaaS-Applikationen,wir fangen ja schon sehr früh an mit dem Thema, wir glauben aber dass es wichtig ist auch für Applikationsentwicklungen, die jetzt gerade starten sozusagen die Rahmenbedingungen einmal vorgeben zu können, und wir laden hier auch wirklich jeden ein dieses Konzept zu unterstützen. Also wir versuchen auch maximal offen zu sein, um wie gesagt am Ende die Vorteile bei den Maschinenbetreibern auch entsprechend nach vorne zu bringen.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Habt ihr im Rahmen des Netzwerkes konkrete Mehrwerte identifiziert, wie z.B. so ein Maschinenbauer beispielsweise aus dem Sondermaschinenbau seinem Endkunden einen konkreten Mehrwert bieten kann, also im Sinne von ich verkaufe die Anlage mit einem digitalen Service und gebe ihm Prozess-Knowhow als Anlagenbauer irgendwo mit spezifischen, ja vielleicht auch Prozessschritten innerhalb dieser Maschine oder innerhalb der Maschinenlinie. Habt ihr da in eurer Community schon Ansätze entwickelt, was so konkrete Mehrwerte dann für diesen Endkunden sind?

Dr. Marco Link |

Gut. Wir haben beispielsweise Mayer & Cie., die machen Rundstrickmaschinen, also im Textilbereich, die letztlich auf der IoT-Plattform, also jetzt sind wir nicht mehr bei Hub, sondern bei der Plattform aber in dem Kontext so eine Art Kundenportal aufgebaut haben, um ihren Kunden auch immer den aktuellen Stand der Maschinen zu geben und hier auf Basis relativ einfach und das haben sie auch relativ schnell gebaut. Das ist glaube ich auch ganz gut von der ganzen Projektunterstützung gewesen, wo sie ihren Kunden auch relativ schnell aufzeigen können, da gibt es verschiedene Probleme und das ist jetzt nicht so sophisticated prediction oder sonst was, sondern da gibt es Probleme wo man einfach einen Absprung in den Spare-part-Shop und so weiter hat. Die Prozesse auf Kundenseite werden stark vereinfacht in dem Fall. Ähnliches hat die SCHENCK RoTec GmbH gemacht. Die machen so Auswuchtmaschinen, das sind dann solche Themen, wo man die Daten, die so eine Maschine erzeugt, quasi gestern noch per USB-Stick an der Maschine holen gehen musste. Das sind jetzt mal so kleine erste Themen, wo man sagt, wenn man jetzt anfängt das zu vernetzen, dann kann man natürlich auch die Prozesse und auch die Durchläufe hier besser gestalten oder das Beispiel von Karl Mayer, die jetzt Anfang des Jahres eine Maschine gelauncht haben, die machen ja diese Wirkmaschinen, das ist ja dieser spezielle Stoff der in der Funktionswäsche verarbeitet ist, wo die Muster aus einer Cloud-Applikation direkt auf die Maschine gebracht werden und die Maschine funktioniert eigentlich nur noch per Cloudanbindung. Das sind jetzt natürlich die ersten Schritte an der Stelle.

💡Use Case 3 | Schenck RoTec GmbH (Auswuchtmaschinen) „SmartCockpit“ | Produktions- und Qualitäts-KPIs sowie die Verfügbarkeit und Fehler/Maschine

💡Use Case 4 | KM.ON by KARL MAYER „k.innovation“ | Bestücken d. Textilmaschine mit Mustern aus der Cloud zur Prozessoptimierung

Jetzt Expertenbeitrag zu "k.innovativ" lesen

Ing. Madeleine Mickeleit |

Was sind das für Themen, die darüber hinaus noch aufkommen im Prozess der Lösungsfindung? Also mit welchen inhaltlichen Themen beschäftigen sich diese Unternehmen dann? Hast du da vielleicht mal ein Beispiel?

Dr. Marco Link |

Gut, das ist dann natürlich ein enger Austausch mit Kunden, wo können Prozesse verbessert werden und das Ganze dann ergänzt mit der Arbeit in der Community. Die kann dann das ganze Thema Device Management, was dann ja eine Rolle spielt, wenn ich sage, okay ich kann diese Maschine nur noch mit Cloudzugriff entsprechend bekommen, dann muss ich auch diese Maschine aus der Cloud heraus irgendwie managen und das ganze verwalten, also da kommt natürlich die Kundenanforderung in Richtung der Technik und da haben wir entsprechend unsere Puzzleteile mit zur Verfügung gestellt.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Und der Ansatz bei euch im Hub ist dann sozusagen auch das aufzunehmen und vielleicht auch zu überlegen, das kann man jetzt auch als Lösung für andere Kunden nutzen, die vielleicht ein ähnliches Problem haben, vielleicht verkaufen oder zumindest den Ansatz, die Idee, teilen in dem Netzwerk oder an anderer Stelle Input zurückzubekommen?

