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HDI Thinx – Dr. Verena Brenner | Versicherung und Industrial IoT | Innovative Geschäftsmodelle der Versicherungsbranche zur Schadensprävention und deren Auswirkungen am Markt

#006 | Versicherung

Hier mehr zu den Use Cases erfahren

In dieser Industrial IoT Podcast Folge spreche ich mit Dr. Verena Brenner, der Geschäftsführeren der HDI TH!NX (Tochter HDI Global SE) über Versicherungs Use Cases der Industrie, was HDI überhaupt als Use Case versteht und welche Versicherungs-Risiken in diesem Zusammenhang betrachtet werden.

Vorstellung | HDI Th!nx und Konzern

Die Folge beginnt mit der Vorstellung von Dr. Verena Brenner, der Geschäftsführerin von HDI Th!nx. Verena promovierte im Bereich International Logistik und hat bereits vor ihrer Zeit bei HDI Erfahrungen vor allem im Bereich der Kühlkettenüberwachung ausgebaut. Sie hat über 6 Jahre Erfahrung über die HDI Risk Consulting in der Industrie Versicherungsbranche und berät Kunden seither in Betriebsunterbrechungsrisiken und neuen Geschäftsmodellen. Seit Anfang 2019 ist sie als Projektmanagerin IoT bei HDI unterwegs und seit Ende 2019 als Geschäftsführerin der Ausgründung HDI Th!nx erfolgreich. 

Zu Beginn der Folge ordnen wir HDI Th!nx zunächst innerhalb des HDI Konzerns als eigenständige Gesellschaft ein und sprechen über die interne Zusammenarbeit und Aufstellung. Die Schwerpunkte von HDI Th!nx sind Industrielle IoT Use Cases voranzutreiben, dabei Schadenstreiber zu reduzieren und neue Lösungen sowie Produkte zu entwickeln. Dabei arbeiten die Mitarbeiter sehr eng mit den Ingenieuren der HDI Risk Consulting zusammen. Verena erklärt in diesem Zusammenhang ebenfalls die Aufgaben des Underwritings. Die Aufgaben liegen vor allem in der Definition der Deckungsumfänge der Versicherung mit dem Kunden und wie groß das technische Risiko ist. Das technische Risiko wird unterstützend mit der Einheit der HDI Risk Consulting berechnet. Die HDI Risk Consulting beschäftigt rund 180 Ingenieure weltweit, die aus unterschiedlichen Wissenschaften kommen. Verena führt aus, dass die interne Zusammenarbeit in den Use Cases stark vom Schwerpunkt abhängt. Von Schadensprävention, Naturgefahren, technischen Versicherungen wie bspw. Maschinenbruch oder Baurisiken bis hin zur Transportversicherung für Schwertransporte oder Schüttgut sind mehrere Bereiche vertreten. 

Verena erklärt, dass das HDI Th!nx die Definition von Auswirkungen für bestehende Versicherungen und die Bedarfsentwicklung an bestehenden Versicherungsmodellen im Fokus hat. Zu diesem Zweck spricht HDI vor allem mit den einzelnen Industriekunden, die häufig auch Eigentümer bei HDI sind mit entsprechend engen Beziehungen. Verena führt aus, dass viele Industriekunden angefangen haben sich mit dem Thema IIoT zu beschäftigen. Häufig setzen die Kunden bereits Lösungen mit entsprechender Sensorik für Condition Monitoring ein, um Transparenz zu definierten Prozessen zu schaffen. Dies geschieht häufig in Form von sog. POCs (Prove of Concepts). Durch das Knowhow von HDI lassen sich diese Analysen ergänzen. Jedoch können nicht alle Schäden auf einer solchen Basis vorhergesehen werden. Je nach Anwendungsfall werden unterschiedliche Risikomodelle entwickelt, führt Verena aus. Der Bedarf zum Versicherungsschutz der Kunden ändert sich dabei mit der Zeit und viele sind auf der Suche nach neuen Partnern aus anderen Branchen.