Dr. Marco Link |

Also an der Stelle ist das glaube ich schon recht spezifisch, da würde man jetzt glaube ich lügen, wenn man sagt, das kann man irgendwie 1:1 woanders hinschieben, sicherlich das Konzept ist sicherlich interessant. Ich glaube da sind es eher die generischen Themen, dass man sagt, man hat z.B. so was wie OEE, was ich eben genannt habe oder Produktionsplanungssysteme, ja bei solchen generischen Teilen, also da geht es schon drum, dass man so schneller in das Thema Wiederverwendbarkeit reinkommt.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Jetzt hatten wir vorhin schon zum Thema Standards kurz gesprochen. Welche sind in dem Umfeld noch relevant? Ich meine du hattest das Thema Rechtemanagement angesprochen und auch das Single-sign-on-Thema. Sind das so Themen, die die Maschinenbauer umtreiben oder sind das noch andere Themen oder Standards in dem Zusammenhang, die da aufkommen?

Dr. Marco Link |

Gut, natürlich haben wir, wenn es darum geht auch Maschinen anzubinden und diese Daten dann generisch für verschiedene Applikationen zu nutzen, haben wir ja immer das Standardisierungsproblem. In deinem letzten Podcast hattest du ja die Cybus-Leute hier entsprechend an Bord gehabt, die haben ja auch schon zu diesem Thema berichtet und machen ja auch die IoT Gremien, wie die Open Industry 4.0 Alliance teilweise mit. Diese Herausforderungen haben wir natürlich auch und wir versuchen ja auch auf verschiedenen Standards aufzusetzen, also wir haben das z.B. für die Stammdaten entsprechend gesehen, dass wir dort bestehende Standards versucht haben wieder zu verwenden. Meistens ist es ja so, dass ein Standard so ein Theorieelement darstellt, muss man dann irgendwie umsetzen und dann ist ja noch die Frage, setzt das jeder gleich um oder nicht und wir haben jetzt versucht in unserer Community unseren Weg zu gehen und auch erstmal auf einen Nenner zu kommen. Das war schon mal sehr gut. Da haben wir dann so eine Symantec Workgroup aufgemacht zum Thema Maschinen-Stammdaten, da haben wir letztendlich auch die Applikation fertig. Das Maschinenbuch ist letztendlich so eine Art Kontaktbuch, kann von allen verwendet werden und die Daten, die dann dort rauskommen, können dann auch in den Applikationen standardisiert weiterverwendet werden. Und das was dann drunter liegt können verschiedene Euromap oder verschiedenste Standards sein, wo man sagt, da hat man sich dann die Themen oder die verwandten Felder herausgegriffen.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Okay. Spannend. Wenn ich jetzt noch einmal mehr in näher in das geschäftliche Doing als Maschinen- und Anlagenbauer gehe. Hast du Tipps aus der Praxis, die du aus eurer Community siehst und wo du sagst, da sollte man vielleicht drauf achten, wenn ich jetzt meine Industrial IoT-Lösung aufbaue? Vielleicht auch schon eine App habe oder vielleicht auch gerade starte, je nach dem welchen Status ich gerade habe? Hast du da Tipps aus der Praxis?

Dr. Marco Link |

Ja, also der größte Tipp ist nicht zögern. Ich glaube viele Erfahrungen müssen gemacht werden und mein Eindruck ist teilweise, dass man sehr lange Zeit aufgehalten wird mit den Plattformentscheidungen, Evaluation und so weiter durchzuführen, also nicht zögern und versuchen neue Geschäftsmodelle oder zu überlegen, wo steht mein Geschäft in 5 Jahren, wie kann Digitalisierung das ganze Thema unterstützen. Das ist glaube ich jetzt das eine erstmal zu starten, um Erfahrungen zu sammeln oder sich solchen Communities wie wir es sind anzuschließen, um auch von Erfahrungen anderer entsprechend zu profitieren.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Siehst du denn Ansätze in eurem Netzwerk bei den Maschinenbauern für, ja sag ich mal wie ich im Alltagsgeschäft überhaupt dahin komme so agile Ideen überhaupt zu produzieren? Das ist ja sozusagen fernab vom Kerngeschäft, was ich sonst immer tue. Siehst du da Ideen bei eurem Netzwerk, die gut funktioniert haben?

Dr. Marco Link |

Also die größte Herausforderung die ich sehe ist neben dem was ich eben gesagt habe Plattformthemen, Evaluation, lange warten bis man startet, das ist glaube ich das eine, aber die größte Herausforderung, die ich sehe ist, dass viel Initiativen aus digitalen Bereichen oder stark technologisch betriebenen Bereichen kommen. Und die Challenge ist es wirklich die Leute, die den Kunden gut kennen, die auch in Geschäftsmodellen oder auch die Möglichkeiten der Digitalisierung sehen, die ins Boot zu bekommen. Also so etwas wie, vielleicht eigene Produktionsleiter oder Serviceleiter, die sehen ja eine digitale Lösung nicht nur als zusätzlichen Revenue Stream, sondern der ist vielleicht die Spitze des Eisbergs eines Geschäftsmodells was wir umsetzen, um vielleicht unsere Serviceprozesse dadurch zu optimieren. Also diesen Weitblick, der ist glaube ich wichtig und dies ist eventuell auch eine kulturelle Frage, wie schaffe ich es die Leute, die eigentlich seit 20 oder seit 30 Jahren Erfahrungen haben in diesen Bereichen, wie schaffe ich es deren Wissen mit diesen neuen Möglichkeiten zusammenzubringen, um daraus dann die richtigen Lösungen zu generieren. Weil diese Themen, werden ja überall mit diesen digitalen Start-ups und insbesondere bei größeren Unternehmen aufgesetzt. Ich finde das durchaus gut, dass so etwas gemacht wird. Allerdings muss man ein bisschen aufpassen, inwiefern haben sie auch die DNA des Unternehmens in sich. Weil, wenn sie dann vielleicht, in das Unternehmen kommen und verstehen wollen wie die Prozesse laufen nicht viel zu extern, um sich in die Prozesse reindenken zu können.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Vielleicht haben wir ja in Zukunft auch noch neue Berufsfelder, einerseits die die Prozesse intern kennen, andererseits vielleicht auch das Produkt um mit den entsprechenden Experten da zusammen zu arbeiten oder Ähnliches. Ich meine so Brainstorming, vielleicht geht es ja auch in die Richtung, dass man vielleicht gar nicht eine eigene GmbH oder Ähnliches, gerade für kleinere Firmen gründen muss, um solche digitalen Themen voranzutreiben. Vielleicht reicht ja auch jemand, der sich den Themen annimmt und da den entsprechenden Support von intern bekommt.

Dr. Marco Link |

Genau. Das sind ja auch immer Schnittstellenthemen: klassisch wie Wirtschaftsinformatik oder auch heute geht es immer noch um die Vermittlerrolle zwischen den Welten und hier ist es genauso. Die einen haben das Fach-Knowhow, das Prozesswissen, die wissen wie die Kunden arbeiten und was die Kunden vorhaben und auf der anderen Seite gibt es die Möglichkeit diese Brücke optimal zu spannen. Da liegt letztendlich auch der Erfolgsfaktor drin.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Ist ja fast schon so eine Art Matrix-Organisation oder wie man das so im Ansatz nennt, wie die verschiedenen Initiativen und Ideen zusammenzubringen aus den einzelnen Abteilungen. Spannend.

Ja, zum Thema Zukunft was denkst du wird da kommen, wenn man so die nächsten 5 Jahre betrachtet?

Was glaubst du, wo wird es hingehen?