Die Kunden von HDI Th!nx sind in allen Branchen vertreten. Dies kommt vor allem aus der Historie des Konzerns HDI. Von Kunden aus den Bereichen Chemie, Textil, Stahl, Lebensmittel über verschiedene Wertschöpfungsstufen spielt HDI Th!nx eine Rolle.

"Wir müssen zwischen Use Cases und Buzzwords unterscheiden"

Die Use Case Findung unterliegt bei HDI Th!nx einem stringenten Prozess. Start der Use Case Findung ist durch eine Idee entweder von intern oder extern. Diese durchläuft anschließend eine Qualifizierungsphase und wird im Anschluss durch unterschiedliche Kriterien bewertet. Verena merkt an, dass der Aufwand zur anschließenden Produktentwicklung hier häufig von vielen unterschätzt wird. Wichtig ist früh die erste Idee zu untermauern. Sie nennt hier das Beispiel der Wasser-Leckage. Die Leckage als solche ist für HDI Th!nx erst dann ein Use Case, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Diese sind beispielsweise die Art der Leckage Ausprägung wie Frischwasser- oder Abwasser, Mikro-Leckage oder Rohrbrüche und die Bewertung der technischen Machbarkeit. Auch die Häufigkeit der Schäden, die Zielgruppe und die unterschiedlichen Interessenslagen sind Einflussfaktoren.

Risiken, die es schon länger gibt oder neue Risiken die aufkommen, werden in der Use Case Betrachtung entweder versucht zu minimieren oder zu transferieren. Neben der technischen Machbarkeit kommt die Mehrwerts-Diskussion hinzu. Kostenreduktion, Schadensreduktion und Ertragspotentiale müssen dabei in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Verena führt aus, dass ein skalierbarer Ansatz gesucht wird, der über die individuelle Beratung hinaus geht.

In den Geschäftsmodellen gibt es unterschiedliche Ansätze. Ein Beispiel nennt Verena aus dem Bereich der Performance Garantien. Hier setzt sich HDI Th!nx mit dem Kunden und dem Underwriting in einem interdisziplinären Team zusammen, um das Produkt zu verstehen und die Mehrwert-Garantien zu definieren. Fragen wie „Welche Anforderungen gibt es zur Datenbasis?“, „Welche Schnittstellen sind vorhanden?“ und „Wie können wir sicherstellen, dass reproduzierbare Ergebnisse erzielt werden?“ finden hier Diskussionsraum. Um dieses Thema greifbar zu gestalten bringt Verena ein Beispiel aus dem Maschinenbau. Für den Maschinenhersteller gibt es zwei Möglichkeiten in einem IIoT Use Case. Entweder er erzielt größere Einsparungen wie beispielsweise Energieeinsparungen oder er erreicht einen höheren Output wie eine größere Produktionsmenge oder verringerter Ausschuss. Die Maschine mit Sensorpaket ist hier zwar für seinen Endkunden teurer, bietet jedoch Vorteile, wenn diese Leistung garantiert wird.

Pay per Use Modelle bringen für den Maschinenbauer deutlich höhere Aufwände mit sich. Es ergeben sich erhebliche Auswirkungen auf die Bilanz des Unternehmens und die Steuerung des Vertriebs. Umsätze und weitere Finanzkennzahlen werden anders verbucht, als durch klassischen Maschinenverkauf. Hier brauchen Unternehmen häufig eine größere Beratungsmannschaft und entsprechende Umstrukturierungen, führt Verena aus.