Dr. Marco Link |

Gut, ich glaube von der technologischen Komponente her wird das Thema Cloud noch stärker werden. Wir sehen ja immer mehr hybride Strukturen aufkommen, also ich glaube das Hybride wird es auch noch lange geben, auch enorm sinnvoll im Sinne der Kosten, aber mit 5G und der Skalierbarkeit, die eine Cloud liefert, sehe ich da einen ganz klaren Weg in diese Richtung. Da hat man jetzt auch während Corona gesehen, dass man mal eben ein Microsoft Teams Unternehmen aufsetzen will, gar kein Problem, skalierbar ohne Ende. Und ich glaube diese Flexibilität wird zukünftig auch noch mehr notwendig sein und auch der gesamte Maschinenbau wird glaube ich auch wesentlich flexibler werden, wo man vielleicht auch Mechanismen, die heutzutage in der IT-Welt bekannt sind, dass man irgendwo sagt, okay ich werf jetzt irgendwo mal so einen Auftrag in so ein Werk rein, die produzieren dir das und ich setz mir noch einen Logistikbaustein dahinter, quasi so in dynamischen Netzwerken, das ist glaube ich was wo es wirklich hingehen wird, wo wir aber noch viel Vorarbeit leisten müssen, damit das auch wirklich flächendeckend so auch funktioniert und da sehe ich eine relativ große Herausforderung drin, das eine sehr große Veränderung ist und auch verschiedene Player reinkommen. Es werden sich Machtverhältnisse potenziell verändern und so weiter. Und da habe ich so ein bisschen eine leichte Angst, sag ich mal, das der Kooperationswille, der jetzt sagen wir mal in unserer Community durchaus gegeben ist, dass der aber auch über unsere Community hinaus verbessert werden könnte und irgendwo haben wir da ja auch volkswirtschaftlich einen Blick drauf zu sehen, dass Amerika und China sehr weit nach vorne laufen und auch neue Standards setzen und da habe ich ein bisschen Angst, dass wir uns zu sehr im Klein-Klein, weil jeder vielleicht für sich so ein bisschen sein will und die Offenheit an mancher Stelle noch ausbaufähig ist, ja dass wir uns da auch etwas verbauen für die Zukunft. Ich hoffe es nicht, aber wir sind ja auch eine Allianz, die versucht dem entgegen zu wirken im Großen und Ganzen.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Ich wollte gerade sagen, dass ist ja genau der Ansatz um Netzwerke wie das Eure zu nutzen. Gerade beim Maschinen- und Anlagenbau, dass man auf das Knowhow zugreifen kann und da auch entsprechend von Fehlern lernen kann und aber auch das Ganze skalierbar in der Zukunft auch ausbauen kann. Ja. Spannend.

Dr. Marco Link |

Ja.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Ja zum Ende. Kontakt zu Euch. Über Adamos.com oder wie findet man zu Euch am besten?

Dr. Marco Link |

Adamos.com, LinkedIn, nach Adamos oder Marco Link googeln. Das geht relativ einfach.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Ja, ich werde das auch noch einmal entsprechend verlinken. Wir haben jetzt auch einige Use Cases angerissen. Ich denke mal, wenn es da noch Fragen gibt, dann kann man sich da auch direkt an Dich wenden. Ich verlinke Dein LinkedIn-Profil und die Website und die ganzen Anwendungsfälle dazu. Das ist sicherlich für einige Hörer sehr spannend. Ich danke Dir schon mal für Deine Zeit und auch dass unsere Hörer jetzt verstehen, was der Adamos Hub ist und wie Ihr im Netzwerk arbeitet, wie auch der Weg zu Euch ist, an welchen Standards und Themen Ihr arbeitet. Genau. Ich habe mich sehr gefreut, dass Du heute dabei warst. Vielen Dank auch für Deine Zeit und genieße die restliche Woche.

Dr. Marco Link |

Madeleine, herzlichen Dank. Ich habe mich über die Einladung sehr gefreut und würde mich freuen aus der Community auch gerne Kontaktanfragen zu bekommen. Wir sind ein offenes Netzwerk und freuen uns auf diese ganzen Themen weiterzutreiben.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Sehr schön. Alles klar. Vielen Dank. Bis dann.

Ing. Madeleine Mickeleit |

Hallo zurück. Ich hoffe, diese Folge hat Euch gefallen und Ihr konntet entsprechend mehrwertbringende Inhalte für Euch mitnehmen und wenn ja, werdet gern Follower des Podcasts oder folgt mir direkt auf LinkedIn dann seid Ihr auch gleich up to date für neue Folgen. News und Trends rund um das Thema Industrial IoT. Alle Infos zum Podcast sind unter iotusecase.com zu finden. Recht einfach zu schreiben mit Ansprechpartnern der einzelnen Experten und den unterschiedlichen Bedarfsträgern der einzelnen Use Cases, aber auch der entsprechenden Umsetzungspartnern dazu und das zugeordnet zu einzelnen IoT-Kategorien. Bei Fragen zu konkreten IoT-Projekten oder Feedback schreibt mir gern direkt auf LinkedIn oder nutzt das Kontaktformular auf iotusecase.com. Eine Sache möchte ich noch kurz anmerken. Wenn Ihr für die nächsten Folgen einen Experten kennt oder ein bestimmtes Thema hören wollt, schreibt mir gern auf LinkedIn oder über das Kontaktformular auf der Website und wir tun alles, dass dieser Interviewpartner oder dieses Thema in den nächsten Folgen auch mit dabei ist. Vielen Dank und wie gewohnt bis zur nächsten Folge am kommenden Mittwoch. Eure Gastgeberin Madeleine Mickeleit.

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