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Für das Underwriting ergeben sich bei HDI ebenfalls Aufwände. Aus Fixkosten werden variable Kosten, welche nicht mehr in die Betriebsunterbrechungsversicherung fallen. Daraus ergeben sich Risiko-Verschiebungen in den vorhandenen Modellen der Risikobeurteilung. Verena nennt das Beispiel einer Papierpresse, welche nicht mehr dem Unternehmen gehört und damit auch nicht mehr die Verantwortung des Ausfall-Risikos. Verena geht in diesem Zusammenhang auf die verschwimmenden Grenzen und die Komplexität dieser Risiko-Zuordnungen ein – wenn beispielsweise ein Ertragsschaden entsteht.

Aus ihrem beruflichen Hintergrund nennt Verena zum Verständnis der Thematik ein Beispiel Use Case aus dem Feld der Kühlkettenüberwachung. Nicht alle Akteure in dieser Supply Chain haben überhaupt ein Interesse an der Transparenz ihrer Performance. Die Überschreitung der Temperatur eines kritischen Guts auf dem Transport führt demzufolge zu einer Haftungsfrage mit entsprechenden Folgen.

Verena bringt im Anschluss einen weiteren spannenden Use Case zur Überwachung von Avocado Transporten nach Europa. Hier kommt es häufig zu Überfällen der Transporter und zu entsprechenden Versicherungsschäden. Technologien wie Blockchain können hier helfen die Transparenz von solchen Vorfällen zu fördern. Bei der Umsetzung solcher Lösungen sollte jedoch darauf geachtet werden, dass es sich um etablierte Transportketten mit stegiten Akteuren handelt. Verena merkt ebenfalls an, dass auch nicht jedes Unternehmen direktes Interesse daran hat die Daten mit dem Versicherer zu teilen. Schadensauffälligkeiten und Use Cases mit Win-Win Situation sollten hier im Fokus stehen.

Um die Thematik der Schadensbilder abzurunden sprechen wir im Verlauf ebenfalls über Naturgefahren und Brandrisiken. Für Naturgefahren gibt es etablierte Frühwarn-Systeme, für Use Cases wie Rückstau, Flut oder dedizierte Wasserschäden. Verena merkt an, dass Brandursachen sehr unterschiedlich sein können. Elektrische Ursachen durch den Menschen, staubige Umgebungen, Kurzschlüsse oder fehlerhafte Bauteile in der Maschine selber können beispielsweise zum Brand führen. Eine stärkere Vernetzung von Schutzsystemen können Dokumentationsaufwände und Zeiten durch Begehungen für Audits einsparen.

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Abschließend gibt uns Verena einen Einblick in die Zukunft der Versicherungsbranche durch Industrielle IoT Lösungen. Versicherungslösungen werden intelligenter und Sensordaten werden verstärkt als Quelle für Risikokalkulationen genutzt. Neue Geschäftsmodelle mit Schadensreduktionen für den Kunden bedürfen branchenübergreifende Kooperationen und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Versicherungsbedarfe ändern sich, neue Produkte entstehen und die Interaktion mit dem Kunden wird intensiver, führt Verena aus. HDI Th!nx will dafür „Produktionsentwicklung am laufenden Band“ angehen, diese mit den richtigen Fachleuten angehen und kontinuierlich an Lösungen und neuen Produkten arbeiten. Diese werden bestehende Geschäftsmodelle der Versicherung absichern und helfen neue zu verstehen.

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Mehr zu diesem Umsetzungspartner

HDI TH!NX ist ein in Berlin ansässiger Hersteller von IIoT- und Blockchain-Lösungen, der gemeinsam mit der Branche innovative Services und Geschäftsmodelle entwickelt. Der Anwendungsbereich von HDI TH!NX ist die Entwicklung digital verbesserter und digital disruptiver Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle im Zusammenhang mit Industrieversicherungen.HDI TH!NX ist ein Start-up mit der finanziellen Stabilität eines globalen Industrieversicherungsunternehmens. Unsere Kunden sind Hidden-Champions bis hin zu internationalen Unternehmen in allen Branchen. Die Mission ist es, technologiegetriebene Lösungen zum Schutz und zur Ermöglichung von Geschäftsmodellen zu entwickeln

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